Die Allianz Research lieferte eine dritte Schätzung: Die Hitzewellen könnten demnach das europäische BIP-Wachstum 2025 um bis zu 0,5 Prozentpunkte schmälern. Die Auswirkungen variieren jedoch stark von Land zu Land: Deutschland verliert demnach schätzungsweise 0,1 Prozentpunkte, während Spanien – wo die Sommertemperaturen rund zehn Grad über dem Normalwert lagen – einen Einbruch von bis zu 1,4 Prozentpunkten hinnehmen musste . Zum Vergleich: Eine Studie aus dem Jahr 2021 zu den bisher schlimmsten Hitzejahren in Europa (2003, 2010, 2015, 2018) ergab, dass allein die geringere Arbeitsproduktivität das BIP um 0,3 bis 0,5 Prozent senkte – in den am stärksten betroffenen südlichen Regionen sogar um mehr als ein Prozent
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Die Auswirkungen der Hitzewelle auf die Lebensmittelpreise waren unmittelbar und messbar. Eine im Mai 2026 veröffentlichte EZB-Analyse schätzte, dass die Hitzewelle des Sommers 2025 die Preise für unverarbeitete Lebensmittel im Euroraum innerhalb eines Jahres um 0,4 bis 0,7 Prozentpunkte erhöhte . Eine separate Analyse, die die breiteren Effekte von Hitze, Dürre und Waldbränden untersuchte, kam zu dem Schluss, dass die Inflation bei Nahrungsmitteln im Euroraum dadurch um etwa ein bis zwei Prozentpunkte angetrieben wurde. Die Studie warnt zudem, dass die Inflationserwartungen der privaten Haushalte „besonders empfindlich“ auf steigende Lebensmittelpreise reagieren
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Vor Ort waren die Schäden in der Landwirtschaft verheerend. In Frankreich schädigten Rekordtemperaturen die Maisernten und führten zu massiven Verlusten in der Geflügelhaltung. In ganz Südeuropa belasteten ausgetrocknete Böden und Hitzestress bei Tieren die Lieferketten: In Spanien fraßen Schweine weniger, in Großbritannien gaben Kühe weniger Milch . Das Europäische Parlament stellte im Mai 2025 fest, dass die Lebensmittelinflation in der EU zwar unter drei Prozent stabilisiert worden sei, die annualisierte Rate aber bereits von zwei Prozent im Januar auf drei Prozent im März gestiegen war – und die Preise für landwirtschaftliche Betriebsmittel immer noch 30 Prozent über dem Niveau von 2020 lagen
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Über die unmittelbaren BIP- und Inflationszahlen hinaus hat die Hitzewelle 2025 die wirtschaftspolitische Landschaft im Euroraum komplexer gemacht.
Inflation und geldpolitische Unsicherheit. EZB-Präsidentin Christine Lagarde hat mehrfach betont, dass extreme Wetterereignisse die Inflationsvolatilität erhöhen und damit die Prognose- und Entscheidungsfindung der Zentralbank erschweren . Ein Forschungsblog der EZB vom Juli 2025 kommt zu dem Schluss, dass der Rückgang der regionalen Wirtschaftsleistung durch eine Hitzewelle nicht nur signifikant (rund ein Prozent), sondern auch langanhaltend ist: Nach zwei Jahren verstärkt sich der Effekt sogar auf ein Minus von 1,5 Prozent
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Wachstums- und Inflationsrisiken bleiben „groß, aber ausgewogen.“ Olaf Sleijpen, Chef der niederländischen Zentralbank, erklärte im Dezember 2025, dass die Risiken für Wachstum und Inflation im Euroraum „relativ ausgewogen, aber weiterhin erheblich“ seien – die EZB müsse daher flexibel auf künftige politische Entscheidungen reagieren .
Finanzstabilität unter Druck. Der EZB-Finanzstabilitätsbericht vom Mai 2025 wies darauf hin, dass die geopolitischen und wirtschaftspolitischen Unsicherheiten ohnehin schon sehr hoch seien, und Klimaschocks das Risikoumfeld für Banken und Versicherungen zusätzlich belasten .
Regionale Unterschiede als geldpolitische Zerreißprobe. Eine akademische Studie aus dem Jahr 2024 zeigt, dass die großen Unterschiede in der Hitzebelastung zwischen nördlichen und südlichen Euroländern zu erheblichen Divergenzen bei den makroökonomischen Reaktionen auf Temperaturanomalien führen. Diese „temperaturinduzierte geldpolitische Spannung“ mache die Einheitszinspolitik der EZB zunehmend schwieriger zu kalibrieren – und die Forschung geht davon aus, dass sich diese Divergenz in Zukunft noch verschärfen wird .