Die Studie nutzte Methoden zur täglichen Attribution der Meeresoberflächentemperatur, um den Einfluss des anthropogenen Klimawandels von natürlichen Schwankungen wie El Niño zu isolieren. Das Ergebnis: Das jüngste globale Korallenbleichen (2018 bis 2025) ist „vollständig auf die menschengemachte Erwärmung zurückzuführen“. Auch alle früheren globalen Ereignisse – in den Jahren 1998, 2010 und 2014–2017 – tragen „deutliche Fingerabdrücke des anthropogenen Klimawandels“ .
Andrew Pershing, Chefprogrammleiter von Climate Central und Hauptautor der Studie, zog eine klare Schlussfolgerung: „Unsere Studie zeigt, dass Korallenbleichen ohne den Klimawandel ein seltenes und isoliertes Ereignis wäre – globale Massenbleichen würde es schlicht nicht geben“ . Die Analyse macht deutlich, dass keines der globalen Bleichereignisse seit 1998 ohne die durch fossile Brennstoffe verursachte Ozeanerwärmung ein globales Ausmaß erreicht hätte .
Diese Erkenntnis reiht sich in eine wachsende Zahl von Forschungsarbeiten der US-Behörde NOAA und anderer wissenschaftlicher Einrichtungen ein. Eine Studie von Hughes und Kollegen aus dem Jahr 2018 in Science zeigte, dass der durchschnittliche Abstand zwischen Bleichereignissen heute weniger als halb so groß ist wie vor der Ära der anthropogenen Erwärmung – die Erholungszeit für die Riffe wird immer kürzer . Die neue Climate-Central-Studie liefert nun den bislang klarsten kausalen Zusammenhang: El Niño ist zwar weiterhin ein mächtiger Auslöser, aber nur der Funke in einem Pulverfass aus Ozeanhitze, das durch Treibhausgasemissionen entstanden ist.
Die Forscher projizieren einen ernüchternden Meilenstein: Bis zum Jahr 2028 wird die menschengemachte Erwärmung den Einfluss von El Niño in jeder Korallenriffregion der Erde überwiegen . Das bedeutet, dass Bleichereignisse zunehmend die persistent wärmeren Ozeane widerspiegeln werden und nicht mehr nur ungewöhnlich starke natürliche Klimazyklen. Die unerbittliche Hintergrunderwärmung wird das Zeitfenster für die Erholung der Korallen weiter verkürzen, sodass schwere Bleichen zu einem immer häufigeren und erwartbaren Ereignis werden.
Die Studienergebnisse stehen im Schatten des größten Korallenbleichens der aufgezeichneten Geschichte. NOAA bestätigte das vierte globale Korallenbleichereignis am 15. April 2024 . Nach Angaben von NOAAs Coral Reef Watch waren von Frühjahr 2023 bis Mitte 2025 rund 84 % der weltweiten Korallenriffgebiete im Pazifik, Atlantik und Indischen Ozean von bleichendem Hitzestress betroffen .
In mindestens 83 Ländern und Territorien wurde in diesem Zeitraum ein Massenbleichen der Korallen dokumentiert . Dieses Ereignis übertraf den bisherigen Rekordhalter (2014–2017), der etwa zwei Drittel der globalen Riffe betraf. NOAA geht davon aus, dass das vierte globale Korallenbleichen Mitte 2025 endete, warnt aber, dass diese Pause kaum Erleichterung bringen wird .
Die Kernaussage der Studie ist klar: El Niño kann die Bedingungen zwar verschärfen, aber erst die zugrunde liegende Erwärmung der Ozeane – angetrieben durch die Verbrennung fossiler Brennstoffe – macht das Massenbleichen zu einem globalen Phänomen. Die Studie stellt fest, dass die Ozeanerwärmung die Basistemperatur für Riffe grundlegend verändert hat. Das bedeutet, dass selbst ein moderater El Niño heute ein schweres Bleichen auslösen kann, das noch vor wenigen Jahrzehnten unmöglich gewesen wäre.
Diese Forschung unterstreicht die dringende Notwendigkeit, die Ursache der Ozeanerwärmung anzugehen. Ohne eine deutliche Reduzierung der Treibhausgasemissionen, so die Implikation der Studie, werden zukünftige Bleichereignisse häufiger, schwerer und noch weniger von El Niño abhängig sein. Das Zeitfenster für wirksame Maßnahmen zur Rettung der Korallenriff-Ökosysteme – die schätzungsweise 25 % aller Meereslebewesen beherbergen – schließt sich rapide.