Der deutlichste Moment des Gipfels war eine Warnung. Xi Jinping sagte Trump klipp und klar, dass ein falscher Umgang mit der Taiwan-Frage die beiden Atommächte in einen „Konflikt“ stürzen könnte. Taiwan spielte in der chinesischen Rhetorik eine zentrale Rolle, während es in der offiziellen Zusammenfassung des Weißen Hauses unerwähnt blieb.
Später sagte Trump an Bord der Air Force One, er habe noch keine Entscheidung über ein großes US-Waffengeschäft mit Taiwan getroffen, werde aber eine „Entscheidung fällen“.
Die britische Denkfabrik Chatham House warnte, Trumps Vorgehen berge die Gefahr, das Vertrauen der indo-pazifischen Verbündeten in die USA zu untergraben.
In einer bemerkenswerten Kehrtwende erteilte das US-Handelsministerium zehn chinesischen Firmen – darunter Schwergewichte wie Alibaba, Tencent, ByteDance, JD.com, Lenovo und Foxconn – die Genehmigung, fortschrittliche H200-Chips von NVIDIA zu kaufen. Dies ist eine deutliche Lockerung der Exportkontrollen, die zuvor ein zentraler Streitpunkt waren und faktisch einen Technologiekrieg bedeuteten. Eine formelle Einigung zu diesem sensiblen Thema gab es beim Gipfel jedoch nicht, und brisantere Verkäufe von Blackwell-Chips standen der Quelle The Wire China zufolge gar nicht auf der Agenda.
Nur eine Woche nach dem Gipfel reiste Chinas Außenminister Wang Yi in die USA und nach Kanada. Bei den Vereinten Nationen leitete er eine Sitzung des Sicherheitsrats und traf Generalsekretär Guterres. Seine Botschaft war düster: „Weltfrieden und Sicherheit sind in großer Gefahr“. Ohne die USA oder Trump beim Namen zu nennen, übte er scharfe Kritik am amerikanischen Vorgehen im Iran und betonte, dass „einseitige militärische Aktionen, die das Mandat des Rates umgehen, inakzeptabel sind“
– eine kaum verhüllte Spitze gegen die US-Außenpolitik.
Gleichzeitig warb er gegenüber US-Geschäftsleuten für die Umsetzung der beim Gipfel vereinbarten „strategischen Stabilität“.
Eine strategische Wende deutete sich in Washington an. Jamieson Greer, Trumps Chefunterhändler, signalisierte beim Council on Foreign Relations, dass die Prämisse einer entkoppelten Wirtschaftsbeziehung zu China „weitgehend beendet“ sei. Er stellte klar: Zu erwarten, dass China sich von seiner exportorientierten Wirtschaft abwendet, sei so realistisch wie die Forderung an die USA, eine ihrer großen Parteien abzuschaffen – ein klarer Bruch mit der aggressiven Politik der wirtschaftlichen Abkopplung, die das erste Jahr der Trump-Administration geprägt hatte.
Ein oft übersehenes Detail könnte wegweisend sein: China blockierte nicht die Teilnahme der taiwanesischen Ministerin ohne Geschäftsbereich, Yang Jen-ni, die auch das Handelsbüro Taiwans leitet, an APEC-Treffen auf chinesischem Territorium. Dies war eine ungewöhnliche Ausnahme von Pekings strikter Linie, die Vertretern Taiwans die Teilnahme an internationalen Foren verbietet. Beobachter werten dies als eine vertrauensbildende Geste im Nachgang des Gipfels. Die grundsätzlichen Spannungen aber bleiben: Pekings Militärhaltung rund um die Insel, das massive US-Waffenpaket über 11 Milliarden Dollar vom Dezember und die offene Frage eines noch größeren, 14 Milliarden Dollar schweren Rüstungsgeschäfts sind ungelöst.
Fazit: Der Beijing-Gipfel war ein Gipfel der großen Worte und vorsichtigen Manöver. Er stabilisierte das Verhältnis auf einem fragilen Niveau und schuf neue Kommunikationskanäle, ließ aber alle Kernkonflikte unangetastet. Die eigentliche Bewährungsprobe für Xi Jinpings Vision eines „historischen Jahres 2026“ steht noch bevor.
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