Die Arbeitslosenquote fiel zwar von 4,3 % auf 4,2 %, doch Analysten wiesen darauf hin, dass dies vor allem daran lag, dass die Erwerbsquote auf 61,5 % sank – den niedrigsten Stand seit März 2021. Das bedeutet: Arbeitnehmer verließen den Arbeitsmarkt, anstatt einen Job zu finden .
Die Reaktion war unmittelbar und nachhaltig. Gold hatte bereits in der vorherigen Sitzung ein Mehrwochenhoch erreicht und baute seine Gewinne am Donnerstag weiter aus . Reuters berichtete, dass Spot-Gold um 0,8 % auf 4.063,56 Dollar je Unze stieg (Stand 01:03 GMT), und die Rallye gewann im Laufe des Tages an Fahrt
.
Bis Freitagmorgen handelte Spot-Gold bei rund 4.182,28 Dollar und steuerte auf einen Wochengewinn von 2,3 % zu – dem ersten Plus seit fünf Wochen .
Die Reaktion bei Silber war noch dramatischer. Das weiße Metall stand in den Wochen zuvor massiv unter Druck – nach einem Rekordhoch von 121 Dollar war es um mehr als 50 % gefallen, fand aber vor dem Jobbericht Unterstützung in der Spanne von 55 bis 57 Dollar .
Am 2. Juli bestätigte Silber seine Erholung:
Die Quellen sind sich einig: Silber durchbrach die 61-Dollar-Marke auf der Grundlage des Jobberichts, wobei einige Quellen intraday sogar Höchststände über 62 Dollar zeigen. Die Rallye war breit aufgestellt und hatte denselben makroökonomischen Auslöser wie Gold.
Der entscheidende Übertragungsmechanismus war die Verschiebung der Zinserwartungen an die US-Notenbank Fed. Vor dem Bericht hatten die Märkte eine nennenswerte Wahrscheinlichkeit für eine Zinserhöhung im weiteren Verlauf des Jahres 2026 eingepreist. Der starke Mai-Bericht (172.000 Stellen) hatte diese hawkische Erzählung zuvor noch bestärkt .
Das Juni-Minus kehrte diese Sichtweise um:
Die Fed-Funds-Futures deuteten am späten Donnerstag auf eine etwa gleich hohe Wahrscheinlichkeit hin, dass die Zentralbank bis zu ihrer September-Sitzung die Zinsen anheben würde – ein deutlicher Rückgang gegenüber der Wahrscheinlichkeit von rund 80 %, die vor dem Bericht im Umlauf war .
Die Neubewertung der Zinserwartungen wirkte sich auf den Dollar und die Anleihemärkte aus. Der US-Dollar-Index gab um 0,7 % nach, was in Dollar notierte Edelmetalle für Inhaber anderer Währungen billiger machte . Auch die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen fiel, da Händler ihre Positionierungen im Hinblick auf Zinserhöhungen auflösten
. Diese Kombination – ein schwächerer Dollar und niedrigere Renditen – ist das klassische unterstützende Umfeld für Gold und Silber.
Die Edelmetall-Rallye hatte einen sekundären Katalysator. Reuters berichtete, dass niedrigere Ölpreise dem Gold zusätzlichen Auftrieb verliehen . Analysten von CNBC bestätigten, dass "niedrigere Ölpreise die Inflationssorgen gemildert haben", was eines der Hauptargumente der Fed für eine weitere Straffung entkräftete
. Die Kombination aus schwächeren Arbeitsmarktdaten und fallenden Energiepreisen verstärkte die Erzählung, dass der Inflationsdruck nachlässt, was die Dringlichkeit für Zinserhöhungen weiter verringerte.
Die FOMC-Projektionen vom 17. Juni, die nur zwei Wochen vor dem Jobbericht vom 2. Juli veröffentlicht wurden, zeigten, dass die Fed-Vertreter ihre geldpolitischen und wirtschaftlichen Projektionen mit einem Leitzinsziel von 3,50 %–3,75 % aktualisiert hatten . Der schwache Arbeitsmarktbericht verkomplizierte dann den kurzfristigen Zinspfad.
Vor dem Bericht hatte sich die Erzählung einer sich erholenden Arbeitsmarktstärke verfestigt. Die Juni-Daten stellten diese Sichtweise in Frage. Wie Reuters anmerkte: "Die Verlangsamung des Beschäftigungswachstums stellt die Erzählung einer erneuten Arbeitsmarktstärke in Frage, die sich in den letzten Monaten aufgebaut hatte" .
Allerdings hüten sich die Quellen davor, die Lage zu dramatisieren. Reuters beschrieb den Bericht als Hinweis auf einen "abkühlenden, aber immer noch stabilen" Arbeitsmarkt, wobei die Arbeitslosigkeit tatsächlich auf 4,2 % fiel . Der Markt interpretierte die Daten weniger als Alarmsignal, sondern eher als Wegfall des Arguments für eine Zinserhöhung.
Die Rallye vom 2. Juli 2026 war ein Lehrbuchbeispiel dafür, wie Arbeitsmarktdaten über den Erwartungskanal direkt die Edelmetallpreise beeinflussen können. Die Kette war klar: schwächere Beschäftigungszahlen → niedrigere Zinserwartungen → schwächerer Dollar und niedrigere Anleiherenditen → höhere Gold- und Silberpreise.
Die Outperformance von Silber (3,85 % gegenüber Golds 2,49 % an diesem Tag) ist konsistent mit seinem höheren Beta gegenüber makroökonomischen Veränderungen – wenn der Dollar schwächelt und die Zinserwartungen taubenhaft werden, bewegt sich Silber typischerweise aggressiver als Gold .
Für Anleger unterstreicht diese Episode, wie eng Edelmetalle mit den Erwartungen an die Fed verbunden sind. Da der Arbeitsmarkt Risse zeigt und der Inflationsdruck durch fallende Ölpreise nachlässt, hat sich das makroökonomische Umfeld in einer einzigen Handelssession deutlich unterstützender für die Edelmetalle entwickelt.