Der Druck beschränkt sich nicht auf Norwegen. Am 28. Mai 2026 richteten 34 Investoren mit einem verwalteten Vermögen von 336 Milliarden Dollar einen gemeinsamen Brief an den Palantir-Verwaltungsrat . Unterzeichner sind große Vermögensverwalter, kirchliche Pensionskassen und ethisch orientierte Fonds. Sie zeigen sich „tief besorgt“ über den Einsatz von Palantir-Software für mögliche Menschenrechtsverletzungen, darunter Verstöße gegen die Rechte auf persönliche Sicherheit, Privatsphäre, Bewegungsfreiheit und ein faires Verfahren
.
Der größte niederländische Pensionsfonds ABP zog bereits die Reißleine: Er verkaufte seine gesamte Beteiligung an Palantir im Volumen von 825 Millionen Euro und begründete dies mit seiner sozialen Verantwortung . Auch der mächtige kalifornische Pensionsfonds CalPERS wurde vom Business & Human Rights Resource Centre zu seinem Investment befragt, gab jedoch keine öffentliche Stellungnahme ab
.
Im Zentrum der ethischen Debatte steht Palantirs Rolle bei der Entwicklung von ELITE (Enhanced Leads Identification and Targeting for Enforcement), einem Analysesystem für die US-Einwanderungs- und Zollbehörde ICE. Das Programm funktioniert wie ein hochauflösendes Fahndungsraster:
Seine besondere Brisanz erhält ELITE durch die breite Datenbasis. Das System schöpft Informationen aus staatlichen Gesundheitsdaten (Medicaid), Steuerunterlagen, Versorgungsrechnungen und anderen Behördenquellen, um nicht nur einzelne Personen, sondern ganze Nachbarschaften für Razzien zu identifizieren . Laut einer eidesstattlichen Aussage in einem Bundesverfahren in Oregon nutzen ICE-Beamte ELITE genau dafür: um festzulegen, wo sie flächendeckende Abschiebeaktionen durchführen
.
Der US-Abgeordnete Dan Goldman forderte das Heimatschutzministerium am 14. April 2026 zu einer parlamentarischen Kontrolle aller Palantir-Verträge im Zusammenhang mit ELITE auf .
Der norwegische Fonds bietet das Bild einer gespaltenen Strategie. Während er öffentlichkeitswirksam für alle Menschenrechtsanträge stimmte, erhöhte er seine Palantir-Beteiligung gleichzeitig um rund 60 Prozent auf etwa 29 Millionen Aktien – ein Paket mit einem Marktwert von über 5 Milliarden Dollar .
Kritiker in Norwegen sehen darin eine wachsende „Politisierung“ des Fonds. NBIM selbst erklärt, man stehe mit Palantir im Dialog über Menschenrechtsrisiken durch KI und datengetriebene Technologien und handele im Einklang mit den UN-Leitprinzipien für Wirtschaft und Menschenrechte .
Der Ausgang der Abstimmung bleibt abzuwarten. Der massive Druck aus Norwegen und die öffentliche Debatte um ELITE haben jedoch schon jetzt gezeigt, dass selbst bei einem auf Verteidigung und Sicherheit spezialisierten Softwarekonzern ethische Investoren-Erwartungen nicht mehr ignoriert werden.
Comments
0 comments