Die Forscher des King’s College London konzentrieren sich auf zwei fundamentale Prozesse, die zur Alzheimer-Pathologie beitragen: die Reparatur von DNA-Schäden in Nervenzellen und die Hemmung schädlicher Entzündungsprozesse im Gehirn . In der Studie an genetisch veränderten Mäusen, die Alzheimer-ähnliche Merkmale entwickeln, aktivierte der Wirkstoff offenbar Reparaturmechanismen, die den wichtigsten Auslösern der Neurodegeneration entgegenwirken .
Wichtiger Hinweis: Die Ergebnisse wurden in mehreren Nachrichtenportalen und auf der Website der School of Neuroscience des King’s College London veröffentlicht. Die spezifische, begutachtete Fachpublikation mit detaillierten Methoden, Effektstärken, kognitiven Ergebnissen und Behandlungsdauer lag zum Zeitpunkt der Recherche jedoch nicht unabhängig im Quellensatz vor . Die Aussagekraft der Alzheimer-spezifischen Behauptungen wird mit der Veröffentlichung der vollständigen Studie – Berichten zufolge in FEBS Open Bio – überprüfbar sein .
KCL-286 (auch bekannt als C286) ist ein oral verfügbares kleines Molekül. Es wirkt als hochselektiver Agonist des Retinsäurerezeptors beta 2 (RARβ2) . RARβ2 ist ein Transkriptionsfaktor – ein Protein, das bestimmte Gene an- oder abschaltet – und spielt eine Schlüsselrolle bei der Regenerationsfähigkeit des zentralen Nervensystems nach Verletzungen .
In der Rückenmarksforschung zeigte KCL-286 bereits, dass es das Auswachsen von Axonen stimuliert, die Narbenbildung (Glianarbe) moduliert und mehrere an der Reparatur beteiligte Signalwege reguliert . Die Neuheit für Alzheimer liegt in der Entdeckung, dass derselbe Signalweg auch die DNA-Reparatur in Nervenzellen auslösen kann – ein zellulärer Defekt, der zu den frühesten Funktionsstörungen bei Alzheimer zählt .
Die Bindung an die Zielstruktur wurde auch beim Menschen bestätigt: In der Phase-1-Studie wurde eine messbare Hochregulierung von RARβ2 in weißen Blutkörperchen nach der Einnahme festgestellt .
Die meiste aktuelle Alzheimer-Forschung konzentriert sich auf die Beseitigung von Amyloid-Beta-Plaques im Gehirn – der Ansatz von zugelassenen Medikamenten wie Lecanemab und Aducanumab. KCL-286 verfolgt einen grundlegend anderen Weg:
KCL-286 sollte daher eher als krankheitsmodifizierender Kandidat verstanden werden, der auf die Zellgesundheit und Entzündung abzielt, anstatt nur die Amyloid-Kaskade zu beeinflussen.
Einer der vielversprechendsten Aspekte von KCL-286 ist, dass es die Phase-1-Prüfung am Menschen bereits bestanden hat – und das ohne schwerwiegende Sicherheitsbedenken .
Die Phase-1-Studie, veröffentlicht im British Journal of Clinical Pharmacology, war eine doppelblinde, randomisierte, placebokontrollierte Dosissteigerungsstudie mit 109 gesunden männlichen Probanden . Sie ergab, dass KCL-286 gut verträglich war und keine schwerwiegenden Nebenwirkungen auftraten. Die Dosen, die im Rückenmarksmodell als wirksam vorhergesagt wurden, waren beim Menschen sicher erreichbar .
Diese Sicherheitsdaten sind ein enormer Vorteil für die Alzheimer-Entwicklung: Forscher kennen bereits das pharmakokinetische Profil des Wirkstoffs, den Biomarker für die Zielstruktur-Bindung (RARβ2-Hochregulierung) und den Dosisbereich, der beim Menschen sicher ist . Dennoch wären für die Alzheimer-spezifische Zulassung entsprechende klinische Studien mit krankheitsspezifischen Wirksamkeitstests erforderlich .
Die nächsten Schritte für KCL-286 in der Alzheimer-Forschung hängen von der vollständigen Veröffentlichung der Maus-Studiendaten und der anschließenden Diskussion mit den Zulassungsbehörden über mögliche klinische Studien ab . Die Tatsache, dass der Wirkstoff oral verfügbar ist (als Tablette, nicht als Infusion) und bereits umfassende Sicherheitsdaten beim Menschen vorliegen, macht ihn zu einem ungewöhnlich attraktiven Kandidaten für eine beschleunigte Entwicklung .
Fazit: KCL-286 stellt einen interessanten und grundlegend anderen Ansatz in der Alzheimer-Forschung dar. Seine Fähigkeit, DNA-Schäden zu reparieren und Neuroinflammation bei Mäusen zu reduzieren, kombiniert mit der bereits nachgewiesenen Sicherheit am Menschen, macht ihn zu einem vielversprechenden Kandidaten. Die Evidenz für seine Alzheimer-spezifische Wirkung ist derzeit jedoch auf vorläufige Berichte beschränkt und muss durch die vollständige Begutachtung in der Fachliteratur bestätigt werden.