Die vielleicht bemerkenswerteste Enthüllung betrifft die Steuern, die Microsoft auf seine Irland-Gewinne tatsächlich zahlt:
Microsofts globaler effektiver Steuersatz lag im ersten Halbjahr des Geschäftsjahres 2026 (Stand Dezember 2025) bei etwa 20 Prozent, ein Anstieg von 18 Prozent im Vorjahr, bedingt durch latente Steueranpassungen . Der irische Steuersatz bleibt dagegen extrem niedrig, da die Gewinne über Verrechnungspreise und Lizenzgebühren so strukturiert werden, dass sie in Irland möglichst gering besteuert werden.
Die Belegschaft des Irland-Standorts ist im Verhältnis zu den dort verbuchten Gewinnen bemerkenswert klein:
Diese extreme Produktivitätslücke zeigt, dass die irische Einheit Gewinne aus geistigem Eigentum und Europa-Verkäufen verbucht, die nicht von der lokalen Belegschaft erwirtschaftet werden – ein klassisches Zeichen für die Verrechnungspreisstruktur, die Microsofts Steuerstrategie untermauert.
Microsofts irische Tochterfirmen zahlten im Geschäftsjahr 2025 fast 50 Milliarden Dollar Dividenden an die US-Muttergesellschaft . Der Hauptkanal war Microsoft Round Island One, das allein 48 Milliarden Dollar Dividenden ausschüttete
. Im Vorjahreszeitraum hatten die irischen Tochterfirmen bereits 41 Milliarden Dollar Dividenden an die US-Mutter gezahlt
. Sogar die LinkedIn-Irland-Einheit zahlte im Geschäftsjahr 2025 eine Dividende von 400 Millionen Dollar an Microsoft, nach 150 Millionen Dollar im Vorjahr
. Diese Zahlungen spiegeln die massiven, in Irland angehäuften Gewinne wider, die nach Redmond (USA) repatriiert werden.
Der Bericht bestätigt Microsofts jahrzehntelange Strategie, Europa-, Nahost- und Afrika-Umsätze (EMEA) über Irland abzuwickeln, wo die Gewinne von Irlands niedrigem Körperschaftsteuersatz (12,5 Prozent) und vor allem von Verrechnungspreisvereinbarungen profitieren, die Gewinne aus Ländern mit höheren Steuern nach Irland verlagern – über Lizenzgebühren für geistiges Eigentum und Kostenumlagevereinbarungen .
Microsoft hat historisch irische Tochterfirmen wie Microsoft Ireland Operations Ltd und Microsoft Round Island One genutzt, um IP-Rechte zu halten und Verkäufe in der gesamten EMEA-Region zu verbuchen . Die neuen Transparenzregeln legen das Ausmaß dieser Konzentration nun erstmals öffentlich offen, während zuvor nur aggregierte Auslandszahlen sichtbar waren
.
Die Offenlegungen erfolgen vor dem Hintergrund – und befeuern – die anhaltende behördliche Prüfung von mehreren Seiten:
EU: Die öffentliche CbCR-Richtlinie, 2021 verabschiedet und für Geschäftsjahre, die nach dem 22. Juni 2024 beginnen, in Kraft, gilt für rund 6.000 multinationale Unternehmen. Sie soll "Bürgern, Investoren und politischen Entscheidungsträgern" ermöglichen zu beurteilen, wo Gewinne und Steuern tatsächlich anfallen . Die EU-Kommission hat Irland wiederholt vor einer Überkonzentration der Körperschaftsteuereinnahmen auf wenige große Pharma- und IT-Konzerne – darunter Microsoft – gewarnt
. Die OECD-Mindeststeuer von 15 Prozent (Pillar 2) wurde von der EU ab 2024 für verpflichtend erklärt; der Bericht zeigt jedoch, dass dies noch nicht vollständig umgesetzt ist
.
Großbritannien: Microsoft steht in Großbritannien seit Jahren im Fokus der Steuerfahndung, weil britische Kundenumsätze über Irland abgewickelt werden. Berichten zufolge vermied Microsoft auf diese Weise bis zu 100 Millionen Pfund pro Jahr an britischer Körperschaftsteuer . Die britische Steuerbehörde HMRC hat Microsofts Verrechnungspreisgestaltung geprüft; das Unternehmen hat in der Vergangenheit im Rahmen von Vergleichen zusätzliche Steuern an Großbritannien gezahlt
.
USA: Auch die US-Börsenaufsicht SEC ist betroffen: Die neuen FASB-Offenlegungsregeln (ASU 2023-09) verlangen von US-Unternehmen mittlerweile detailliertere geografische Steueraufschlüsselungen, die die EU-CbCR ergänzen . In den USA gibt es keine vergleichbare öffentliche CbCR-Pflicht, aber US-Abgeordnete und die OECD prüfen weiterhin die Gewinnverlagerung amerikanischer Tech-Giganten über Irland
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Irland: Die Frühjahrsbewertung der irischen Wirtschaft durch die EU-Kommission 2026 warnte ausdrücklich vor der extremen Konzentration der Körperschaftsteuer auf wenige multinationale Unternehmen (Apple, Microsoft und einige Pharma-Konzerne) .
Microsofts erster öffentlicher CbCR bestätigt: 38 Prozent des weltweiten Vorsteuergewinns fließen durch Irland – mit einem effektiven Steuersatz nahe Null (0,01 Prozent) auf diese Gewinne, getragen von Verrechnungspreisen für geistiges Eigentum. Der Bericht offenbart ein massives Ungleichgewicht: 47,1 Milliarden Dollar Gewinn, über 7 Millionen Dollar Gewinn pro Mitarbeiter und fast 50 Milliarden Dollar Dividenden, die in die USA repatriiert werden – bei nur 5,6 Millionen Dollar gezahlter irischer Körperschaftsteuer. Diese Enthüllung wird die anhaltende Prüfung durch die EU (Pillar 2), die britischen Steuerbehörden und die US-Aufsicht weiter anheizen und dürfte den Druck auf eine umfassende internationale Steuerreform erhöhen.