Sperren sollten das letzte Mittel sein, nicht die erste Reaktion. Google plädiert dafür, dass gerichtlich angeordnete Sperren nur dann verhängt werden sollten, wenn die üblichen Verfahren zur Entfernung von Inhalten versagt haben. Gerichte sollten nicht als „bloße Postkästen der Rechteinhaber“ fungieren, die Sperrgesuche ohne Prüfung durchwinken. Anordnungen sollten transparent, zeitlich befristet sein und eine geteilte Kostenverantwortung vorsehen .
Die wahre Lösung sind bessere legale Alternativen. Google erklärt, dass seine Erfahrung zeige, dass „die unbefriedigte Nachfrage der Verbraucher ein Haupttreiber der Piraterie ist“, und der beste Weg, sie zu bekämpfen, darin bestehe, „bessere, bequemere und legale Alternativen“ bereitzustellen, anstatt die Durchsetzung auszuweiten .
Google führt konkrete Beispiele für Überblockungen aus Italien, Frankreich und Portugal an, um zu zeigen, welchen realen Schaden die Ausweitung von Sperrmaßnahmen über Internetdienstanbieter (ISP) hinaus anrichtet.
Das automatisierte italienische System „Piracy Shield“ sperrte irrtümlicherweise drive.user.google.com, eine legitime Google-Subdomain für Datei-Downloads, nachdem ein Rechteinhaber eine Meldung ohne ausreichende Prüfung eingereicht hatte . Die Sperre führte zu einem stundenlangen landesweiten Ausfall von Google Drive in Italien. Cloudflare berichtete, dass der Ausfall über 12 Stunden dauerte und Tausende italienische Studenten und Berufstätige den Zugriff auf ihre Dateien verlor
. Eine Studie der Universität Twente bestätigte, dass der Vorfall auch YouTube und hunderte weitere legitime Webseiten, darunter Bildungs- und Wohltätigkeitsorganisationen, versehentlich blockierte
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Google wies darauf hin, dass „Piracy Shield“ IP-Adressen blockierte, die zur CDN-Infrastruktur von Cloudflare gehörten. Dies führte dazu, dass der Zugriff auf mehr als 42 Millionen legitime Kundendomains, die auf diesen Adressen gehostet wurden, blockiert wurde . In einem Blogbeitrag erklärte Cloudflare, das System sei „ein stumpfes Werkzeug für Rechteinhaber, um zu kontrollieren, was im Internet verfügbar ist, ohne die traditionellen rechtlichen Sicherheitsvorkehrungen.“ Es verlange von ISPs, VPNs und DNS-Resolvern, gemeldete Domains und IP-Adressen innerhalb von 30 Minuten zu blockieren
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Nachdem ein französisches Gericht DNS-Resolver-Sperren gegen Piratenseiten angeordnet hatte, entschied sich Cisco, seinen OpenDNS-Dienst in Frankreich vollständig einzustellen, anstatt die gerichtlich angeordnete Blockade zu implementieren . Dieser Vorfall zeigt eine unbeabsichtigte Folge solcher Maßnahmen: Statt die Durchsetzung zu unterstützen, ziehen sich Anbieter möglicherweise ganz vom Markt zurück, was die Wahlmöglichkeiten und Sicherheit für die Verbraucher reduziert. Ein separates, von der EU finanziertes DNS-Unternehmen wurde von einem französischen Gericht ebenfalls zur Sperrung von Piratenseiten verurteilt, was bestätigt, dass Drittanbieter von DNS-Diensten zur Verantwortung gezogen werden können
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Im Dezember 2019 blockierten Internetdienstanbieter (ISPs) in Portugal im Rahmen einer Sperranordnung von Google gehostete virtuelle IP-Adressen. Dies beeinträchtigte „zentrale Google-Dienste und unterbrach den legitimen Datenverkehr für andere unbeteiligte Google-Cloud-Kunden, die dieselben virtuellen IPs nutzten“ .
Googles Stellungnahme war nicht die einzige. EuroISPA, ein Dachverband, der über 3.300 europäische ISPs vertritt, reichte ebenfalls eine Beschwerde bei der Europäischen Kommission ein und bezeichnete die Sperrmaßnahmen als „unverhältnismäßig“. Der Verband fordert, dass Urheberrechtsinhaber für Kollateralschäden haftbar gemacht werden . Die Computer & Communications Industry Association (CCIA), zu deren Mitgliedern Google, Amazon und Cloudflare gehören, bat die Kommission, die Rechtmäßigkeit des italienischen „Piracy Shield“ im EU-Recht zu prüfen
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Google wies zudem darauf hin, dass es bereits in Frankreich, Belgien, Italien und Portugal gerichtlich angewiesen wurde, den Zugriff auf Piratenseiten über seinen eigenen DNS-Resolver zu sperren – das Unternehmen verfügt also über umfangreiche eigene Erfahrung mit diesen Maßnahmen . In einer separaten, groß angelegten OONI-Studie zu einer Sperranordnung von LaLiga in Spanien wurde festgestellt, dass über 554.000 Domains mindestens einmal blockiert wurden, darunter Seiten von Amnesty International, der ACLU, UNICEF, UNHCR, dem australischen Senat und der Stanford Law Review
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Die Bedeutung ist hoch: Während die Europäische Kommission die Urheberrechtsrichtlinie überprüft, muss sie die Wirksamkeit von Sperrmaßnahmen gegen die dokumentierten Risiken von Überblockungen und Kollateralschäden für legitime Internetdienste abwägen.