Nachdem die US-Wettbewerbsbehörde (DoJ) und die chinesische Kartellbehörde den Deal bereits ohne Auflagen genehmigt haben, liegt das Schicksal der Mega-Fusion nun in den Händen der Europäischen Union . Dieser Artikel liefert einen Faktencheck: Was ist bestätigt, was ist reines Gerücht, und was bedeuten die geplanten Zugeständnisse für den Wettbewerb?
Die Berichterstattung beziffert den Deal einheitlich auf rund 110 bis 111 Milliarden US-Dollar . Die endgültige Vereinbarung wurde am 27. Februar 2026 zu 31 US-Dollar pro Aktie in bar bekannt gegeben, die Aktionäre stimmten am 23. April 2026 zu
. Die geringe Differenz zwischen den Angaben von NPR (111 Milliarden) und Bloomberg (110 Milliarden) ist wohl auf Rundungen oder unterschiedliche Bewertungsmethoden zurückzuführen
.
Zwei wichtige Wettbewerbsbehörden haben bereits grünes Licht gegeben:
Vereinigte Staaten (DoJ): Das US-Justizministerium schloss seine achtmonatige Prüfung am 12. Juni 2026 ab und befand, die Fusion werde den Wettbewerb oder die amerikanischen Verbraucher wahrscheinlich nicht schädigen . Die Behörde sichtete dabei über zwei Millionen Dokumente und führte stundenlange Zeugenvernehmungen durch
.
China: Die chinesische Kartellbehörde erteilte am 17. Juni 2026 die vorbehaltlose Freigabe, wie aus SEC-Unterlagen und Reuters-Berichten hervorgeht . Diese Genehmigung umfasst den Filmverleih beider Unternehmen in China.
Weitere Länder: Laut Reuters haben auch Australien, Deutschland, Frankreich und Saudi-Arabien zugestimmt . Die spanische Behörde für Auslandsinvestitionen bestätigte am 11. Juni 2026, dass keine Zuständigkeit besteht
.
Die EU-Kommission hat nach der formellen Anmeldung durch Paramount am 2. Juni 2026 den 7. Juli 2026 als vorläufige Frist für die Entscheidung in der ersten Phase festgelegt .
Gibt es eine beschleunigte Frist bis zum 27. Juni? Nein. Entgegen anderslautender Behauptungen bleibt der 7. Juli 2026 der öffentlich genannte Stichtag . Bloomberg berichtete am 24. Juni 2026, der Deal komme auf dem Weg zur EU-Zulassung voran
. Die Marktuntersuchung der Kommission habe laut MLex nur begrenzte Bedenken ergeben, und EU-Wettbewerbskommissarin Teresa Ribera erklärte, die Prüfung laufe noch
.
Sollte Paramount allerdings ein formelles Abhilfepaket vorlegen, verschiebt sich der Zeitplan. Berichten zufolge will Paramount am 30. Juni 2026 einen Verkaufsvorschlag einreichen, was die Frist um zehn Werktage auf den 21. Juli 2026 verlängern würde .
Paramount hat signalisiert, zu zwei wesentlichen Zugeständnissen bereit zu sein, um die EU-Zulassung zu sichern:
Verkauf von Kinder-TV-Sendern. Paramount ist bereit, einige Kindersender abzustoßen, auch wenn man dies eigentlich vermeiden möchte . Der Zusammenschluss würde die beliebten Kindermarken Nickelodeon (Paramount) und Cartoon Network (Warner Bros.) vereinen, was in europäischen Märkten mit starken linearen Sendern Wettbewerbsbedenken aufwirft
. Die Zusammenfassungen nennen Nickelodeon und Cartoon Network als relevante Marken, ein endgültiges Verkaufspaket steht aber noch nicht fest
. Bloomberg-Intelligence-Analystin Jennifer Rie merkte an, dass in europäischen Ländern die linearen Sender Nickelodeon, Nick Jr. und Cartoon Network wegfallen könnten
.
Universal Pictures Joint Venture. Paramount ist zudem bereit, sein Filmverleih-Joint-Venture mit Universal Pictures aufzulösen, um EU-Bedenken zur Filmvermarktung auszuräumen . Der Vorschlag wurde am 24. Juni 2026 mit EU-Kartellbeamten diskutiert und soll die Wettbewerbsängste vor zu großer Marktmacht des fusionierten Unternehmens im Filmverleih zerstreuen
.
EU-Wettbewerbskommissarin Teresa Ribera äußerte Bedenken insbesondere im Bereich Filmverleih und beim sogenannten "Filmemacher-Test“ – also der Frage, ob die Fusion es kleineren Filmemachern erschweren würde, Verleihverträge zu bekommen . Ribera hat den genauen Umfang ihrer Bedenken nicht öffentlich gemacht, aber bestätigt, dass die Prüfung noch andauert
. Berichte aus dem Februar 2026 deuteten darauf hin, dass Paramount nur mit minimalen Verkäufen rechnet, da der gemeinsame Marktanteil mit Warner Bros. in allen europäischen Märkten unter 20 Prozent liegt
.
Unabhängig vom EU-Verfahren hat die britische Wettbewerbs- und Marktaufsicht (CMA) am 9. Juni 2026 eine Fusionsuntersuchung eingeleitet, deren Entscheidung in der ersten Phase bis zum 7. August 2026 erwartet wird .
Mehrere kursierende Behauptungen zu diesem Deal ließen sich aus den verfügbaren öffentlichen Quellen nicht bestätigen:
Der EU stehen bis zum 7. Juli (bzw. 21. Juli bei Einreichung von Abhilfemaßnahmen) drei Optionen offen: den Deal ohne Bedingungen genehmigen, ihn mit Auflagen bewilligen oder eine umfassende Phase-2-Untersuchung einleiten. Angesichts der begrenzten Bedenken aus der Marktuntersuchung und der Bereitschaft von Paramount, Zugeständnisse zu machen, gilt eine bedingte Zulassung als wahrscheinlichstes Szenario . Danach muss noch die britische CMA bis zum 7. August entscheiden
.
Sollten alle Hürden genommen sein, entstünde ein Medienriese mit CBS, CNN, HBO, Paramount Pictures, den Warner Bros. Studios und einer riesigen Bibliothek geistigen Eigentums – von Casablanca über Harry Potter bis Mission: Impossible .
Comments
0 comments