Die Kommission hatte AliExpress bereits im Juni 2025 über ihre vorläufigen Feststellungen zu den Verstößen informiert . Damals akzeptierte und machte die Kommission auch eine Reihe von Zusagen von AliExpress zur Transparenz bei Werbung und Empfehlungssystemen verbindlich, die Kernprobleme der Risikobewertung blieben jedoch ungelöst
.
Die Durchsetzungsgeschichte des DSA zeigt eine deutliche Eskalation sowohl bei der Höhe der Geldbußen als auch bei der Art der Verstöße:
Die AliExpress-Strafe ist 2,75-mal höher als die gegen Temu und 4,58-mal höher als die gegen X. Die maximal mögliche Geldbuße nach dem DSA beträgt 6 % des weltweiten Jahresumsatzes eines Unternehmens . Temus geschätzter Jahresumsatz im Jahr 2025 von 53 Milliarden Euro bedeutete, dass die maximal mögliche Geldbuße bei etwa 2,8 Milliarden Euro lag, und die tatsächliche Strafe von 200 Millionen Euro blieb weit unter dieser Obergrenze
.
Die Kommission hat AliExpress angewiesen, Abhilfemaßnahmen zu ergreifen. Das Unternehmen muss bis zum 20. Oktober 2026 einen Maßnahmenplan zur Behebung der festgestellten Mängel vorlegen . Bei Nichteinhaltung der Entscheidung drohen Zwangsgelder
. Die Kommission bleibt mit AliExpress im Dialog, um die Einhaltung der Entscheidung und des DSA insgesamt sicherzustellen
. Die genauen Abhilfemaßnahmen wurden in der öffentlichen Zusammenfassung nicht im Detail genannt, müssen aber die festgestellten systemischen Versäumnisse bei Risikobewertung, Produktmoderation und Eindämmung illegaler Produkte beheben.
Die AliExpress-Strafe fällt nur wenige Tage nach der Einführung einer Pauschalabgabe von 3 Euro auf Pakete im Wert unter 150 Euro durch die EU, die zuvor zollfrei in die EU eingeführt werden konnten – ein Schritt, der voraussichtlich die Geschäftsmodelle der chinesischen Online-Handelsriesen AliExpress, Shein und Temu erheblich beeinflussen wird . Zusammen signalisieren diese Maßnahmen ein massives regulatorisches Vorgehen gegen E-Commerce-Plattformen, die es versäumen, illegale und unsichere Produkte, die über ihre Marktplätze verkauft werden, zu bekämpfen.
Hinweis: Eine separate Geldstrafe von 2 Millionen Dollar gegen Temu, die in einigen Suchergebnissen auftaucht, betraf ein Verfahren der US-Handelsaufsichtsbehörde FTC nach dem INFORM Consumers Act und steht in keinem Zusammenhang mit den hier diskutierten EU-Geldbußen .