In den Monaten vor dem Prozess gegen seinen Vater hatte Eduardo Bolsonaro, damals noch Bundesabgeordneter, den Kongress beurlauben lassen und war in die Vereinigten Staaten gezogen. Sein selbst erklärtes Ziel war es, den damals neu gewählten Präsidenten Donald Trump und seine künftige Regierung zum Eingreifen zu bewegen . Nach Darstellung der brasilianischen Staatsanwaltschaft eskalierte Eduardos Lobbyarbeit jedoch von politischer Überzeugungsarbeit zu krimineller Nötigung.
Die offizielle Anklage, die das STF im November 2025 zuließ, warf ihm vor, durch Drohungen die Justiz behindert zu haben, indem er auf amerikanische Sanktionen und Strafzölle gegen Richter des Obersten Gerichtshofs Brasiliens drängte – darunter auch gegen Alexandre de Moraes, der die Putschverfahren leitete . Generalstaatsanwalt Paulo Gonet erklärte, Eduardo habe „hartnäckig persönliche und familiäre Interessen über die der Nation gestellt“, indem er Brasilien aus privaten Motiven der Gefahr ausländischer Sanktionen aussetzte
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Am 16. Juni 2026 sprach die Erste Kammer des STF Eduardo in Abwesenheit der Nötigung im Zusammenhang mit einem Gerichtsverfahren schuldig. Das Gericht verhängte eine Freiheitsstrafe von 4 Jahren und 2 Monaten, die sich innerhalb des gesetzlichen Strafrahmens von einem bis zu vier Jahren für dieses Delikt bewegt . Das Urteil beinhaltete zudem eine empfindliche Geldstrafe: 50 Tagessätze, wobei jeder Tagessatz zwei Mindestlöhnen entspricht – insgesamt über 30.000 US-Dollar
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Über die Haftstrafe hinaus sprach das Gericht für Eduardo ein Verbot aus, für die Dauer der Strafvollstreckung plus weitere 8 Jahre ein öffentliches Amt zu bekleiden, was seine politische Karriere auf absehbare Zeit beendet . Richter Alexandre de Moraes, eine zentrale Figur in den Verfahren gegen beide Bolsonaros, soll während der Verhandlung betont haben, dass Eduardos Rolle als Bundesabgeordneter unvereinbar damit sei, eine ausländische Regierung zu drängen, Druck auf die Justiz des eigenen Landes auszuüben
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Eduardos Verteidigung argumentierte, seine Handlungen stellten legitime Meinungsfreiheit und politische Lobbyarbeit dar und seien keine kriminelle Einschüchterung; zudem seien die Beweise für eine Verurteilung nicht ausreichend . Das Gericht wies diese Argumentation einstimmig zurück. Der jüngere Bolsonaro hält sich weiterhin in den Vereinigten Staaten auf, wo er als flüchtig gilt. Um das Urteil zu vollstrecken, müssten die brasilianischen Behörden einen förmlichen Auslieferungsantrag an die US-Regierung stellen – ein Prozess, der politisch und diplomatisch höchst komplex ist
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Die Verurteilung von Eduardo Bolsonaro eröffnet ein neues Kapitel in der brasilianischen Aufarbeitung des Putschversuchs von 2022. Sie sendet das klare Signal, dass das Oberste Gericht nicht nur die direkten Täter, wie den ehemaligen Präsidenten, zur Rechenschaft ziehen wird, sondern auch jene, die versuchen, seine Verfahren aus dem Ausland zu untergraben. Für Bolsonaro-Anhänger nährt der Fall das Narrativ einer juristischen Verfolgung, während er für die brasilianische Justiz eine notwendige Verteidigung der nationalen Souveränität und der Rechtsstaatlichkeit darstellt.