Die Bewertungsspanne der Bank ist bewusst breit gefasst:
Diese enorme Spanne spiegelt die extreme Unsicherheit wider, wie und ob SpaceX seine KI- und Orbital-Computer-Ambitionen tatsächlich monetarisieren wird. Selbst Morgan Stanleys Base-Case birgt erhebliche Risiken: Die Bank beziffert den Finanzierungsbedarf auf rund 672 bis 700 Milliarden Dollar und prognostiziert bis 2035 keinen positiven freien Cashflow .
Spacex' Reise nach dem Börsengang war eine Achterbahnfahrt. Das Unternehmen ging am 12. Juni 2026 zu 135 Dollar pro Aktie an die Börse, eröffnete bei 150 Dollar und erreichte am 16. Juni mit 225,64 Dollar einen Höchststand – ein Anstieg von 67 Prozent gegenüber dem Emissionspreis in nur vier Handelstagen .
Dann kam die Wende mit voller Wucht. Bis zum 23. Juni war die Aktie an einem einzigen Tag um 16 Prozent auf rund 154,60 Dollar gefallen und hatte über 600 Milliarden Dollar an Marktwert vernichtet . Bis zum 24. Juli notierte SPCX nahe 113 Dollar – dicht am Allzeittief und deutlich unter dem Emissionspreis . Die Aktie hat damit sämtliche Kursgewinne nach dem Börsengang wieder abgegeben.
Der größte Katalysator für weitere Kursverluste könnte noch bevorstehen. SpaceX wird am 4. August 2026 seinen ersten Quartalsbericht als börsennotiertes Unternehmen vorlegen . Zwei Tage später, am 6. August, läuft die erste Lockup-Tranche aus. Dann dürfen Insider und Mitarbeiter rund 911,5 Millionen Aktien verkaufen – das entspricht einem Wert von etwa 109 bis 123 Milliarden Dollar zum aktuellen Kursniveau .
Zum Vergleich: Diese einzelne Lockup-Frist ist etwa 68-mal so groß wie eine typische Lockup-Frist bei einem Large-Cap-Unternehmen . Bis Dezember 2026 würden durch die kumulierten Lockup-Fristen insgesamt 40 Prozent des Streubesitzes handelbar werden .
Dieses Überangebot ist ein Hauptgrund, warum Analysten mit anhaltendem Abwärtsdruck rechnen . Viele Anleger, so Morgan Stanley, erwarten, dass die Aktie genau dann auf 100 Dollar fällt, wenn diese Lockup-Aktien auf den Markt kommen .
Morgan Stanleys Warnung basiert auf einem einfachen Rechenmodell, das die einzelnen Geschäftsbereiche von SpaceX getrennt bewertet:
Morgan-Stanley-Analyst Adam Jonas formulierte es deutlich: „Wir glauben, dass die derzeitige Kluft zwischen der zunehmend pessimistischen Anlegerstimmung und den weitgehend unveränderten Fundamentaldaten einen attraktiven Einstiegspunkt für SpaceX-Aktien schafft“ . Mit anderen Worten: Die Bank bleibt für die grundlegende KI-Geschichte von SpaceX bullish – der Markt preist diese Geschichte jedoch so ein, als existiere sie nicht.
Die Kursmarke von 100 Dollar ist für SpaceX eine kritische Schwelle. Sollte die Aktie dieses Niveau erreichen – und viele Analysten erwarten genau das, wenn die Lockup-Aktien Anfang August den Markt fluten –, sagt Morgan Stanleys Modell: Anleger würden das Raketen- und Starlink-Geschäft von SpaceX zu einem fairen Preis bekommen, das KI-Geschäft jedoch effektiv gratis dazu erhalten.
Ob das eine Kaufgelegenheit oder eine Wertfalle darstellt, hängt davon ab, ob SpaceX seine Vision orbitaler Rechenleistung tatsächlich umsetzen kann – und ob es den Finanzierungsbedarf von fast 700 Milliarden Dollar bis 2035 ohne positiven freien Cashflow übersteht .