Bereits wenige Stunden nach der Sony-Ankündigung startete ein kanadischer Händler die Petition „Don’t Kill the Disc“ auf Change.org . Ihr Ziel ist klar: „Unterschreiben Sie, um Sony aufzufordern, Disc-basierte Spiele über 2028 hinaus am Leben zu erhalten, damit die nächste Generation die Spiele, die sie spielt, besitzen und nicht nur mieten kann“ . Die Petition knackte in nur etwas mehr als einer Woche die Marke von 250.000 Unterschriften und zählt damit zu den größten Basisaktionen der Spielebranche der letzten Jahre . Am 9. Juli war sie die am schnellsten wachsende Petition auf der gesamten Change.org-Plattform .
„Wir sind nicht gegen digital. Wir sind dagegen, dass digital die einzige Option ist“, heißt es in der Petition .
Die Disc-Entscheidung traf mitten in ein bereits laufendes juristisches Verfahren. Die niederländische Verbraucherstiftung Stichting Massaschade & Consument (SM&C) verklagte Sony bereits wegen der 30-prozentigen „Sony-Steuer“ auf alle Verkäufe im PlayStation Store . Das Ende der Discs, so argumentiert SM&C, zerstöre Sonys eigene kartellrechtliche Verteidigungslinie, da der letzte verbliebene Wettbewerb im Einzelhandel wegfällt .
Die Organisation, die rund 1,7 Millionen niederländische PlayStation-Nutzer vertritt, fordert Schadensersatz in Höhe von über 400 Millionen Euro . SM&C-Vorsitzende Lucia Melcherts erklärte gegenüber WCCFtech: „Keine Discs bedeuten keinen Gebrauchtmarkt und keine Alternative zum PlayStation Store. Ab 2028 entscheidet Sony also allein, was ein Spiel kostet und wie lange man es nutzen darf“ . Die erste Anhörung zu dem Fall hat bereits stattgefunden .
Mehrere Berichte heben hervor, dass der Schritt zur reinen Digitaldistribution den gesamten Gebraucht- und Verleihmarkt für PlayStation-Spiele vernichten würde – ein Markt, der Milliarden wert ist. Die Times of India berichtete, dass Spieler um den „Verlust des Wiederverkaufsmarkts“ fürchten , und Verbraucherschützer warnen vor einem drohenden „Preismonopol“ des PlayStation Store, sobald der stationäre Einzelhandel als Alternative verschwindet .
Der Erfinder der Disgaea-Reihe wurde zu einem der lautstärksten Kritiker der Entscheidung. In einem Interview mit Noisy Pixel auf der Anime Expo 2026 sagte Niikawa: Sonys Führungskräfte „haben sich wahrscheinlich nie Gedanken darüber gemacht, was physische Editionen für die Menschen bedeuten, die sie schätzen“ . Er argumentierte weiter: „Wenn sie schon so weit gehen, physische Spiele abzuschaffen, können sie auch gleich die Konsolen-Hardware abschaffen“ – ein Fernseher würde für rein digitales Spielen schließlich auch reichen . Sonys Führungskräfte, so Niikawa, „verstehen die Gefühle der Fans nicht“ .
Auch der renommierte Entwickler Hideo Kojima signalisierte seinen Unmut. Wie die Japan Times berichtete, retweetete Kojima Kommentare, die er erstmals 2021 geäußert hatte: „Digitale Daten werden nicht mehr im alleinigen Besitz von Einzelpersonen sein“ . IGN bestätigte, dass Kojima Kritik an Sonys Entscheidung retweetete .
Nach der Ankündigung verhängte Sony über seine wichtigsten Social-Media-Kanäle – X/Twitter, Facebook, Instagram und Bluesky – für rund fünf Tage komplettes Stillschweigen . Einzig der YouTube-Kanal war weiter aktiv, und die allermeisten Kommentare unter den dortigen Videos drehten sich um die Disc-Entscheidung . Als Sony schließlich in die sozialen Netzwerke zurückkehrte, ging es mit keinem Wort auf die Entscheidung ein – geschweige denn, dass es sie zurücknahm .
Nach neuesten Berichten von Ende Juli 2026 hat Sony bislang keinerlei Stellungnahme veröffentlicht, die das Auslaufen der Disc-Produktion im Januar 2028 zurücknimmt oder abändert . Die Politik bleibt trotz dessen, was eine Publikation als „Feuersturm“ der Kritik bezeichnete, in Kraft .
Die angebliche Umstellung von Sonys österreichischem Disc-Werk auf die Produktion optischer Mikrolinsen für die KI-Forschung taucht in keinem der im Rahmen dieser Recherche zurückgegebenen Quellenartikel auf und konnte daher nicht unabhängig überprüft werden.
Sonys Disc-Aus markiert einen entscheidenden Wandel in der Konsolen-Spielelandschaft. Das Unternehmen wettet darauf, dass die Bequemlichkeit des rein digitalen Einkaufs die Bedenken hinsichtlich Besitz, Wiederverkauf und Preisgestaltung überwiegt. Doch mit einer Viertelmillion Unterschriften, einer 400-Millionen-Euro-Klage und den prominentesten Entwicklern der Branche, die ihre Stimme erheben, hat die Entscheidung ein Maß an anhaltendem Widerstand hervorgerufen, das Sony nicht bereit – oder nicht in der Lage – zu sein scheint, direkt anzusprechen.