Ein kurzes Waffenruhe-Fenster Mitte April ermöglichte kurzzeitig die Durchfahrt von mindestens acht Tankern an einem einzigen Tag . Doch unmittelbar danach machte der Iran die Meerenge wieder dicht, erneut gerieten Schiffe unter Beschuss
. Ende April wurden sechs iranische Öltanker von einer US-Blockade zurückgedrängt. Nur sieben Schiffe querten innerhalb von 24 Stunden die Passage – keines davon mit Rohöl für den Weltmarkt an Bord
.
Die Live-Tracking-Seite hormuzmonitor.com verzeichnet seither konstant weniger als zehn Transitbewegungen pro Tag – verglichen mit dem Vorkriegsniveau ein katastrophaler Einbruch. Wie viele der hunderten eingeschlossenen Schiffe den Golf bisher verlassen konnten, ist unklar. Einige wenige passierten unter iranischer Aufsicht, andere während des kurzen April-Fensters. Genaue Zahlen zu den erfolgreichen Extraktionen durch diese Kanäle oder durch die neue US-Operation gibt es nicht.
Parallel zu den Kampfhandlungen hat Teheran im März 2026 die „Persian Gulf Strait Authority“ (PGSA) aus dem Boden gestampft – eine Behörde, die ein formelles Genehmigungs- und Mautsystem für die Durchfahrt etabliert hat . Schiffe müssen eine detaillierte „Vessel Information Declaration“ einreichen, die von Eigentumsverhältnissen über Versicherungsdaten bis zur Besatzung und Ladung alles abdeckt, bevor eine Passage überhaupt in Frage kommt und Gebühren fällig werden
. Die Warnung der PGSA folgt auf dem Fuße: Unvollständige oder falsche Angaben führen zur Verweigerung der Durchfahrt – oder zum Angriff
.
Am 18. Mai erklärte die PGSA jegliche Passage ohne iranische Genehmigung offiziell für „illegal“ . Die Behörde kommuniziert ihre Direktiven öffentlichkeitswirksam über ein X-Konto und Videobotschaften – ein unmissverständliches Signal, dass Teheran seine Kriegskontrolle institutionalisieren will
. Der Berater des Obersten Führers, Mohammad Mokhber, erklärte am 8. Mai, die Meerenge besitze einen „strategischen Wert, der mit einer Atomwaffe vergleichbar ist“. Iran werde die Straße von Hormus „unter keinen Umständen verlieren“
.
Das US-Finanzministerium verhängte am 28. Mai Sanktionen gegen die PGSA und brandmarkte sie als Erpressungsinstrument der Islamischen Revolutionsgarde (IRGC), das „eklatant gegen internationales Recht verstößt“. Die PGSA wurde auf die Sanktionsliste gesetzt – die nächste Eskalationsstufe im Wirtschaftskrieg um die Vorherrschaft auf der wichtigsten Ölroute der Welt .
Anfang Mai rief Präsident Trump die Operation „Project Freedom“ ins Leben. Eine US-geführte Marine-Taskforce errichtete eine „erweiterte Sicherheitszone“ südlich der üblichen Schifffahrtsrouten und begann, nicht-militärische Schiffe bei der Ausfahrt zu koordinieren . Das Problem: Die IRGC verbietet Schiffen unter US-Flagge sowie israelischen und westlichen alliierten Schiffen ausdrücklich die Passage. Die Kriegsrisikoversicherung für den Golf wurde bereits am 5. März flächendeckend gekündigt
.
