Die Juli-Zahlen stellen eine drastische Korrektur der eigenen früheren Schätzungen der IEA dar. Der prognostizierte Rückgang von 1,1 mb/d bedeutet eine Verringerung um 700.000 Barrel pro Tag (kb/d) im Vergleich zum IEA-Bericht vom Mai 2026 . Grund dafür waren Daten, die für das zweite Quartal 2026 einen Einbruch der Auslieferungen um 5 mb/d im Jahresvergleich belegten – ausgelöst durch explodierende Treibstoffpreise und massive Versorgungsengpässe .
1. Zusammenbruch des Waffenstillstands und faktische Schließung der Straße von Hormus
Die Straße von Hormus – durch die vor Beginn der Militäraktion am 28. Februar 2026 fast 20 % des weltweiten Ölangebots flossen – blieb bis Mitte 2026 faktisch für die Schifffahrt gesperrt . Ein fragiler Waffenstillstand zwischen den USA und dem Iran war gescheitert, sodass kein nennenswerter Tankerverkehr wieder aufgenommen werden konnte. Die IEA warnte, dass die Erholung der Versorgungsströme selbst nach einer Wiederaufnahme der Schifffahrt Monate dauern würde . Die Schließung löste einen historischen Angebotsschock aus, der den Preis für Dated Brent auf 144 Dollar pro Barrel in die Höhe trieb .
2. Erzwungene Nachfragevernichtung durch hohe Preise und Treibstoffknappheit
Mit der geschlossenen Meerenge brach die Ölverfügbarkeit ein – die Preise an den Zapfsäulen erreichten ein Niveau, das den Verbrauch drastisch reduzierte. Die IEA stellte fest, dass sich die Nachfragevernichtung „über die Sektoren und Regionen hinaus ausgebreitet hatte, die zunächst am stärksten vom US-Iran-Krieg betroffen waren“. Höhere Preise und „ein raueres makroökonomisches Umfeld“ erfassten weite Teile der Weltwirtschaft .
3. Globaler Angebotseinbruch
Die IEA schätzte, dass die weltweite Ölproduktion im Jahr 2026 aufgrund des Iran-Konflikts um 3,9 mb/d zurückgehen würde. Das Angebot lag mit durchschnittlich etwa 102,4 mb/d unter der prognostizierten Nachfrage von 103,3 mb/d, was die meiste Zeit des Jahres zu einem Netto-Marktdefizit führte .
4. Starke Einbrüche in Asien
Die Nachfragevernichtung konzentrierte sich auf Asien – die Region, die am stärksten von Rohöl aus dem Nahen Osten abhängig ist. Hier verzeichneten die Auslieferungen im zweiten Quartal die stärksten Rückgänge im Jahresvergleich .
Die US-Energieinformationsbehörde (EIA) und die IEA kamen bis Mitte 2026 zu einer ähnlichen Gesamtzahl, auch wenn sie von sehr unterschiedlichen Positionen starteten.
EIA-Juli-2026-STEO (Short-Term Energy Outlook): Die EIA prognostizierte ebenfalls einen Rückgang der globalen Ölnachfrage um 1,1 mb/d im Laufe des Jahres 2026, verglichen mit 104,0 mb/d im Jahr 2025 . In ihrer Pressemitteilung vom 9. Juli hieß es: „Die globale Ölnachfrage sinkt 2026 um 1,1 Millionen b/d im Vergleich zum Vorjahr, wird aber voraussichtlich 2027 um 2,5 Millionen b/d steigen“ .
Frühere Abweichung: Im Mai 2026 hatte die EIA noch einen deutlich geringeren Rückgang von nur etwa 420.000 b/d vorhergesagt. Sie war anfangs also weniger pessimistisch als die IEA, was das Ausmaß der Nachfragevernichtung anging . Im Juni, als die Schließung der Straße von Hormus anhielt und der Waffenstillstand scheiterte, revidierte die EIA ihre Prognose drastisch nach unten – und landete schließlich bei der gleichen Kontraktion von 1,1 mb/d wie die IEA .
Unterschiedliche Preiserwartungen: Trotz der übereinstimmenden Prognose zum Nachfragerückgang gingen die Preisvorstellungen auseinander. Die IEA erwartete ein anhaltendes Defizit bis Ende 2026, während die EIA vorhersagte, dass die Produktion von Erdöl und anderen Flüssigkeiten weiterhin die globale Nachfrage übersteigen würde. Dies sollte die Brent-Ölpreise von durchschnittlich 69 Dollar pro Barrel im Jahr 2025 auf 58 Dollar im Jahr 2026 und 53 Dollar im Jahr 2027 sinken lassen .
Fazit: Sowohl die IEA als auch die EIA prognostizierten für 2026 einen Rückgang der globalen Ölnachfrage um 1,1 mb/d – den ersten jährlichen Rückgang seit 2020. Hauptursache war die faktische Schließung der Straße von Hormus, ein gescheiterter Waffenstillstand und der daraus resultierende Preisschock mit Versorgungsunterbrechungen, die eine breite Nachfragevernichtung erzwangen.