Die Kulevi-Raffinerie ist eine neue Anlage – sie erhielt ihren ersten Rohöltanker im Oktober 2025, wobei die russische Firma Russneft 105.000 Tonnen sibirisches Rohöl als erste Lieferung brachte . Die Raffinerie wurde schnell vollständig von russischen Rohstoffen abhängig . Georgiens Ölimporte aus Russland stiegen im Jahr 2025 auf 225.300 Tonnen – doppelt so viel wie im Vorjahr . Allein im Januar 2026 exportierte Georgien Mineralölerzeugnisse im Wert von 56 Millionen US-Dollar, die es als im Inland hergestellt deklarierte – ein Anstieg um 3.300 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum, der direkt auf die Produktion der Kulevi-Raffinerie zurückgeführt wird . Investigativberichte bezeichneten die Anlage als „Geisterfabrik“, die Russland bei der Umgehung von Sanktionen half .
Im Februar 2026 schlug die EU erstmals vor, Häfen von Drittländern zu sanktionieren, die russisches Öl umschlagen – darunter Georgiens Hafen Kulevi und ein Hafen in Indonesien . Die 19. und 20. EU-Sanktionspakete zielten speziell auf die Schlupflöcher ab, russisches Rohöl in Drittländern zu raffinieren und dann nach Europa zu exportieren. Das Kulevi-Terminal war beinahe in den Entwurf des 20. Pakets aufgenommen worden . Eine Analyse des KSE Institute stellte fest, dass Kulevi eine der Raffinerien war, deren verbleibende EU-Exporte (etwa 50.000 Barrel pro Tag zwischen Februar und April 2026) „aus Sicht der Sanktionen potenziell problematisch“ waren . BSPs Entscheidung kam der nächsten Sanktionswelle der EU somit zuvor: Es war einfacher, russisches Rohöl vollständig aufzugeben, als die Sanktionierung der eigenen Anlage zu riskieren .
BSP gab an, dass die Kulevi-Raffinerie in der ersten Jahreshälfte 2026 insgesamt 650.000 Tonnen Rohöl verarbeitet hat . Das entspricht etwa 13.000 Barrel pro Tag – eine Auslastung von rund 54 Prozent der Nennkapazität von 24.000 Barrel pro Tag . Laut Argus Media wurden sowohl russisches als auch aserbaidschanisches Rohöl verarbeitet .
Die Ankündigung aus Kulevi fällt in die Zeit der schwersten Treibstoffkrise Russlands seit Jahren, die durch ukrainische Drohnenangriffe ausgelöst wurde:
Schließung eines Sanktionsschlupflochs: Kulevi war zu einem zentralen Kanal für Russland geworden, um Rohöl in einem Drittland zu raffinieren und die Fertigprodukte nach Europa zu verkaufen, ohne die EU-Sanktionen gegen raffinierte Produkte russischen Ursprungs auszulösen. Der Ausstieg Georgiens schließt diese Route .
Schrumpfende Optionen für russisches Rohöl: Mit dem Ausstieg aus Kulevi verliert Russland einen nahegelegenen Schwarzmeer-Raffineriestandort, der in sechs Monaten 650.000 Tonnen verarbeitete. Moskau hat nun weniger befreundete Häfen mit funktionierenden Raffinerien, die bereit sind, sein Rohöl für den Weiterverkauf an westliche Märkte zu verarbeiten .
Strategischer Schlag in Zeiten der Not: Der Verlust dieses Exportverarbeitungskanals trifft Russland genau in dem Moment, in dem es aufgrund der Drohnenschäden Schwierigkeiten hat, im Inland genügend Benzin und Diesel zu produzieren. Jedes Barrel Rohöl, das in Kulevi verarbeitet worden wäre, muss nun entweder als unraffiniertes Rohöl verkauft werden oder einen weniger versteckten Käufer finden .
EU-Sanktionen zeigen Wirkung: Die Kehrtwende in Kulevi ist ein klares Beispiel dafür, dass der Druck der EU-Sanktionen sein Ziel erreicht hat – ein Betreiber in einem Drittland entschied sich für die Einhaltung der Sanktionen, um Sekundärsanktionen zu vermeiden . Dies schafft einen Präzedenzfall, der auch andere Raffinerien in der Türkei, Indien und anderswo unter Druck setzen könnte, ihre Geschäfte mit russischem Rohöl zu beenden.