Die schwarz-rote Bundesregierung unter Kanzler Friedrich Merz hat ihre Absicht bestätigt, noch vor dem eigentlichen Börsengang für einen Milliarden-Euro-Betrag einen Anteil von 40 Prozent an KNDS zu erwerben . Ziel ist es, die derzeitige 40-Prozent-Beteiligung Frankreichs zu spiegeln und so eine paritätische deutsch-französische Eigentümerstruktur von 40 zu 40 zu schaffen, die rund 20 Prozent des Unternehmens für öffentliche Anleger übriglässt
. Das Bundeswirtschaftsministerium erklärte, der Anteilserwerb diene dem Schutz von Schlüsseltechnologien und Fertigungs-Know-how
.
Knackpunkt der Verhandlungen ist der Preis. Ende Mai berichtete Bloomberg, dass die deutschen Beamten die Konditionen bislang ablehnen – Berlin will zwingend eine Bewertung zahlen, die dem späteren IPO-Preis entspricht, während die Eigentümerfamilien einen Aufschlag verlangen . Dieses Patt war direkt für die Unsicherheit des Börsengangs mitverantwortlich; Anfang Juni hieß es, der ungeklärte Preis mit dem Staat und eine ins Stocken geratene Wirtschaftsprüfung seien die größten Hürden, die den Sommer-Zeitplan platzen lassen könnten
.
Auch die politische Dimension war zeitweise kompliziert. Noch Anfang Mai legte ein geleaktes Regierungspapier, aus dem das „Handelsblatt“ zitierte, nahe, dass Uneinigkeiten innerhalb der Bundesregierung den gesamten Einstiegsplan gefährdeten . Am 20. Mai entschied die Koalition jedoch grundsätzlich, das Vorhaben weiterzuverfolgen
, und beide Seiten scheinen sich nun am Vorabend der entscheidenden Vorstandssitzung anzunähern.
Die erwartete Marktkapitalisierung von KNDS hat sich über mehrere Etappen hinweg abgekühlt:
Analysten machen drei Faktoren für den Bewertungsrückgang verantwortlich: Erstens einen direkten Bewertungsabschlag durch die gesunkenen Aktienkurse der Konkurrenten – bei 18 Mrd. Euro würde KNDS auf Basis des 2025er-Kurs-Umsatz-Verhältnisses mit einem Abschlag von 28 Prozent gegenüber Rheinmetall handeln . Zweitens hat ein „erbitterter Governance-Streit“ zwischen Berlin und Paris über Vetorechte und staatlichen Einfluss eine politische Risikoprämie in die Bewertung eingepreist, die institutionelle Investoren abschreckt
. Drittens sorgte die lange blockierte Abschlussprüfung – die inzwischen gelöst scheint – für Ungewissheit, ob der Börsengang zeitplanmäßig überhaupt stattfinden kann
.
KNDS entstand aus dem Zusammenschluss des deutschen Unternehmens Krauss-Maffei Wegmann und des französischen Herstellers Nexter. Das heutige Produktportfolio bildet das Rückgrat der europäischen Landstreitkräfte:
KNDS veröffentlichte am 26. Mai 2026 seine Geschäftszahlen für das Gesamtjahr 2025. Die starken Ergebnisse untermauern die operative Equity-Story – auch wenn parallel die Bewertungsdebatte tobt:
| Kennzahl | Ergebnis 2025 | Veränderung zum Vorjahr |
|---|---|---|
| Umsatz | 4,4 Mrd. Euro | +15,9 % |
| EBIT (operatives Ergebnis) | 661 Mio. Euro | von 500 Mio. Euro |
| EBIT-Marge | 15,0 % | von 13,2 % |
| Auftragseingang | 13,5 Mrd. Euro | Rekordhoch |
| Auftragsbestand | 33,1 Mrd. Euro | von 23,5 Mrd. Euro |
Die Segment-Performance unterstreicht das Bild der breiten Nachfrage. Der Bereich Land Systems Germany erwirtschaftete 2,5 Mrd. Euro Umsatz (plus 17,4 %), während Land Systems France auf 1,3 Mrd. Euro Umsatz (plus 9,6 %) kam . Das Munitionsgeschäft legte sogar um 24,7 % auf 612 Mio. Euro zu – ein Beleg dafür, wie hoch die Aufstockung der Munitionsbestände auf der Prioritätenliste der europäischen Armeen steht
.
Neben der Bewertungskorrektur haben mehrere Hindernisse das Risikoprofil der Transaktion geprägt:
KNDS hat Bank of America, Deutsche Bank, Goldman Sachs und Société Générale als globale Konsortialführer mandatiert, Lazard fungiert als Finanzberater für die duale Notierung . Fällt der heutige Vorstandsbeschluss positiv aus und wird die deutsche Anteilsvereinbarung besiegelt, könnte das Unternehmen in den nächsten Tagen den Prospekt einreichen und einen Börsengang noch im Juni oder Juli anpeilen
.
Sollten die Verhandlungen jedoch ins Stocken geraten, würde der Börsengang voraussichtlich in den September oder einen späteren Zeitraum wandern – ein Fenster, das einige Banker ohnehin als volatiler betrachten . Mit einem Auftragsbestand von 33,1 Mrd. Euro, einer operativen Marge von 15 Prozent und strukturell steigenden europäischen Verteidigungsausgaben ist das operative Fundament des Gangs fraglos stark – doch an diesem 18. Juni 2026 ist der finale Beschluss ebenso ein politisches wie ein finanzwirtschaftliches Urteil.
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