Die Situation ist nicht nur ein theoretisches Risiko. Die Industriestaaten zapfen ihre strategischen Reserven in einem „Rekordtempo“ an, um die Versorgungslücke zu schließen. Bis zum 8. Mai wurden bereits 164 Millionen Barrel durch Regierungen freigegeben.
Die nackten Zahlen verdeutlichen das Ausmaß der Krise:
Die Ursache dieser Entwicklung ist ein massiver Angebotsschock. Der Krieg im Nahen Osten, in dessen Verlauf auch Angriffe auf den Iran erfolgten, hat zu weitreichenden Produktionsausfällen und vor allem zur faktischen Schließung der Straße von Hormus geführt. Durch diese Meerenge zwischen dem Persischen Golf und dem Golf von Oman wird normalerweise ein Fünftel des weltweiten Ölverbrauchs transportiert. Ihr Ausfall unterbricht die Lieferketten an einer zentralen Stelle.
Die Sorge vor Preisspitzen ist unter Analysten gegenwärtig das beherrschende Thema. Die IEA hält künftige Preissprünge aufgrund der „rapide schrumpfenden Puffer“ für wahrscheinlich.
Selbst im optimistischen Fall, dass die Ölströme durch die Straße von Hormus bald wieder aufgenommen werden, erwarten Experten keine schnelle Entspannung. Die EIA betont, dass die Erholung der eingestellten Produktion „Wochen oder Monate“ dauern wird. Solange werden die großen Lagerbestandsabflüsse einen nennenswerten Abwärtsdruck auf die Preise verhindern.
Für das zweite Quartal 2026 prognostiziert die EIA einen durchschnittlichen Brent-Preis von 91 US-Dollar pro Barrel.
Analysten großer Banken wie Morgan Stanley und Goldman Sachs schließen in diesem fragilen Umfeld auch sogenannte nicht-lineare Marktbewegungen, Panikkäufe und starke Ausschläge nach oben nicht aus. Die Frage ist nicht mehr, ob die Reserven knapp werden, sondern wann der Punkt erreicht ist, an dem der Markt nicht mehr reibungslos funktioniert.
Hinweis: Zu den spezifischen Auswirkungen auf die strategischen Reserven Chinas lagen in den vorliegenden Quellen keine detaillierten Informationen vor.
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