Die anfänglichen Kursrückgänge täuschen. Das Urteil der EZB fällt unmissverständlich aus: Gemessen an historischen Standards sind die Preise von Finanzanlagen noch immer überhöht – erst recht, wenn man das aktuelle Niveau geowirtschaftlicher Belastung und Unsicherheit berücksichtigt . Dieses Missverhältnis macht die Märkte anfällig für eine ungeordnete Neubewertung, einen Strudel, in dem fallende Kurse, Notverkäufe und eingeschränkte Liquidität eine gefährliche Wechselwirkung entfalten
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Die Akteure, die einen solchen Strudel wahrscheinlich antreiben würden, sind nicht die Banken, deren Kapital- und Liquiditätspolster heute deutlich dicker sind. Die größte Sorge gilt dem weitläufigen Sektor der Nichtbanken-Finanzintermediation, auch Schattenbanken genannt .
Die Märkte für Staatsanleihen haben sich als zentraler Übertragungskanal für globale Schocks herauskristallisiert . In diesem Bereich identifiziert die EZB eine besonders neuralgische Stelle: sogenannte Basis-Trades hochspekulativer Hedgefonds. Dabei versuchen Investoren, winzige Preisunterschiede zwischen Kassa-Anleihen und den entsprechenden Futures-Kontrakten auszunutzen. Bloomberg zitiert aus dem Bericht, dass diese Geschäfte üblicherweise mit einer Leverage Ratio – also einem Verschuldungshebel – von rund 25 ablaufen
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Diese Strategien können unter normalen Umständen die Marktliquidität fördern. Gefährlich wird es, wenn die Wetten schiefgehen: Ein plötzlicher Schuldenabbau kann dann die Marktausschläge massiv verstärken und die Staatsanleihemärkte direkt destabilisieren . Hinzu kommt eine breitere Sorge der EZB über die sich verändernde Investorenbasis am europäischen Rentenmarkt: Inzwischen können schon relativ kleine externe Schocks die Renditen stark ausschlagen lassen, weil viele Marktteilnehmer hoch gehebelt positioniert sind
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Der Bericht greift eine altbekannte Verwundbarkeit auf, die bereits in früheren Ausgaben intensiv diskutiert wurde: Offene Investmentfonds, insbesondere Unternehmensanleihenfonds, halten zu wenig liquide Mittel im Verhältnis zu den kurzfristigen Rückgabemöglichkeiten, die sie ihren Anlegern bieten . Kommt es unter Stress zu unerwarteten Rückgabewellen, drohen prozyklische Notverkäufe, die den Abwärtstrend an den Märkten weiter befeuern
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Daneben identifiziert die EZB erneut die Achillesferse konzentrierter Hebel: Bei einzelnen Hedgefonds haben sich hohe finanzielle und synthetische Verschuldungsgrade aufgebaut. Sollten diese Akteure aufgrund von Nachschussforderungen (Margin Calls) gezwungen sein, schnell Positionen zu verkaufen, wäre der nächste große Verwerfungsmechanismus in Gang gesetzt . Diese beiden Schwachstellen – mangelnde Fungibilität und geballter Hebel – gelten als die primären Verstärker von Marktstress außerhalb des traditionellen Bankensystems.
Die wirtschaftliche Belastung trifft die Realwirtschaft direkt: Energieintensive und exportabhängige Unternehmen bekommen die Kostenexplosion und die Nachfrageschwäche doppelt zu spüren. Ausfälle und Bonitätsherabstufungen werden damit wahrscheinlicher. Und bei den privaten Haushalten wird der anhaltende Druck durch hohe Lebenshaltungskosten voraussichtlich die Fähigkeit verringern, Kredite zu bedienen – ein Problem, das sich vor allem bei Beziehern kleinerer Einkommen bemerkbar macht .
Für die Bankenbranche bedeutet das trotz der bislang soliden Kapitaldecke höhere Risikovorsorgekosten .
Anstatt die Anfälligkeiten des NBFI-Sektors als gottgegeben hinzunehmen, legt der Bericht einen ganzen Katalog konkreter politischer Handlungsempfehlungen vor, die die Widerstandsfähigkeit des Finanzsystems stärken sollen Q:
Diese Forderungen sind auf eine Welt zugeschnitten, in der die marktbasierte Finanzierung rasant wächst und die Regulierung der traditionellen Banken allein das Systemrisiko nicht mehr einfangen kann. Der Bericht lässt kaum einen Zweifel: Die nächste Krise wird zeigen, ob die Aufsichtsregeln für Schattenbanken mit der real existierenden Verschuldung Schritt gehalten haben.