Der Prozess begann im Geheimen. Am 20. Mai berichteten größere Medien, OpenAI plane, seinen S-1 bereits am 22. Mai vertraulich bei der SEC einzureichen – ein Zeitplan, den das Unternehmen einhielt . Die federführenden Konsortialbanken sind Goldman Sachs und Morgan Stanley, unterstützt von JPMorgan
. Als Zeitfenster für den Börsengang wird der Zeitraum von September bis November 2026 genannt, wobei der September als frühestmöglicher Termin und das vierte Quartal als wahrscheinlicher gelten
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Die letzte private Finanzierungsrunde von OpenAI im März 2026 brachte rund 122 Milliarden Dollar bei einer Post-Money-Bewertung von 852 Milliarden Dollar ein – die größte private Finanzierungsrunde aller Zeiten . Für den Börsengang zielen die Konsortialbanken nun auf eine Marktkapitalisierung zwischen 850 Milliarden und einer Billion Dollar ab
. Zum Vergleich: Ein Debüt in dieser Größenordnung würde den Börsengang von Saudi Aramco aus dem Jahr 2019 in den Schatten stellen, der zwar mit 1,7 Billionen Dollar bewertet wurde, aber nur 25,6 Milliarden Dollar an Kapital einsammelte
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Der Weg zu dieser Bewertung wurde durch eine bedeutende Umstrukturierung des Unternehmens geebnet. Im Oktober 2025 vollzog OpenAI die Umwandlung von einem „Capped-Profit“-Modell in eine gemeinwohlorientierte Kapitalgesellschaft namens OpenAI Group PBC, kontrolliert von der gemeinnützigen OpenAI Foundation . In dieser neuen Struktur verteilen sich die Eigentumsverhältnisse wie folgt: etwa 26 % für die OpenAI Foundation, 27 % für Microsoft (mit einem Anteilswert von rund 135 Milliarden Dollar) und 47 % für Mitarbeiter und andere Investoren
. Bemerkenswert: CEO Sam Altman hält in dieser Struktur 0 % Eigenkapital
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Das finanzielle Bild ist ein einziger Widerspruch. Einerseits ist das Umsatzwachstum spektakulär. Der Research-Dienstleister Sacra schätzt, dass OpenAI im Februar 2026 einen annualisierten Umsatz von 25 Milliarden Dollar erreicht hat – ein dramatischer Anstieg von 20 Milliarden Dollar Ende 2025 und nur 6 Milliarden Dollar Ende 2024 . Andererseits sind die Betriebskosten für hochmoderne KI-Modelle immens.
Die Bruttomarge von OpenAI liegt Schätzungen zufolge bei nur 33 %, was vor allem auf die hohen Kosten für den Betrieb der KI-Modelle (Inferenz-Rechenleistung) zurückzuführen ist. Diese Kosten erreichten 2025 8,4 Milliarden Dollar und sollen 2026 auf 14,1 Milliarden Dollar steigen . Für das Geschäftsjahr 2026 wird ein Nettoverlust von rund 14 Milliarden Dollar prognostiziert
. Vereinfacht gesagt: OpenAI soll für jeden eingenommenen Dollar 1,22 Dollar ausgeben
. Erschwerend kommt hinzu, dass das Unternehmen kumulierte Verpflichtungen für Rechenkapazitäten in Höhe von rund 600 Milliarden Dollar bis 2030 eingegangen ist – ein Risiko, das CFO Sarah Friar als wesentlich einstuft
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Ein entscheidender finanzieller Schachzug verbesserte die langfristige Perspektive erheblich: Im Frühjahr 2026 handelte OpenAI seine Umsatzbeteiligungsvereinbarung mit Microsoft neu aus. Die ursprüngliche, ungedeckelte Regelung hätte OpenAI verpflichtet, 20 % seiner Einnahmen abzutreten – potenziell 135 Milliarden Dollar bis 2030. Die revidierte Vereinbarung deckelt die Gesamtzahlungen an Microsoft bis 2030 bei 38 Milliarden Dollar, was OpenAI etwa 97 Milliarden Dollar erspart, wenn es seine Wachstumsziele erreicht . Das Abkommen befreit OpenAI zudem von der Exklusivität und erlaubt ihm, Cloud-Partnerschaften mit anderen Anbietern wie Amazon und Google einzugehen
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Der Börsengang findet in einem sich wandelnden Wettbewerbsumfeld statt. Der App-Marktanteil von ChatGPT ist von etwa 69 % auf 45 % gefallen, während Konkurrenten wie Google Gemini und xAI’s Grok an Boden gewinnen. Dennoch verzeichnet der Dienst immer noch rund 900 Millionen aktive Nutzer pro Woche .
Ein großes rechtliches Damoklesschwert verschwand nur zwei Tage vor der Einreichung des S-1: Ein Bundesrichter wies die Klage von Elon Musk gegen OpenAI wegen Verjährung ab . Allerdings sieht sich das Unternehmen weiterhin mit einer Untersuchung einer Koalition mehrerer US-Generalstaatsanwälte konfrontiert, die mögliche Schäden für Nutzer durch die Produkte prüfen. Formelle Anklagen gibt es bislang nicht
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OpenAI steht mit dem Börsengang nicht allein da. Es ist das Herzstück einer historischen Welle von KI-Börsengängen. Anthropic, der nächste große Konkurrent, reichte seinen vertraulichen S-1 am 1. Juni 2026 mit einer kolportierten Bewertung von etwa 965 Milliarden Dollar ein . Parallel dazu startete SpaceX seine Roadshow für ein Debüt im Wert von etwa 1,75 Billionen Dollar. Gemeinsam repräsentieren diese drei Börsenkandidaten eine prognostizierte IPO-Pipeline von etwa 3,6 Billionen Dollar – eine Wertkonzentration, die das Engagement der öffentlichen Märkte im KI-Sektor neu definieren wird
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