Trotz der dramatischen Größenreduktion hält der Akku laut Oura etwa eine Woche – ähnlich wie beim Vorgänger . Erreicht wurde dies durch energieeffizienteres Redesign statt durch bloßes Verkleinern der Batterie
.
Eine interessante Änderung: Die Zahl der optischen Signalwege sank von 18 (Ring 4) auf 12 (Ring 5) . Keine Sparmaßnahme, wie die Ingenieure von Oura erklären: Das Gen-4-Modell nutzte vier schwache Fotodetektoren, der Ring 5 setzt dagegen auf drei leistungsfähigere Detektoren und viermal stärkere LEDs
. Ergebnis: bessere Signalqualität und präzisere Messungen über eine breitere Palette von Hauttönen hinweg
.
Oura bezeichnet den Ring 5 als „bisher genaueste Generation“ – mit Verbesserungen bei Herzfrequenz, Herzratenvariabilität, Körpertemperatur, Atemfrequenz, Schlafphasenerkennung und Bewegungstracking .
Die Ring-5-Hardware ist mit einem großen Software-Update verbunden, das auch für Nutzer des Oura Ring Gen 3 und neuerer Modelle verfügbar ist . Hier zeigt sich Ouras strategische Ausrichtung am deutlichsten.
Health Radar ist ein Upgrade des bisherigen Symptomradars. Es überwacht kontinuierlich Temperatur, Atemfrequenz und Herzratenvariabilität und warnt bei Abweichungen, die auf Erkrankungen, Überlastung oder Erholungsbedarf hindeuten können . Oura möchte nicht nur eine rückblickende Übersicht, sondern „ein vertrauenswürdiges Frühwarnsystem“ schaffen
.
Blood Pressure Signals (Blutdruck-Signale) ist die ambitionierteste Neuerung. Dazu startete Oura in seiner experimentellen Umgebung „Oura Labs“ eine Blutdruck-Profil-Studie . Diese Studie nutzt Photoplethysmografie (PPG) und andere Sensordaten, um Blutdrucktrends ohne Manschette zu schätzen. Anfang 2026 waren rund 100.000 Nutzer in die Studie eingeschrieben
. Wichtig: Die Funktion ist kein Medizinprodukt. Oura strebt eine FDA-Zulassung für Blutdruckfunktionen an, die aktuelle Implementierung dient aber nur Forschungszwecken und ist nicht zur Diagnose bestimmt
. In Deutschland und der EU wäre der Begriff der Zweckbestimmung nach MDR entscheidend – derzeit handelt es sich um eine experimentelle Lifestyle-Funktion ohne klinischen Anspruch.
Nächtliche Atmung und die Resmed-Partnerschaft bringt Oura näher an die klinische Versorgung. Der Ring zeichnet Atemunregelmäßigkeiten während des Schlafs auf. Bei erhöhter Störungsaktivität erhalten Nutzer eine Benachrichtigung und einen direkten Zugang zu Resmeds Schlafgesundheits-Ressourcen: Informationen, Schlaf-Assessment und die Option, Kontakt mit einem Gesundheitsdienstleister aufzunehmen . Die Partnerschaft zielt auf die vielen nicht diagnostizierten Schlafapnoe-Fälle ab – Schätzungen zufolge bleiben weltweit etwa 80 % der Betroffenen ohne Diagnose
.
Live Activity Tracking erlaubt es, Workouts direkt in der Oura-App zu starten und sekundengenaue Werte zu Tempo, Distanz und Herzfrequenz einzublenden . Zudem können externe Herzfrequenzmesser gekoppelt werden.
Health Records (nur für berechtigte US-Nutzer) ermöglicht das Einbinden klinischer Gesundheitsakten in die App und verknüpft so selbst erhobene biometrische Daten mit der medizinischen Vorgeschichte.
Einige Funktionen, über die in der Launch-Berichterstattung spekuliert wurde, sind reine Forschungsprojekte. Die GLP-1 Insights sind eine externe Beobachtungsstudie des Unternehmens Evolv – und nicht Teil der Oura-App . Sie untersucht, wie orale GLP-1-Peptide auf Schlaf, Erholung und Stress wirken.
Gehirngesundheit ist für Oura ein Interessengebiet, jedoch gab es keinen eigenen Launch einer „Brain Health Study“ am 28. Mai. Seit 2025 besteht eine Partnerschaft mit Talkspace (Tele-Therapie), bei der Nutzer ihre Schlaf- und Aktivitätsdaten mit Therapeuten teilen können .
Manche Vorberichte nannten Counsel Health als Partner für die On-Demand-Versorgung. Der konkret am 28. Mai vorgestellte Partner ist jedoch Resmed, und zwar für die nächtliche Atemweganalyse. Counsel Health taucht zwar in ARPA-H-Profilen als KI-Versorger auf, wurde aber in den offiziellen englischen Pressematerialien zum Ring 5 nicht erwähnt . Ein italienischsprachiger Produktblog von Oura nannte Counsel Health allerdings als Partner für „personalisierte, KI-gestützte medizinische Anleitung“
. Das deutet auf eine mögliche separate oder künftige Funktion hin, die jedoch (noch) nicht offiziell für den deutschsprachigen Raum angekündigt wurde.
Der Ring 5 ist weniger eine Hardware- als eine Plattform-Geschichte. Oura baut eine Infrastruktur, die kontinuierliche biometrische Daten mit klinischen Partnern verbindet – Resmed für Schlaf, weitere Partnerschaften zu Blutdruck und Stoffwechsel stehen vermutlich vor der Tür. Das Unternehmen strebt eine FDA-Zulassung an, arbeitet mit Medicare-Advantage-Plänen wie Essence Healthcare zusammen und integriert Dexcoms Glukosemessung . Die Hardware schrumpft – das Geschäftsmodell wächst erheblich.