Die bisherige Vorgehensweise bezeichnen die Forschenden als „Suche unter der Laterne“ . Der weitaus grösste Teil des regulatorischen Einflusses eines Gens stammt von weit entfernten Genvarianten auf dem Chromosom. Standard-GWAS scannen lediglich die unmittelbare Nachbarschaft bekannter Gene und ignorieren diese fernen regulatorischen Verbindungen
. Die neue Methode erfasst diese Beziehungen und ermöglicht so die Entdeckung von 641 neuen Kandidaten-Genen, die in Standardanalysen unsichtbar blieben
.
Die GWAS-Ära (2000er–2020er): Grosse Konsortien wie das Psychiatric Genomics Consortium identifizierten 108 genetische Risikoregionen für Schizophrenie und belegten, dass es sich um eine hochgradig polygenetische Störung handelt . Dies war ein wichtiger erster Schritt, doch die Ergebnisse waren statistische Signale – keine ursächlichen Gene oder Erklärungen für das Zusammenwirken
.
Frühere Netzwerkansätze (2010er–2024): Vorherige Forschung nutzte Koexpressions- und Protein-Interaktionsnetzwerke, um Genmodule zu finden . Das Lieber Institute selbst hatte zuvor gezeigt, dass Risikogene etwa 20 Partner-Gene benötigen, um die Krankheit auszulösen
. Diese früheren Versuche waren aber weitgehend auf kurzreichweitige Interaktionen beschränkt
.
Der neue Durchbruch: Durch die Modellierung langreichweitiger Koexpressionsnetzwerke über mehrere Hirnregionen verwandelte die neue Methode statistische GWAS-„Treffer“ in eine funktionale Karte koordinierter Genprogramme . Dabei kamen die 641 neuen Gene und spezifische biologische Signalwege zum Vorschein: Glutamat-Signalisierung, synaptische Kommunikation, Immunprozesse und Hirnentwicklung
.
Die Ergebnisse treiben die Forschung entscheidend in Richtung netzwerkbasierter Präzisionsmedizin. Statt Schizophrenie als eine durch ein oder wenige Gene verursachte Einheitskrankheit zu betrachten, deuten die Resultate darauf hin, dass einzelne Patienten Störungen in ganz unterschiedlichen Gen-Netzwerk-Programmen aufweisen können. Behandlungen könnten künftig auf das spezifische Netzwerkprofil einer Person zugeschnitten werden .
Dr. Daniel Weinberger, CEO des Lieber Institute, sagte: „Das Verständnis dieser koordinierten genetischen Programme bringt uns der Präzisionspsychiatrie näher, in der Behandlungen auf das individuelle biologische Profil eines Menschen zugeschnitten werden können“ .
Die identifizierten Signalwege – insbesondere Glutamat und synaptische Funktion – weisen zudem auf konkrete molekulare Angriffspunkte für neue Medikamente hin . Dies passt zu parallelen Entdeckungen im Feld, etwa neuen Techniken zur Identifizierung von Risikogenen aus schwächeren statistischen Signalen
und der Entdeckung, wie seltene Genmutationen wie ZNF136 und STAG1 das Schizophrenierisiko erhöhen
.
Der netzwerkbasierte Ansatz ist Teil eines breiteren Wandels in der psychiatrischen Genetik. Gleichzeitig arbeiten Forscher an der 3D-Chromatin-Kartierung, um zu verstehen, wie entfernte regulatorische Elemente physisch zusammenschleifen , und an der Multi-Omics-Integration, die Transkriptomik, Bildgebung und klinische Daten kombiniert
. Der Durchbruch des Lieber Institute liefert den Fahrplan: Aus einer Liste genetischer Risikofaktoren wird ein funktionales Schaltbild der Krankheit – und schliesslich die personalisierte Behandlung für jeden einzelnen Patienten.
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