Zudem liegt die letzte Entscheidung zur Durchfahrt nicht bei den Ölkonzernen, sondern bei den Schiffseignern. Wirth betonte diesen Punkt: „Der Schiffseigner entscheidet, ob er sein Schiff und seine Besatzung durch die Meerenge schicken will“ . Und selbst bei einer möglichen Einigung zwischen den USA und dem Iran bräuchte es mehr als nur einen politischen Deal: Reeder und Versicherer müssten gleichermaßen die Sicherheit der Route als wiederhergestellt ansehen, bevor die Ölströme zurückkehren
. Bis dahin kann die US-Marine den Weg weisen – das faktische Vetorecht auf dem Wasser aber hält der Iran durch Minen, Enterkommandos und militärische Drohungen weiter fest in der Hand
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Das, was sich jetzt in der Straße von Hormus abspielt, ist beispiellos. Die Internationale Energieagentur (IEA) spricht bereits von der „größten Versorgungsstörung in der Geschichte des globalen Ölmarktes“ mit kumulierten Produktionsausfällen von 12,8 Millionen Barrel pro Tag seit Ende Februar . Mehr als 14 Millionen Barrel täglicher Förderung aus der Golfregion waren Mitte Mai faktisch vom Markt abgeschnitten
.
Zwei aktuelle Analysen der renommierten Brookings Institution zeichnen ein alarmierendes Bild der verbleibenden Fristen. Bereits am 13. Mai schrieb Brookings, die Blockade der Meerenge habe 20 Prozent des weltweiten Öl- und LNG-Handels zum Erliegen gebracht und bezeichne dies als die „größte Energiestörung seit Jahrzehnten“ . Eine zweite, detailliertere Analyse vom 25. Mai („The timing of the impending crude crisis“) rechnet vor, dass die Notfallfreigaben aus strategischen Reserven der IEA-Mitglieder, die am 11. März begonnen hatten und spätestens am 9. Juli aufgebraucht sein werden, zusammen mit kommerziellen Lagerbeständen einen zeitlichen Puffer von lediglich 2,5 Millionen Barrel pro Tag bieten. Ist dieser Puffer Mitte Juli 2026 dahin, muss sich der Markt abrupt an einen täglichen Fehlbetrag von 7,1 Millionen Barrel anpassen – das entspricht rund 16 Prozent des globalen Rohölhandels
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Die Analyse der Großbank BNP Paribas schlägt in dieselbe Kerbe und warnt, dass Umgehungspipelines, kommerzielle Lagerbestände und strategische Reserven „nur partielle und temporäre Lösungen“ seien. Ohne eine Wiederöffnung der Straße von Hormus, so die unmissverständliche Mahnung der Bank, „werden dem Ölmarkt bald die Optionen ausgehen“ . Um die klaffende Versorgungslücke zu überbrücken, zapft die Welt ihre Reserven derzeit mit einer atemberaubenden Rate von mehr als 7 Millionen Barrel pro Tag an – jeden Monat schmelzen so etwa 210 Millionen Barrel dahin
.
Die diplomatische Großwetterlage ist so undurchsichtig wie gefährlich. Quellen verweisen auf einen grundsätzlichen „Waffenstillstand im Nahostkrieg“, der die temporäre Öffnung im April ermöglichte . Chevrons Wirth stellte fest, dass die Angriffe selbst „inmitten fragiler US-Iran-Waffenruhe-Gespräche“ anhielten
. Ob es konkrete Verlängerungen des Waffenstillstands oder Fortschritte bei den dahinterliegenden Nuklearverhandlungen gibt, ist Ende Mai 2026 nicht bestätigt.
Klar ist hingegen die harte Realität auf See: Die Straße von Hormus ist kein sicheres Gewässer. Wirths Hinweis auf multiple Angriffe innerhalb einer einzigen Woche, von denen einige bewusst nicht öffentlich wurden, zeigt, dass hier ein aktives Kriegsgebiet besteht. Die Kombination aus anhaltenden Gefechten und der unausweichlichen Erschöpfung der letzten globalen Ölpolster bringt die Welt an den Rand einer Zäsur: Schon bald werden die wahren strategischen und wirtschaftlichen Kosten dieser Blockade ungefiltert zu spüren sein – und eine Lösung ist nicht in Sicht.
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