Bei seiner Pressekonferenz am 10. Juni in Mexiko-Stadt verteidigte Infantino die Partnerschaft offensiv: Ohne Trumps Engagement und Mitwirkung wäre es „unmöglich gewesen, eine Weltmeisterschaft in den Vereinigten Staaten zu organisieren“ . Der FIFA-Boss pries Trump als unverzichtbaren Türöffner und ließ kaum Zweifel daran, dass er den umstrittenen Präsidenten für den wichtigsten Partner des Fußball-Weltverbands hält.
Der somalische Schiedsrichter Omar Artan, 34 Jahre alt, hätte Geschichte schreiben sollen: als erster somalischer Spielleiter bei einer Männer-WM. Mit gültigem Visum und Diplomatenpass landete er am 6. Juni in Miami – und wurde von der US-Grenzschutzbehörde CBP wegen nicht näher bezeichneter „Sicherheitsbedenken“ abgewiesen und aus dem Turnier genommen . Artan sagte der New York Times, sein „Lebenstraum“ sei zerstört worden
.
Auf die Visa-Affäre angesprochen, sagte Infantino am 10. Juni in Mexiko-Stadt, die Kritiker sollten „chillen und sich entspannen“; man könne als Sportorganisation Regierungen keine Visa-Regeln vorschreiben . Die Situation sei „unglücklich“, aber die FIFA kontrolliere eben nicht alles
. Der flapsige Tonfall löste eine Welle der Empörung aus: FIFA müsse ihren Einfluss nutzen, um akkreditierte Offizielle zu schützen, so der Tenor vieler Kommentare
. (Als kleinen Trost setzte die UEFA Artan später im August beim Spiel um den UEFA Super Cup ein
.)
Der Fall Artan ist kein Einzelfall. Seit Trumps Rückkehr ins Präsidentenamt im Januar 2025 verhängten die USA Einreisebeschränkungen für mehrere Länder, darunter die WM-Teilnehmer Senegal, Elfenbeinküste, Iran und Haiti . Die Folgen sind massiv:
Der frühere englische Nationalstürmer und TV-Experte Gary Lineker nannte die Beziehung zwischen Trump und Infantino „sehr eigenartig, sehr seltsam“ und bezeichnete den FIFA-Präsidenten als „Sycophant-ino“ („Schleimer-ino“) . Er hob die einzigartige Situation hervor, dass mit den USA ein Gastgeberland faktisch im Krieg mit einem teilnehmenden Land (Iran) stehe, und fragte, ob die WM mit ihren hohen Preisen „die Leute auspreist“
.
Jules Boykoff, Professor an der Pacific University und Autor von Red Card: The 2026 World Cup, Sportswashing, and the FIFA Greed Machine, bezeichnet das Turnier als „neuen Tiefpunkt“ für den Fußball. Die Infantino-Trump-„Bromance“ zeige, dass die politische Aktivität der FIFA „ihren Höhepunkt erreicht“ habe und gegen die eigene Neutralitätspflicht verstoße. Trump betreibe mit der WM „Sportswashing“, so Boykoff – also die gezielte Nutzung von Sportereignissen zur Imagepolitur .
Während Visa-Hürden vielen Fans die Einreise erschweren, vertreibt die Preisgestaltung selbst jene, die hineinkommen könnten. Für Top-Spiele werden Ticketpreise von teils deutlich über 1.000 Dollar pro Karte aufgerufen. Lineker fragte öffentlich, ob das Turnier „die Leute auspreisen“ werde . Zusammen mit den Visa-Barrieren verdichtet sich der Eindruck: Diese WM sei „für die anderen, nicht für uns“
.
Die 2026er-WM ist historisch: erstmals 48 Teams, erstmals drei Gastgeberländer – und zugleich eine der politisch aufgeladensten in der Geschichte des Turniers . Trumps Reisebeschränkungen und die Infantino-Trump-Allianz rücken den Sport dabei so stark in den Hintergrund, dass die Glaubwürdigkeit der FIFA als neutrale Dachorganisation auf dem Spiel steht. Schon vor dem Anpfiff steht fest: Der Ball rollt auf einem hochpolitischen Parkett.
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