Die Strompreise im belgischen Großhandel schossen während der europäischen Hitzewelle im Juni und Juli 2025 auf über 1.000 €/MWh. Grund war eine klassische Angebots-Nachfrage-Schere: Die extreme Hitze – in Teilen Europas über 40 °C – ließ den Stromverbrauch für Klimaanlagen massiv steigen, während gleichzeitig Wärme- und Atomkraftwerke ausfielen oder ihre Leistung reduzieren mussten, weil die Flüsse zu warm für die Kühlung waren ![]()
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. Auch in anderen europäischen Ländern wurden Mehrjahres- oder sogar Allzeithochs bei den Strompreisen registriert. Die Krise offenbart strukturelle Schwachstellen in der Energieversorgung: den wachsenden Einfluss des Wetters auf die Erzeugung, die steigende Bedeutung von Solar- und Batteriespeichern und die Frage, wie widerstandsfähig der konventionelle Kraftwerkspark bei Extremwetter wirklich ist.
Warum der belgische Preis auf 1.038,25 €/MWh stieg
- Rekord im Großhandel. An einem Mittwoch Ende Juni 2025 erreichte der belgische Day-Ahead-Strompreis um 20:45 Uhr 1.038,25 €/MWh – der höchste Wert seit sechs Jahren
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- Nachfrageschub. Die Hitzewelle steigerte die tägliche Stromnachfrage in den betroffenen Ländern um bis zu 14 %, vor allem durch den Betrieb von Klimaanlagen und Ventilatoren
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- Angebotsausfälle. Zeitgleich führte die Hitze zu Abschaltungen von Wärmekraftwerken und gedrosselter Leistung von Atomkraftwerken (weil die Kühlwassertemperatur zu hoch war oder die gesetzlichen Grenzwerte überschritten wurden)
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. Auch die Wasserkraft war in einigen Regionen beeinträchtigt
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- Der Zeitpunkt und die Rolle der Sonne. Der Preispunkt um 20:45 Uhr lag nach Sonnenuntergang, als die tagsüber reichlich vorhandene Solarenergie nicht mehr zur Verfügung stand. Tagsüber war die Solarproduktion auf Rekordniveau (EU-weit 45 TWh im Juni 2025), aber dieser Überfluss hielt nicht bis in die Abendspitze an, als die Nachfrage weiter hoch und das flexible Angebot knapp war
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Andere europäische Märkte mit neuen Rekorden
- Belgien & Niederlande. Am 1. Juli 2025 erreichten die Stundenpreise in Belgien und den Niederlanden um 20:00 Uhr 517,57 €/MWh – bereits extrem hoch, bevor der spätere 1.038-Euro-Peak kam
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- Deutschland. In Deutschland stiegen die durchschnittlichen Tagespreise während der Hitzewelle um 175 % – ein Anstieg auf fast das Dreifache des normalen Niveaus
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- Frankreich. Die französischen Strompreise schossen in die Höhe, nachdem gewarnt wurde, dass die Hitze zu Atomstromausfällen führen würde
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- Polen. Der Preis erreichte am 1. Juli 2025 in den Abendstunden 470 €/MWh – ebenfalls ein Rekordwert
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- Griechenland. Ende September 2025 stiegen die griechischen Day-Ahead-Preise an einem einzigen Tag um 34,5 % auf durchschnittlich 141,58 €/MWh und in den Spitzenstunden auf 425,83 €/MWh
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- Italien und Spanien. In Spanien und Italien wurde die höchste tägliche Stromnachfrage des Jahres 2025 während der Hitzewelle verzeichnet
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- Allgemeines Muster. Analysen von Ember, Montel Analytics und AleaSoft bestätigten, dass die Hitzewelle von Juni bis Juli die durchschnittlichen Tagespreise in den meisten großen europäischen Märkten verdoppelte, in einigen Fällen sogar ver- bis verdreifachte
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Die breiteren Angebots- und Nachfragefaktoren
| Faktor | Detail |
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| Hohe Gaspreise | Die europäischen Gasspeicher waren nach einem kalten Q1 2025 geleert. Das hielt die Großhandelspreise für Gas hoch und verteuerte die Produktion in Gaskraftwerken ![]() . |
| Wenig Wind & Wasser | Die Windstromerzeugung lag in Teilen des Q1 und Q2 2025 unter den saisonalen Normen; auch die Wasserkraftproduktion fiel niedriger aus als im Vorjahr ![]() . |
| Atomare Engpässe | Die französische Atomkraft musste wegen der Hitze gedrosselt werden; auch die belgische AKW-Produktion ging im Jahresvergleich zurück ![]() . |
| Solar-Boom | Der Zubau von Solarkapazitäten setzte sich rasant fort. Der Juni 2025 war der Monat mit der höchsten EU-Solarstromerzeugung (45 TWh). Das drückte die Preise tagsüber massiv, verhinderte aber nicht die abendlichen Spitzen ![]() . |
| Belgiens Importabhängigkeit | Belgien ist in den Spitzenstunden ein Nettoimporteur. Der Rückgang der eigenen steuerbaren Kapazität (Stilllegung von Gas- und Atomkraftwerken) macht das Land extrem anfällig, wenn auch die Nachbarländer gleichzeitig unter Hitzestress leiden ![]() . |
Marktausblick und Energiesicherheitsbedenken
- Kurzfristiger Ausblick. Die Europäische Kommission stellte in ihrem Quartalsbericht Q1 2025 fest, dass die Preise nach einem harten Winterquartier im Frühjahr dank höherer Erneuerbaren-Erzeugung und fallender Gaspreise nachzulassen begannen
. Das Q3 2025 brachte einen Rekord an Negativpreisstunden (über 500 Stunden in den Niederlanden, Spanien und Schweden), als Rekordsolar- und Windstrom auf eine schwache Nachfrage traf
. Dies deutet auf eine wachsende Preisschere innerhalb eines Tages hin: billig (oft negativ) zur Solarspitze, extrem teuer in den Abendstunden.
- Energiesicherheitsbedenken.
- Verletzlichkeit von Wärme- und Atomkraftwerken. Die Hitzewelle legte offen, dass Europas konventioneller Kraftwerkspark zunehmend anfällig für sommerliche Extremhitze ist, die genau dann zu ungeplanten Ausfällen führen kann, wenn die Nachfrage am höchsten ist
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- Bedarf an Flexibilität. Energie-Thinktanks und Netzbetreiber (z. B. Elia, der belgische Übertragungsnetzbetreiber) warnen: Ohne einen entsprechenden Ausbau von steuerbaren Kapazitäten, Batteriespeichern und Lastmanagement erhöht der wachsende Anteil wetterabhängiger Erneuerbarer das Risiko von abendlichen Preisspitzen bei Extremwetter
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- Risiken im grenzüberschreitenden Stromhandel. Wenn Belgien, die Niederlande, Frankreich und Deutschland gleichzeitig unter Hitzestress leiden, gibt es nur begrenzte Überschusskapazitäten für Importe. Das treibt die Preise in allen verbundenen Märkten gleichzeitig in die Höhe
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- Forderung nach politischen Maßnahmen. Das Europäische Parlament hat die Kommission in parlamentarischen Anfragen bereits aufgefordert, darzulegen, wie die Resilienz von Atom- und Wärmekraftwerken bei steigenden Temperaturen sichergestellt werden soll und ob die Netzsicherheitsbewertungen (Sommerausblicke des ENTSO-E) die sich verstärkenden Wetterrisiken angemessen abbilden
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