Diese neue Identität bringt atemberaubende Umsätze und ebenso große Risiken mit sich. Denn der Börsengang ruht auf einer Reihe beispielloser Deals mit direkten Konkurrenten – Verträge, die quasi über Nacht gekündigt werden können.
Der Ursprung von SpaceX' KI-Geschäft liegt in einer Notlage. Im Februar 2026 übernahm SpaceX das KI-Startup xAI von Elon Musk, den Entwickler des Chatbots Grok . Damit fielen SpaceX auch die gewaltigen Rechenzentren „Colossus“ und „Colossus II“ in Memphis, Tennessee, zu – ursprünglich errichtet, um Grok zu trainieren und zu betreiben
.
Das Problem war verheerend und sofort offensichtlich: Grok fand schlicht keine Nutzer. Aufzeichnungen über den KI-Einsatz in US-Bundesbehörden für 2025 zeigen, dass von über 400 dokumentierten Fällen lediglich drei auf xAI oder Grok entfielen – im Vergleich zu 234 für OpenAI und 26 für Anthropics Claude . Intern beschrieb die Forschungsbehörde DARPA das Modell trocken als „einfach nicht das beste Modell“. Auch in Unternehmen fand Grok kaum Anklang
.
Übrig blieben Rechenzentren mit modernster Nvidia-GPU-Infrastruktur im Wert von etlichen Milliarden Dollar, die nun ungenutzt herumstanden. Anstatt die Kosten abzuschreiben, begann SpaceX, die Kapazitäten genau den Rivalen zu vermieten, die Grok am Markt geschlagen hatten.
SpaceX' Transformation wurde in drei separaten Vereinbarungen öffentlich, die eine spektakulärer als die andere.
Im Börsenprospekt vom 20. Mai 2026 offengelegt: Anthropic – Entwickler des direkten Grok-Konkurrenten Claude – verpflichtete sich, bis Mai 2029 monatlich 1,25 Milliarden Dollar für den Zugang zu den Colossus-Rechenzentren zu zahlen . Auf das Jahr hochgerechnet sind das 15 Milliarden Dollar, eine Summe, die fast den gesamten kombinierten Umsatz von SpaceX' Raumfahrt- und Konnektivitätssparte im Jahr 2025 erreicht
. Über die gesamte Vertragslaufzeit summiert sich das Volumen auf bis zu 45 Milliarden Dollar
.
Die wirtschaftlichen Kennzahlen sind atemberaubend. Analysen des Prospekts zufolge kann SpaceX seine gesamten Investitionsausgaben für die KI-Infrastruktur mit diesem einen Deal in weniger als einem Monat wieder hereinholen – oder in 2,2 Monaten, selbst wenn die Kosten doppelt so hoch wären wie angegeben .
Am 5. Juni 2026, exakt eine Woche vor dem IPO, ergänzte SpaceX seinen Börsenprospekt um einen zweiten Blockbuster-Deal. Google erklärte sich bereit, von Oktober 2026 bis Juni 2029 monatlich 920 Millionen Dollar für den Zugriff auf rund 110.000 Nvidia-GPUs und die dazugehörige Infrastruktur zu zahlen .
Google selbst beschrieb die Vereinbarung als „kurzfristige, zeitlich passende Lösung, um Überbrückungskapazitäten“ für die stark nachgefragte KI-Plattform Gemini Enterprise zu sichern . Die gesamte finanzielle Verpflichtung beläuft sich auf etwa 30 Milliarden Dollar über die Laufzeit
.
Gemeinsam bescheren die Verträge mit Anthropic und Google SpaceX einen annualisierten KI-Cloud-Umsatz von rund 26 Milliarden Dollar .
Ein drittes Abkommen vom 19. April 2026 mit Anysphere – dem Unternehmen hinter dem überaus populären KI-Programmiertool Cursor – geht über das reine Vermieten von Rechenleistung hinaus. Neben einem GPU-Kapazitätsvertrag sicherte sich SpaceX eine Kaufoption auf Cursor mit einem impliziten Unternehmenswert von 60 Milliarden Dollar, ausübbar zwischen 7 und 30 Werktagen nach dem Börsengang .
Cursor erzielt aktuell schätzungsweise 3 Milliarden Dollar Jahresumsatz . Bei Ausübung der Option bekäme SpaceX eine wachstumsstarke KI-Softwaresparte hinzu und verwischte die Grenzen zwischen Raketenfirma, Satellitenbetreiber und KI-Konglomerat weiter.
So überwältigend die Umsatzzahlen auf den ersten Blick wirken, so fragil ist das Konstrukt bei näherem Hinsehen. Die entscheidenden Risikofaktoren:
90-tägige Kündigungsklauseln: Sowohl die Vereinbarung mit Anthropic als auch jene mit Google erlauben beiden Parteien eine Kündigung mit lediglich 90 Tagen Vorlauf . Es handelt sich nicht um langfristig bindende Verträge, sondern faktisch um kurzfristige Mietverträge, aus denen jeder Partner innerhalb eines Quartals aussteigen kann. Elon Musk selbst bezeichnete den Anthropic-Deal öffentlich als „180-Tage-Mietvertrag mit beidseitiger 90-Tage-Kündigungsfrist danach“ und widersprach damit früheren Darstellungen einer jahrelangen Bindung
.
