Hinweis für deutsche Leser:innen: El Niño (spanisch für "das Christkind") ist ein natürliches Klimaphänomen, das etwa alle zwei bis sieben Jahre auftritt. Es wird durch eine Erwärmung des Oberflächenwassers im zentralen und östlichen Pazifik ausgelöst und beeinflusst globale Wettermuster, von der atlantischen Hurrikansaison bis zu den Monsunregen in Asien.
Die führenden Klimainstitute der Welt zeichnen ein nahezu einstimmiges Bild. Die Wahrscheinlichkeiten für das Fortbestehen und die Intensivierung von El Niño sind außergewöhnlich hoch:
Trotz der dramatischen Zahlen gibt es noch eine Restunsicherheit bezüglich der genauen Endstärke. NOAA-Fachleute betonen, dass kein einzelnes Intensitätsszenario zum jetzigen Zeitpunkt eine Wahrscheinlichkeit von über 37 % hat . Der finale Verlauf hängt stark von schwer vorhersagbaren Wechselwirkungen zwischen Ozean und Atmosphäre ab.
Besonders bemerkenswert ist die Geschwindigkeit des Umschwungs. Nach einer mehrjährigen La-Niña-Phase (zuletzt im Winter 2025/26) wechselte der Pazifik im April in einen neutralen Zustand und schießt nun regelrecht in die El-Niño-Phase .
Die Anomalien der Meeresoberflächentemperatur in der kritischen Niño3.4-Region sind bereits auf über +0,9 °C gestiegen und liegen damit deutlich über der El-Niño-Schwelle von +0,5 °C . Dieser fließende Übergang ist klimatologisch ungewöhnlich und deutet auf die im Westpazifik gespeicherte, enorme Wärmeenergie hin
.
Die Folgen eines starken El Niño sind global und vielschichtig. Während die direkten Auswirkungen auf Mitteleuropa oft indirekt sind, verändern sie doch die globale Zirkulation und können auch hierzulande zu ungewöhnlichen Wetterlagen führen.
Die Tonlage unter Klimaforschern und Institutionen ist geschärft. Das Weltwirtschaftsforum (WEF) beschrieb das Ereignis Anfang Juni als "mehr als nur ein Klimaereignis – es ist ein systemischer Schock" .
Die nächsten Monate werden entscheidend sein. Die Meeresoberflächentemperaturen dürften weiter steigen und ihren Höhepunkt wahrscheinlich zwischen November 2026 und Januar 2027 erreichen . Die atmosphärischen Auswirkungen, wie veränderte Niederschlagsmuster und Hitzeextreme, treten dann zeitversetzt bis weit ins Jahr 2027 hinein auf.
Für Vorhersagen, die Europa direkt betreffen, sind langfristige saisonale Modelle zwar komplex, doch historisch gesehen kann ein starker El Niño die Wintermonate in Nordeuropa tendenziell kälter und trockener und im Mittelmeerraum feuchter machen.
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