BYD steht kurz vor einer endgültigen Entscheidung über die Übernahme einer bestehenden Autofabrik für sein zweites europäisches Montagewerk – Spanien und Frankreich sind die beiden verbliebenen Kandidaten . BYD-Vizepräsidentin Stella Li bestätigte im Juni 2026, dass das Unternehmen eine Brownfield-Investition bevorzugt und Spanien auf der Shortlist steht . Alfredo Altavilla, BYDs Sonderberater für Europa, erklärte am 1. Juli 2026: „Die Entscheidung muss sehr bald fallen“ . BYD hat zudem Gespräche mit Stellantis und anderen Autobauern geführt, um unterausgelastete Werke in Europa zu übernehmen – unter anderem in Italien. Das Unternehmen hat jedoch klargestellt, solche Anlagen lieber eigenständig betreiben zu wollen .
Alfredo Altavilla nutzte im Rahmen der Reuters Automotive Europe Conference am 1. Juli 2026 die Gelegenheit zu einer deutlichen Warnung: Die von Volkswagen angekündigten drastischen Sparmaßnahmen seien ein „Weckruf“ für die europäische Autoindustrie, während chinesische Hersteller ihren Marktanteil weiter ausbauen . Er äußerte Zweifel an der Wettbewerbsfähigkeit deutscher Produktionsstandorte und bezeichnete die Lage als „den ersten echten Weckruf für das politische System und auch für das Produktionssystem in Europa“ . Die Aussagen unterstreichen den wachsenden Druck, den chinesische Hersteller auf die etablierte europäische Autoindustrie ausüben.
BYDs erstes europäisches Pkw-Werk in Szeged (Ungarn) wird die Fahrzeugmontage nun im vierten Quartal 2026 aufnehmen . „Ungarn ist aktuell die oberste Priorität“, erklärte Stella Li im Juni 2026 . Frühere Berichte aus dem Jahr 2025 hatten noch von einer Verzögerung der Massenproduktion und einer zunächst geringeren Auslastung des auf 150.000 Fahrzeuge pro Jahr ausgelegten Werks berichtet . Die Probeproduktion soll Anfang 2026 angelaufen sein . Das erste Modell, das in Szeged vom Band läuft, wird der Dolphin Surf sein .
BYD hat die Arbeiten an seinem geplanten Werk in der Türkei vorerst eingestellt und konzentriert sich stattdessen voll auf die Produktion in Europa, wie Stella Li im Juni 2026 bestätigte . Das 2023 angekündigte Milliardenprojekt in Manisa war nie über die Planungsphase hinausgekommen. Einen offiziellen Baustart gab es nicht, und BYD hat den Prozess nun gestoppt, ohne eine formelle Absage zu veröffentlichen . Frühere Berichte aus dem Jahr 2025 hatten noch darauf hingedeutet, dass BYD die Pläne in der Türkei vorantreiben und die Produktion in Ungarn drosseln würde – eine Strategie, die nun revidiert wurde .
Seit dem 1. Juli 2026 ist BYD in Südkorea vom staatlichen Subventionsprogramm für Elektrofahrzeuge ausgeschlossen. Der Grund: Der Hersteller fiel bei der erstmaligen „Evaluation zur Auswahl von Betreibern für das EV-Verteilungsprogramm“ der südkoreanischen Regierung durch . Das Ministerium für Klima, Energie und Umwelt gab bekannt, dass 35 Unternehmen an der Prüfung teilgenommen hätten, 27 den Zuschlag erhielten – BYD jedoch als einziger der zuvor registrierten chinesischen Importeure nicht qualifiziert war . Der Absatz von BYD Korea war in den ersten fünf Monaten des Jahres 2026 um fast 560 Prozent auf 7.023 Einheiten gestiegen. Ohne die staatlichen Zuschüsse – die in Südkorea mehrere hunderttausend Won pro Fahrzeug betragen können – sind Preiserhöhungen nun unvermeidbar . Die neuen Bewertungskriterien legten den Schwerpunkt unter anderem auf technologische Entwicklung, Beitrag zur heimischen Industrie und Forschungs- und Entwicklungskapazitäten – eine Verschiebung, die einheimische Hersteller und Tesla begünstigte, die weiterhin förderfähig blieben .
BYDs globale Expansion schreitet auf mehreren Kontinenten voran, doch in jedem Markt gibt es spezifische Hürden. In Europa setzt der Konzern auf den schnelleren Erwerb bestehender Fabriken, um Zölle zu umgehen und die Auflagen zur „Made in Europe“-Lokalproduktion zu erfüllen . Der Rückschlag in Südkorea zeigt, dass selbst explosive Absatzzahlen durch gezielte politische Maßnahmen schnell gefährdet werden können. Die Kritik des BYD-Beraters an der deutschen Industrie ist ein deutliches Signal: Der Konzern sieht seine Chance, im Herzen der europäischen Autoindustrie weiter Fuß zu fassen – wo er in Deutschland jüngst zur größten Plug-in-Hybrid-Marke aufgestiegen ist .