Eine kleine Klarstellung zum Zeitplan: Die Schwelle von „über 60 %“ wird von mehreren Quellen als Ziel für 2028 genannt . Der Meilenstein für 2027 liegt bei „über 45 %“ . Goldman erwartet zudem, dass die Hormuz-Durchflüsse sich dauerhaft auf nur etwa 70 % des Vorkriegsniveaus erholen werden (etwa 13 Millionen bpd der 23 Millionen bpd vor dem Krieg), da die dauerhafte Umleitung auf Pipelines die Abhängigkeit von der Meerenge verringert .
VAE – Die Abu Dhabi National Oil Co. (ADNOC) beschleunigt den Bau einer West-Ost-Pipeline zum Hafen von Fujairah am Golf von Oman mit einer Kapazität von 1,5 Millionen bpd. Das Projekt war im Mai 2026 zu fast 50 % fertiggestellt und soll Anfang 2027 in Betrieb gehen . Zusammen mit der bestehenden Habshan-Fujairah-Pipeline (1,8 Mio. bpd) wird sich die Bypass-Kapazität der VAE damit etwa verdoppeln . Während des Konflikts exportierten die VAE bereits etwa 1,8 Millionen bpd über Fujairah – trotz iranischer Angriffe auf das Terminal .
Saudi-Arabien – Das Königreich führt nach Angaben von fünf Reuters-Quellen erste Gespräche über einen Ausbau seiner Ost-West-Pipeline (Petroline) zur Roten-Meer-Küste nach Yanbu . Dies würde es Saudi-Arabien und möglicherweise auch Nachbarstaaten ermöglichen, mehr Öl ohne die Durchquerung der Straße von Hormuz zu transportieren .
Kuwait – Die staatliche Kuwait Petroleum Corp. (KPC) führt aktive Gespräche mit Saudi-Arabien und den VAE, um Zugang zu deren Pipeline-Netzwerken für seine Rohölexporte zu erhalten . Kuwait hat keine eigene Küste außerhalb des Persischen Golfs und ist unter den großen Golfproduzenten am stärksten von der Hormuz-Durchfahrt abhängig – dies hat daher höchste strategische Priorität .
Irak hat ebenfalls Maßnahmen zur Steigerung der Rohölexporte über alternative Pipelines genehmigt, wobei konkrete Kapazitätszahlen noch nicht vorliegen .
Chinas seewärtige Rohölimporte sind im Zuge der Krise auf den niedrigsten Stand seit über einem Jahrzehnt gefallen. Kpler schätzte die Juni-Ankünfte auf 5,84 Millionen bpd (etwa die Hälfte des Vorkriegsniveaus), für Juli lagen die Werte sogar bei rund 5,31 Millionen bpd . Dieser Nachfragerückgang – verursacht durch Pekings Exportverbot für Kraftstoffe, schwache Raffineriemargen und Kaufzurückhaltung – schuf einen temporären Puffer auf den globalen Märkten, indem er weniger des noch fließenden Angebots absorbierte .
JPMorgan erklärte, dass mehr als 50 % des Rückgangs der chinesischen Rohölnachfrage seit Kriegsbeginn vorübergehend seien und sich umkehren würden . Die Bank schätzt, dass etwa 3 Millionen bpd der verlorenen Nachfrage zurückkehren werden, sobald Chinas petrochemischer Sektor wieder hochfährt und das Land seine strategischen Reserven auffüllt .
JPMorgan erwartet, dass China im August 2026 seine Ölkäufe wieder aufnehmen wird, wobei die Rohölimporte deutlich anziehen sollen, nachdem Peking sein Exportverbot für Kraftstoffe bereits aufgehoben hat . JPMorgans Analysten sehen darin einen entscheidenden Moment, der die Märkte nach monatelanger Nachfrageentlastung wieder anspannen könnte .
Der Konflikt hat einen dauerhaften Strukturwandel in der Golf-Energieinfrastruktur ausgelöst. Die Financial Times berichtete, dass die Golfstaaten zuvor unwirtschaftlich erscheinende Pipeline-Projekte wieder aufgreifen, da der Krieg „die Verwundbarkeit der regionalen Energieinfrastruktur“ offengelegt habe . Analysten beschreiben die neue Denkweise der Branche als „Diversifizierung um jeden Preis“: Pipeline-Kapazitäten, die einst als zu teuer galten, erhalten nun dringende Investitionen .
Wichtigste Ergebnisse:
Hinweis: Die spezifische Frage nach der Rolle von Produktionssteigerungen in den USA, Kanada und Brasilien zur Abfederung der Angebotsausfälle konnte anhand der vorliegenden Quellen nicht mit konkreten, zitierfähigen Daten belegt werden. Die verfügbaren Quellen verweisen auf einen breiteren Marktkontext, liefern aber keine detaillierte regionale Aufschlüsselung.