Der Ankündigung vorausgegangen war ein einjähriges parlamentarisches Tauziehen und eine der größten öffentlichen Konsultationen, die die britische Regierung je durchgeführt hat . Das Ergebnis ist eine Politik, die zwar bei Eltern beliebt ist, aber eine tiefe Kluft zu Menschenrechtsorganisationen und Datenschutzaktivisten aufreißt, die argumentieren, dass sie eine unverhältnismäßige Antwort auf ein äußerst komplexes Problem sei.
Das Regierungsdokument nennt zehn Plattformen, die für unter 16-Jährige tabu sein werden: TikTok, Snapchat, Instagram, YouTube, Reddit, Twitch, X (ehemals Twitter), Threads, Facebook und Kick . Die Liste spiegelt bewusst das australische Modell wider, das ebenfalls Dienste wie Facebook, Instagram, TikTok, Snapchat, X, YouTube, Reddit und Twitch zu den eingeschränkten Plattformen zählt .
Messaging-Apps wie WhatsApp und Signal sind ausdrücklich ausgenommen, und kindgerechte Produkte wie YouTube Kids bleiben zugänglich .
Starmer erklärte gegenüber Journalisten, dass die Regierung beabsichtigt, die notwendigen Verordnungen vor Weihnachten 2026 abzuschließen, sodass die Durchsetzung Anfang des folgenden Jahres, wahrscheinlich im Frühjahr 2027, beginnen kann . Technologieministerin Liz Kendall hatte zuvor signalisiert, dass die Regelungen für unter 16-Jährige bis Ende 2026 erlassen werden . Die Unternehmen werden verpflichtet sein, „robuste Altersverifikation“ einzusetzen, um den Zugang Minderjähriger zu verhindern; Ofcom überwacht die Einhaltung .
Die britische Regierung hat klargestellt: Sie plant, „das gleiche Modell für ein Social-Media-Verbot wie Australien zu verwenden“ . Australiens Online Safety Amendment (Social Media Minimum Age) Act 2024 trat am 10. Dezember 2025 in Kraft und hat bereits Millionen von Konten von unter 16-Jährigen auf Plattformen wie Facebook, Instagram, TikTok und Snapchat deaktiviert . Nach diesem Gesetz drohen Technologieunternehmen Geldstrafen von bis zu 50 Millionen australischen Dollar (etwa 25,7 Millionen Pfund), wenn sie keine angemessenen Maßnahmen ergreifen, um unter 16-Jährige fernzuhalten .
Wo Großbritannien vom australischen Vorbild abweicht, sind die zusätzlichen Beschränkungen für ältere Teenager. Neben dem Social-Media-Verbot für unter 16-Jährige verbietet die Regierung Live-Streaming und die Möglichkeit für Fremde, Kinder auf anderen Online-Diensten zu kontaktieren, für unter 18-Jährige und wird romantische oder sexuelle KI-Chatbots für dieselbe Altersgruppe verbieten . Diese Maßnahmen bauen auf dem bestehenden britischen Online Safety Act auf und geben den Regulierungsbehörden Werkzeuge an die Hand, die der australische Rahmen noch nicht vorsieht .
Der Weg vom Vorschlag zur Politik war alles andere als reibungslos. Hier ist der Ablauf der wichtigsten Ereignisse:
Die Ankündigung des Verbots stieß sofort auf Widerstand von Kinderrechtsorganisationen, Digitalvereinen und den Plattformen selbst.
Amnesty International UK lieferte die prägnanteste Kritik. Geschäftsführerin Kerry Moscogiuri nannte es „die richtige Diagnose, aber das falsche Rezept“ und warnte, dass ein pauschales Verbot „riskiert, die Internetnutzung von Kindern in den Untergrund zu treiben, sie von wichtigen Unterstützungsnetzwerken abzuschneiden und die Ursachen von Schaden nicht zu bekämpfen“ . Amnesty war eine von mehreren Menschenrechtsorganisationen, die argumentierten, dass das Problem bei ausbeuterischen Geschäftsmodellen und algorithmischem Design liege, nicht allein bei der Anwesenheit von Kindern auf Plattformen .
Weitere kritische Stimmen:
Auch die Technologiebranche hat sich heftig gewehrt. Meta, TikTok, Snap und YouTube argumentierten alle, dass das Verbot unverhältnismäßig sei, dass sie bereits erheblich in altersgerechte Schutzmaßnahmen investierten und dass ein pauschales Vorgehen junge Nutzer „zu weniger sicheren Diensten“ treiben könnte .
Die Politik ist nun beschlossene Sache, aber die Debatte darüber, ob sie einen notwendigen Paradigmenwechsel in der Kindersicherheit darstellt oder ein stumpfes Instrument mit schwerwiegenden Nebenwirkungen ist, hat gerade erst begonnen. Da die Verordnungen noch vor Ende 2026 erwartet werden, wird sich die Aufmerksamkeit bald darauf richten, wie Ofcom die Altersverifikationsmaßnahmen durchsetzen will und ob das Verbot sein erklärte Ziel erreicht, Kinder im Internet tatsächlich sicherer zu machen.