In einer öffentlichen Erklärung formulierte Apple unmissverständlich, man sei „derzeit nicht in der Lage, Siri AI auf iPhones, Apple Watches oder iPads in der Europäischen Union einzuführen“, weil die EU-Regulierer nach monatelangen Verhandlungen jeden einzelnen Lösungsvorschlag abgelehnt hätten .
Um die Quadratur des Kreises zu schaffen, arbeitete Apple eine neue Middleware-Architektur aus, den sogenannten Trusted System Agent. Die Idee dahinter: eine kontrollierte und datenschutzfreundliche Vermittlerschicht. Diese sollte es fremden Assistenten erlauben, auf dieselben Gerätefunktionen wie Siri AI zuzugreifen, aber durch ein von Apple kontrolliertes Nadelöhr, das eine Sicherheitsbarriere aufrechterhält . Gepaart mit spezifischen neuen Programmierschnittstellen (APIs) sollte so eine funktionale Waffengleichheit erreicht werden
.
Daraufhin versuchte Apple einen anderen Weg und beantragte formell eine 18-monatige Ausnahmegenehmigung von den Interoperabilitätsverpflichtungen des DMA. Das damit verbundene Ziel: kostbare Entwicklungszeit zu gewinnen, um den Trusted System Agent schrittweise in der EU einzuführen, während die Nutzer in der Zwischenzeit Siri AI trotzdem schon nutzen könnten .
Die Kommission wies auch dieses Gesuch unmissverständlich zurück. Sprecher Thomas Regnier betonte: „Europäisches Recht ist nicht verhandelbar. Apple wollte eine Ausnahmegenehmigung“ .
Aus Brüssel kommt eine ebenso klare Replik: Der DMA verbietet keineswegs neue Produkte. Er verlangt lediglich von marktbeherrschenden „Gatekeepern“ wie Apple, ihre Plattformen fair zu öffnen. Apples Freiheit, Siri AI in der EU zu starten, war demnach nie angetastet – vorausgesetzt, der Konzern hätte die nötige Regelkonformität von vornherein in das Produkt eingebaut.
Regnier brachte es in einer Pressekonferenz auf den Punkt: „Die Entscheidung, Siri AI nicht in die EU zu bringen, liegt einzig und allein bei Apple“ . Und weiter: „Nichts, aber auch gar nichts im DMA verbietet es Apple, neue Produkte in der EU einzuführen“
.
Die Kommission argumentiert, Apple habe anstatt einer DMA-konformen Lösung zu entwickeln, schlicht eine pauschale Befreiung von seinen gesetzlichen Pflichten angestrebt . Die Behörde betont, Apple habe mehr als genug Zeit und Gelegenheit gehabt, eine mit dem DMA zu vereinbarende Version der KI zu entwerfen – und habe sich schlicht dagegen entschieden
.
Die Auswirkungen des Streits zeigen eine bewusste juristische Trennlinie. Der DMA bezieht sich mit voller Härte nur auf die als zentrale Plattformdienste designierten Betriebssysteme iOS und iPadOS. Für macOS, watchOS und visionOS greift die Gatekeeper-Einstufung nicht – und genau deshalb wird Siri AI auf diesen Geräten auch in der EU planmäßig ausgerollt .
Hier die Verfügbarkeit im Detail:
| Plattform | Siri AI in der EU zum Start verfügbar? |
|---|---|
| iPhone (iOS 27) | Nein |
| iPad (iPadOS 27) | Nein |
| Mac (macOS 27) | Ja |
| Apple Watch (watchOS 27) | Ja |
| Apple Vision Pro (visionOS 27) | Ja |
Apple wies auch darauf hin, dass ein Nutzer mit einem Mac unter macOS 27 in der EU Siri AI ganz normal verwenden kann. Dies unterstreicht, dass der Knackpunkt allein in der formellen DMA-Einstufung liegt und nicht in einer pauschalen EU-Blockade .
Das Manöver folgt einem bekannten Drehbuch. Im Juni 2024 hatte Apple mit Verweis auf den DMA angekündigt, die komplette Apple Intelligence, die iPhone-Synchronisation (iPhone Mirroring) und SharePlay-Bildschirmfreigaben in der EU zu blockieren . Damals hieß es vom Unternehmen, die DMA-Anforderungen könnten Apple zwingen, „die Integrität unserer Produkte auf eine Weise zu kompromittieren, die die Privatsphäre und Datensicherheit der Nutzer gefährdet“
.
Diese 2024er-Features kamen am Ende zwar doch noch in die EU, allerdings in abgespeckter Form und mit monatelanger Verspätung . Bei Siri AI bahnt sich nun eine exakte Wiederholung an: eine medienwirksame Verzögerung, gekoppelt mit dem Versuch, regulatorische Pflichten als faktische Blockade neuer Produkte darzustellen.
Der Schlagabtausch folgt zudem auf ein ruhigeres Eingeständnis Apples, dass man wegen der DMA-Vorschriften auch andere KI-Features wie die Live-Übersetzung für AirPods zurückstellen musste, weil die Herstellung der Kompatibilität mit Fremdprodukten erhebliche Entwicklungszeit bindet .
Branchenbeobachter sehen in dem wiederholten Taktieren ein finanzielles Risiko für Apple. Würde der Konzern Siri AI in Europa starten, ohne den konkurrierenden Assistenten einen gleichwertigen Zugang zu gewähren, drohen der EU-Theorie zufolge Geldbußen von bis zu 10 % des weltweiten Jahresumsatzes von Apple, bei wiederholten Verstößen sogar 20 % .
Für europäische iPhone- und iPad-Nutzer bedeutet der Machtkampf vorerst eine Wartezeit ohne konkretes Ende. Apple gibt keinen Zeitplan für die Verfügbarkeit von Siri AI auf diesen Geräten an, und die Europäische Kommission rückt keinen Millimeter vom Prinzip ab, dass die Gatekeeper-Konformität vor der Einführung neuer Funktionen stehen muss.
Comments
0 comments