Der Yen-Carry-Trade. Anleger leihen sich Yen zu extrem niedrigen Zinsen und investieren in höher verzinste Dollar-Anlagen. Diese Strategie erzeugt einen strukturellen Verkaufsdruck auf den Yen. Die Positionen sind riesig – und anfällig .
Innere Unruhen. Die Renditen 40-jähriger japanischer Staatsanleihen sind auf Rekordhochs gestiegen, und innenpolitische Unsicherheit (Premierministerin Takaichi hat vorgezogene Neuwahlen ausgerufen) hat das Vertrauen in den Yen zusätzlich belastet .
Japan ist der größte ausländische Gläubiger der USA und hielt Ende 2024 US-Staatsanleihen im Wert von rund 1,2 Billionen Dollar . Dieses Portfolio steht nun im Zentrum des globalen Risikos.
Interventionen bedeuten Anleiheverkäufe. Wenn Japan den Yen stützt, verkauft es in der Regel US-Staatsanleihen, um Dollar zu beschaffen. Im Mai 2024 fielen die japanischen Bestände an ausländischen Wertpapieren um 50,4 Milliarden Dollar, was auf Verkäufe von US-Staatsanleihen zur Finanzierung einer Rekordintervention von rund 63 Milliarden Dollar hindeutet – ein Schritt, der in Washington kritisch beobachtet wurde . Sollte Tokio erneut in großem Stil intervenieren, rechnen Analysten mit weiteren Verkäufen von US-Staatsanleihen, was die Renditen nach oben treiben und den ohnehin hohen Emissionsdruck am US-Bondmarkt verstärken würde
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Strukturelle Verschiebung der Nachfrage. Selbst ohne offizielle Intervention verändert sich die Nachfrage nach US-Bonds grundlegend. Japanische institutionelle Anleger (Pensionsfonds, Versicherungen, Banken) sind die größten grenzüberschreitenden Käufer von US-Anleihen. Ein schwacher Yen schmälert aber die Rendite dieser Anlagen für heimische Investoren – ein Anreiz, Kapital zurückzuholen oder in heimische, mittlerweile attraktiver verzinste japanische Staatsanleihen (JGBs) umzuschichten . Die Rendite 10-jähriger JGBs liegt inzwischen bei etwa 2,3% – so konkurrenzfähig zu US-Treasuries wie seit Jahrzehnten nicht
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TD Economics bringt es auf den Punkt: „Die Zinsnormalisierung in Japan verringert die Auslandsinvestitionen heimischer Anleger, vor allem von Versicherungen und Pensionsfonds, und entzieht dem US-Staatsanleihemarkt damit eine wichtige Quelle stabiler, langfristiger Nachfrage“ .
Das größte Blitz-Crash-Risiko geht vom Yen-Carry-Trade aus. Wenn der Yen plötzlich an Wert gewinnt – ausgelöst durch eine Intervention, eine überraschende Zinserhöhung der BOJ oder ein breites ‚Risk-Off‘-Ereignis – lösen sich die gehebelten Carry-Positionen mit Gewalt auf. Genau das geschah im August 2024.
Damals stieg der Yen binnen Tagen um mehr als 10%, der S&P Global Broad Index fiel an einem einzigen Tag um 3,3%, der Mexikanische Peso und der Australische Dollar stürzten ab, und US-Staatsanleihen erlebten extreme Kursschwankungen . Die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) dokumentierte, dass die Yen-finanzierten Carry-Trades vor dem Crash historische Höchststände von rund 2 Billionen Yen erreicht hatten
. Analysten von UBS und Barclays warnten damals, dass die Auflösung „noch nicht vorbei“ sei und ein systemisches Risiko darstelle
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Im Jahr 2026, mit weiterhin hohen Carry-Positionen und dem Yen auf einem 40-Jahres-Tief, ist das Risiko eines erneuten, heftigen Ausverkaufs hoch. Finanzministerin Satsuki Katayama hat wiederholt mit Maßnahmen gegen „extreme Schwankungen“ gedroht, und die Märkte bereiten sich auf eine mögliche Wiederholung des August-2024-Schocks vor .
Der Yen auf einem 40-Jahres-Tief ist keine rein japanische Geschichte. Der direkteste Übertragungsweg zu den globalen Märkten führt über Japans 1,2 Billionen Dollar schweres US-Staatsanleihenportfolio. Ob durch interventionsbedingte US-Treasury-Verkäufe oder einen strukturellen Rückzug japanischer Investoren aus US-Bonds: Der größte ausländische Gläubiger der USA wird zunehmend zu einer Risikoquelle für den US-Bondmarkt. Eine Eskalation – sei es durch die Auflösung von Carry-Trades, eine offizielle Intervention oder beides – könnte die US-Renditen nach oben treiben, die globalen Finanzbedingungen verschärfen und weltweit Aktienmärkte, Schwellenländer-Währungen und Kreditmärkte erschüttern.