Der Konflikt hat die Produktionskapazitäten im Nahen Osten schwer getroffen. Branchenkreisen zufolge sind rund 9,1 Millionen Tonnen Polyethylen (PE) und 3 Millionen Tonnen Polypropylen (PP) ausgefallen . Einem Bericht von ChemOrbis/ADNOC zufolge liegt ein erheblicher Teil der iranischen Petrochemie – darunter die Schlüsselstandorte Asaluyeh und Mahshahr – brach . Der Nahe Osten hält rund 15 % der weltweiten PE-Kapazität, und Asien importiert etwa 70 % seines Naphthas aus der Region, was den Angebotsschock noch verstärkt .
Seit dem Ausbruch des US-israelischen Krieges gegen Iran am 28. Februar 2026 sind die Polymerpreise um rund 41–42 % gestiegen, angetrieben durch drastisch höhere Rohöl- und Naphthakosten . Im Juni, während der kurzen Waffenruhe, fielen die Preise zunächst, drehten aber im Juli wieder kräftig nach oben, als die Feindseligkeiten wieder aufflammten und die Straße von Hormus erneut geschlossen wurde .
Der Bereich „Packaging & Specialty Plastics“ von Dow Inc. erzielte im zweiten Quartal 2026 einen Nettoumsatz von 6,4 Milliarden US-Dollar, ein Plus von 27 % im Jahresvergleich (SEC-Einreichung bestätigt einen lokalen Preisanstieg von 30 % in diesem Segment im Jahresvergleich; konzernweit lag der Anstieg bei 20 %) . Dow übertraf damit die Analystenerwartungen für den bereinigten Gewinn im zweiten Quartal, beflügelt durch den konfliktbedingten Angebotsschock . CEO Karen Carter erklärte, dass anhaltende Spannungen den Ausblick für das dritte Quartal weiter verbessern könnten. Sie betonte: „Das ist ein Vorteil, wenn das Öl teurer wird“, während die Kosten für Dows US-amerikanische Rohstoffe auf Ethan-Basis weitgehend stabil blieben .
Der Analystenkonsens ist eindeutig: Eine Normalisierung des Plastikmarktes wird es frühestens 2027 geben. „Packaging Dive“ berichtet, dass die „Hoffnung auf eine schnelle Normalisierung des Plastikmarktes mit der Eskalation des Iran-Konflikts schwindet“ und Marktteilnehmer nun mit einer Verschiebung auf 2027 rechnen . Der britische Kunststoffhändler „Plastribution Group“ stellt in seinem Bericht für Juli 2026 fest, dass die Preise zwar im Juni wieder auf das Vorkriegsniveau gefallen seien, die erneuten Kampfhandlungen im Juli jedoch „weitere Unsicherheit“ geschaffen und diesen Trend wieder umgekehrt hätten .
Der Konflikt verändert auch den Markt für Recyclingkunststoffe – allerdings in unterschiedlichem Maße. In Europa und Asien steigt die Nachfrage nach Rezyklaten sprunghaft an, da die Preise für Neukunststoffe (Virgin Material) explodieren und das Angebot knapp ist . Die wachsende Preisdifferenz macht recycelte Alternativen für Verarbeiter zunehmend wettbewerbsfähiger. In den USA hingegen bleibt die Nachfrage nach Recyclingkunststoffen flau. Grund sind strukturelle Probleme in der Entsorgungsinfrastruktur – begrenzte Sammlung, Sortierung und Aufbereitung –, die es den US-Recyclern verwehren, von der Substitutionsmöglichkeit zu profitieren .