Kernkomponenten wurden seit mindestens Januar 2026 schrittweise zu den ausgelieferten Builds hinzugefügt . Cooper Quintin vom Threat Lab der Electronic Frontier Foundation (EFF), der den Code für WIRED überprüfte, beschrieb ihn als "nahezu einsatzbereit"
. Bei Aktivierung hätte NameTag den Brillenträger alarmieren können, sobald die Kamera ein Gesicht erfasst, das der Nutzer zuvor gespeichert hatte. Meta entfernte die Gesichtserkennungs-Bibliotheken mit einem App-Update um den 5. Juni 2026 – nur einen Tag, nachdem die WIRED-Story erschienen war
.
Durchgehend beschrieb das Unternehmen die Arbeit als Sondierung. Ein Sprecher, Andy Stone, erklärte gegenüber WIRED, es sei "noch keine endgültige Entscheidung getroffen worden, was hier zu tun ist, wenn überhaupt etwas" . Unternehmensvertreter betonten mehrfach, die Funktion sei nicht für Verbraucher aktiviert und offiziell sei noch keine Gesichtserkennung an Nutzer ausgeliefert worden
.
Diese Haltung steht in krassem Gegensatz zur technischen Realität und den internen Berichten. Die New York Times hatte bereits im Februar 2026 berichtet, Meta beabsichtige, die Gesichtserkennung "möglicherweise noch in diesem Jahr" in seine Datenbrillen zu integrieren, und berief sich dabei auf vier mit den Plänen vertraute Quellen . In einem Brief von Senator Ed Markey wurde Meta später vorgeworfen, die Veröffentlichung der Technologie "in einem Moment politischer Ablenkung zu planen, um eine genaue Prüfung zu vermeiden"
.
Einige Berichte wiesen auf eine mögliche Zusammenarbeit mit Rank One Computing hin, einem an der Nasdaq gehandelten, NIST-gelisteten Anbieter für "100% in Amerika hergestellte" biometrische Lösungen, in dessen Vorstand ein ehemaliger stellvertretender Direktor der CIA und ein ehemaliger Wissenschaftschef des FBI sitzen.
In den verfügbaren Dokumenten oder der WIRED-Code-Überprüfung konnten keine gesicherten Belege dafür gefunden werden, die eine direkte Beteiligung von Rank One Computing an Metas NameTag-System oder der Gesichtserkennungspipeline für die Datenbrillen bestätigen.
Die Recherchen belegen eine separate, verteidigungsbezogene Arbeit Metas mit Anduril für Mixed-Reality-Helm-Prototypen der US-Armee im Rahmen des Programms Soldier Borne Mission Command (SBMC) . Diese Partnerschaft ist unabhängig vom verbraucherorientierten NameTag-Projekt und stellt keine Verbindung zu Rank One Computing her. Eine Behauptung einer Verbindung zwischen Rank One Computing und Meta für NameTag bleibt zum Zeitpunkt dieser Veröffentlichung unbestätigt und bedarf einer direkten Quelle.
Der geeinte Druck kam durch einen offenen Brief, der im April 2026 veröffentlicht wurde. Angeführt von der ACLU, der ACLU von Massachusetts und der New York Civil Liberties Union, unterzeichneten mehr als 75 Bürgerrechts- und Interessenverbände einen Brief an Mark Zuckerberg, in dem sie Meta aufforderten, den Plan sofort aufzugeben . Die Koalition schrieb, die Ausstattung der Ray-Ban- und Oakley-Datenbrillen mit Gesichtserkennung "sei eine rote Linie, die die Gesellschaft nicht überschreiten darf", und nannte die Technologie eine "inakzeptable Bedrohung für Privatsphäre und Freiheit"
.
Zu den Unterzeichnern zählten Bürgerrechtsgruppen, Organisationen gegen häusliche Gewalt, Verfechter reproduktiver Rechte, Gewerkschaften und Einwandererrechtsgruppen – darunter die Electronic Frontier Foundation (EFF), Fight for the Future, das Electronic Privacy Information Center (EPIC), GLAAD, das National Employment Law Project und Dutzende ACLU-Landesverbände . EPIC forderte separat die Federal Trade Commission (FTC) auf, die Funktion zu blockieren
.
Senator Ed Markey untermauerte diesen Druck im Mai 2026 mit einem eigenen Brief an Meta, in dem er warnte, das Unternehmen plane offenbar eine Markteinführung, die einer Kontrolle entgehen solle . Die ACLU startete daraufhin ihre Kampagne "Eyewear, Not Spywear" – zu Deutsch: "Brille statt Spionage-Gestell", um öffentlichen Druck zu mobilisieren
.
Stand Mitte Juni 2026 ist der NameTag-Code aus der öffentlichen Meta AI-App verschwunden. Die EFF bezeichnete die Entfernung nach dem schnellen öffentlichen Druck als "Sieg" . Die zugrundeliegende technische Realität bleibt jedoch bedeutsam: Meta besaß die Fähigkeit, eine geräteinterne Gesichtserkennung in Echtzeit durchzuführen, hat sie stillschweigend auf Millionen von Geräten bereitgestellt und war bereits Monate in der Einführungsphase, bevor die Öffentlichkeit davon erfuhr.
Meta hat sich nicht zu einer endgültigen Aufgabe der Funktion verpflichtet. In Unternehmensverlautbarungen wird sie weiterhin als Teil einer ergebnisoffenen Erkundung beschrieben . Die Infrastruktur wurde zurückgezogen, aber das technische Wissen, die Modelle und die organisatorische Absicht sind nun Teil der öffentlichen Aufzeichnungen. Die Frage für Regulierungsbehörden, Bürgerrechtsgruppen und die Öffentlichkeit ist, ob dies ein endgültiger Rückzug war – oder nur eine Pause.