Kuzovkov war kein Unbekannter. In seinen bissigen, satirischen Werken nahm er nicht nur Russlands Präsidenten Wladimir Putin und den tschetschenischen Machthaber Ramsan Kadyrow aufs Korn, sondern auch den belarussischen Präsidenten Alexander Lukaschenko und mitunter sogar Figuren der russischen Opposition . Er nutzte seine Kunst als Waffe: 2021 verließ er Russland und lebte seitdem mit Flüchtlingsstatus in Polen, aus Angst vor politischer Verfolgung
. Nur drei Tage vor seiner Ermordung hatte er in Berlin vor der russischen Botschaft ein Gemälde gezeigt, das Josef Stalin und einen kindlichen Putin in inniger Umarmung darstellte – eine gezielte Provokation
. Zudem hatte er eines seiner Gemälde für 20.000 Dollar verkauft und den Erlös den ukrainischen Streitkräften gespendet
.
Die Gefahr, in der er schwebte, war ihm bewusst. Auf seinem Telegram-Kanal hatte Kuzovkov noch am Tag seines Todes vor den Drohungen gewarnt, die ihn erreichten . Bereits in den Monaten zuvor hatte er Screenshots von aggressiven Hassbotschaften geteilt, die offenbar von Unterstützern Kadyrows stammten. In einer Nachricht hieß es:
Er berichtete auch, dass zu seinem Schutz Polizei an seinem Haus postiert sei – möglicherweise aufgrund seiner Anzeige bei den Behörden. Geholfen hat es am Ende nicht.
Der Mord an Kuzovkov reiht sich ein in eine Reihe von mutmaßlich staatlich gesteuerten Anschlägen auf Kreml-Kritiker im Ausland. Westliche Geheimdienste berichten, dass Russland seine Kampagne gezielter Tötungen in Europa seit dem Einmarsch in die Ukraine 2022 massiv ausgeweitet hat – zunehmend unter Einsatz krimineller Netzwerke als ausführende Organe . Eine Analyse von Freedom House zeigt, dass Russland für sieben von 26 dokumentierten Attentaten oder Attentatsversuchen im transnationalen Raum verantwortlich ist
.
Zu den bekannten Präzedenzfällen zählen:
Dass nun in Polen zwei Weißrussen als mutmaßliche Täter in Erscheinung treten und der Tatort direkt beim belarussischen Konsulat liegt, lässt für viele Beobachter nur einen Schluss zu: eine vom russischen oder tschetschenischen Staatsapparat gesteuerte Liquidierung . Ein offizielles Bekenntnis zu der Tat gibt es bis heute nicht. Ramsan Kadyrow hingegen hat in der Vergangenheit bei ähnlichen Morden stets „ausländische Geheimdienste" beschuldigt – unabhängige Ermittler sehen die Verantwortung jedoch regelmäßig bei russischen oder tschetschenischen Stellen
.