Extreme Kundenkonzentration: Ein sehr großer Teil der Erlöse der KI-Sparte stammt von lediglich zwei Kunden – Anthropic und Google. Macht nur einer von der Kündigungsklausel Gebrauch, kann das KI-Umsatzversprechen rasch kollabieren .
SpaceX kann Kapazitäten zurückfordern: Im Börsenprospekt räumt sich SpaceX das Recht ein, Rechenkapazitäten nach eigenem Ermessen für eigene Zwecke zurückzuholen. Das könnte Kundenvereinbarungen und Erlöse abrupt unterbrechen .
Massive Verluste im Hintergrund: Trotz der neuen, gewaltigen Einnahmequellen bleibt die KI-Sparte zutiefst defizitär. Allein im ersten Quartal 2026 wies sie einen operativen Verlust von 2,469 Milliarden Dollar aus – fast so viel wie der gesamte operative Verlust des Konzerns im Jahr 2025 (2,589 Milliarden Dollar) . Unter dem Strich stand im ersten Quartal 2026 ein Nettoverlust von 4,28 Milliarden Dollar, bei einem aufgelaufenen Defizit von 41,3 Milliarden Dollar
.
Für jeden, der mit SPCX-Aktien liebäugelt, ruht die Investmentthese auf einem fragilen Gleichgewicht:
Die KI-Erlöse sind real, aber unerprobt. Die annualisierte Cloud-Umsatzrate von 26 Milliarden Dollar ist eine legitime und transformative Einnahmequelle, die es vor einem halben Jahr noch nicht gab. Sie federt Verluste anderer Sparten ab und erzählt eine packende Wachstumsgeschichte. Allerdings ist kein einziger Dollar dieser Einnahmen über ein 90-Tage-Fenster hinaus gesichert.
Die Bewertung verlangt makellose Umsetzung. Mit 1,75 Billionen Dollar wird SPCX wie ein Tech-Gigant bepreist – größer als Microsoft, nur hinter Apple und Nvidia rangierend . Dabei ist das Unternehmen zutiefst unprofitabel und weist, gemessen am Konzernumsatz 2025 von 18,674 Milliarden Dollar, ein Kurs-Umsatz-Verhältnis von rund 93,7 auf
. Anleger zahlen einen außergewöhnlichen Aufschlag für ein Geschäft, das sich in der Frühphase einer hochriskanten Transformation befindet.
Die Anysphere-Option als möglicher Kurstreiber. Sollte SpaceX sein Recht zum Kauf von Cursor kurz nach dem Börsengang ausüben, käme eine schnell wachsende KI-Coding-Plattform zum Portfolio hinzu – was die langfristige Software-Story untermauern könnte . Allerdings wäre eine 60-Milliarden-Dollar-Akquisition auch ein massiver Mittelabfluss für ein ohnehin cash-verbrennendes Unternehmen.
Das große Fazit lautet Fragilität. SPCX bietet Zugang zu einem einzigartig diversifizierten Portfolio aus Raumfahrt, Satellitenkonnektivität und KI-Infrastruktur. Die KI-Rechenverträge sind zweifellos beeindruckend und haben das Umsatzprofil fundamental verändert. Aber Anleger bezahlen einen Premiumpreis für Erlöse, die langfristig unbewiesen, extrem auf zwei Kunden konzentriert und jederzeit kündbar sind. Jede strategische Neuausrichtung bei Anthropic oder Google kann das finanzielle Bild des Unternehmens innerhalb eines Quartals drastisch verändern. Wie ein Analyst es auf den Punkt brachte: „Das IPO-Narrativ hängt nun zum Teil davon ab, dass SpaceX ein KI-Infrastrukturgeschäft wird“ – und diese Geschichte wird noch geschrieben .
Studio Global AI
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SpaceX' KI Abteilung erzielt durch Deals mit Anthropic und Google annualisierte Cloud Erlöse von 26 Mrd.
SpaceX' KI Abteilung erzielt durch Deals mit Anthropic und Google annualisierte Cloud Erlöse von 26 Mrd. Der spektakuläre Wandel zum KI Cloud Anbieter ist eine direkte Folge des Scheiterns von Grok: Die ungenutzten Rechenzentren werden nun mit großem Gewinn an Erzrivalen vermietet.
Trotz eines Nettoverlusts von 4,28 Mrd. Dollar allein im ersten Quartal 2026 wird SpaceX an der Börse mit rund 1,75 Billionen Dollar bewertet – ein Novum, das für hitzige Debatten sorgt.
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