Der Waffenstillstand öffnete die Straße von Hormus zwar für den Rohöltransport, doch das eigentliche Problem ist, dass Raffinerien im gesamten Nahen Osten direkt beschädigt wurden. Walsh stellte klar, dass es Monate dauern werde, die Kerosinversorgung wiederherzustellen, „angesichts der Störungen der Raffineriekapazität im Nahen Osten“ . Mitte Mai berichtete Reuters, dass infolge der Kriege im Iran und in der Ukraine fast 9 % der weltweiten Raffineriekapazität stillgelegt waren . Asiatische Raffinerien drosselten die Produktion von Diesel und Kerosin im April um mindestens 1 Million Barrel pro Tag, da die Rohölimporte auf ein Jahrzehnttief fielen .
Die Vereinbarung vom 8. April war lediglich ein zweiwöchiger vorübergehender Waffenstillstand, kein umfassendes Friedensabkommen . Dies erzeugte tiefe Verunsicherung: Reedereien, Versicherer und Raffinerien zögerten, den Betrieb ohne Garantien gegen eine erneute Eskalation vollständig wieder aufzunehmen. Die Fragilität der diplomatischen Regelung verlangsamte die Rückkehr des normalen Tankerverkehrs und der Lieferketten.
Die Erholung verläuft regional höchst unterschiedlich. US-Raffinerien fuhren ihre Produktion für den Rest des Jahres 2026 nahe an die maximale Kapazität hoch, um die globalen Lücken zu füllen . Europäische und asiatische Fluggesellschaften jedoch, die am stärksten von Kerosinimporten aus dem Nahen Osten abhängig sind, erholen sich deutlich langsamer. Airlines in Südostasien und Ozeanien waren „besonders stark betroffen“ und erheben weiterhin Zuschläge . Ein Bloomberg-Artikel vom 27. Juni stellt fest, dass die Krise „Verwundbarkeiten offengelegt“ habe und Länder wie Großbritannien, Australien und Mexiko besonders gefährdet seien .
Obwohl einige Analysten erwarteten, dass der Nachfrageeinbruch durch reduzierte Flugpläne die Angebotsknappheit mildern würde, war der Angebotseinbruch weitaus größer als der Nachfragerückgang. Die IEA senkte ihre Prognose für die Raffinerieauslastung im Nahen Osten und in Russland drastisch, und das schiere Ausmaß der Raffinerieausfälle hält den Markt angespannt .
Fazit: Die Wiedereröffnung der Straße von Hormus war notwendig, aber nicht ausreichend. Das Kernproblem hat sich vom Rohöltransit hin zu zerstörten und beschädigten Raffineriekapazitäten im Nahen Osten verschoben. Hinzu kommen ein fragiler Waffenstillstand, die langsame Wiederaufnahme der Schifffahrt und strukturell erschöpfte Lagerbestände. Die maßgeblichen Quellen – IATA, IEA, Reuters, Bloomberg, WSJ und AP – sind sich einig: Die Erholung wird mehrere Monate dauern, mit erhöhten Kosten und reduzierten Flugplänen bis weit in die zweite Jahreshälfte 2026.