Gettys Ansatz gegenüber KI-Unternehmen in den letzten zwei Jahren offenbart eine klare Doppelstrategie: Die eigene Bilddatenbank durch Display-Lizenzdeals mit KI-Suchplattformen monetarisieren und gleichzeitig aggressiv juristisch gegen Unternehmen vorgehen, die angeblich ohne Autorisierung Inhalte zum Training generativer Modelle genutzt haben.
Bereits vor dem OpenAI-Deal hatte Getty mit einer ähnlichen Vereinbarung erste Erfahrungen gesammelt. Am 31. Oktober 2024 (in manchen Quellen auch als 2025 genannt) gaben Getty und das KI-Start-up Perplexity eine globale, mehrjährige Lizenzvereinbarung bekannt . Darin versorgt Getty Perplexity über eine API-Schnittstelle mit Bildern, die in den KI-gestützten Such- und Discovery-Tools angezeigt werden – inklusive integrierter Quellenangaben und Links zu den Originalquellen
. Wie der OpenAI-Deal ist auch diese Vereinbarung ein Display-fokussierter Lizenzvertrag, keine Trainingsdatenlizenz – was relevant ist, da Perplexity keine eigenen Foundation-Modelle trainiert
.
Auf der anderen Seite von Gettys Strategie steht die Prozessführung. Getty verklagte Stability AI in Großbritannien mit der Behauptung, Stabilitäts Bildgenerierungsmodell Stable Diffusion sei mit Millionen von Getty-Bildern ohne Erlaubnis trainiert worden . Das Ergebnis war jedoch ein herber Rückschlag für Getty.
Das Urteil wurde weithin als wegweisender Sieg für KI-Entwickler in Großbritannien gewertet: Es etablierte, dass die Gewichte eines KI-Modells keine gespeicherte Kopie der Trainingsdaten sind und daher nicht Grundlage für sekundäre Urheberrechtsklagen sein können .
Die OpenAI-Vereinbarung ist der jüngste und bedeutendste Ausdruck von Gettys „Lizenzieren, wo es geht, verklagen, wo es sein muss“-Strategie . Die wichtigsten Implikationen sind:
Gettys KI-Strategie ist eine von starken Kontrasten: Sie ist bereit, mit KI-Suchunternehmen bei Display-Lizenzen zu kooperieren, aber auch bereit, jahrelang vor Gericht gegen generative KI-Unternehmen zu kämpfen. Die Ergebnisse sind bisher durchwachsen:
Der rote Faden, der diese Schritte verbindet, ist klar: Getty baut ein Geschäftsmodell auf, das seine Bilddatenbank im KI-Suchzeitalter durch Display-Lizenzierung monetarisiert und gleichzeitig durch Prozessführung um eine Vergütung – und klarere rechtliche Regeln – für nicht autorisierte Trainingsnutzungen kämpft. Ob diese zweigleisige Strategie letztlich erfolgreich sein wird, bleibt eine offene Frage. Der OpenAI-Deal deutet jedoch darauf hin, dass lizenzierte Display-Inhalte zumindest für KI-Suchprodukte zum neuen Standard werden.
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