Ein entscheidender Punkt in Logans Analyse betrifft eine oft gestellte Frage: Wenn die USA über das Permian Basin, das größte Schieferölfeld der Welt, verfügen, kann die heimische Produktion dann nicht einfach hochgefahren werden? Logans Antwort ist ein klares Nein. Ihr Bezirk in Texas umfasst genau dieses Fördergebiet, und sie benennt die strukturellen Hindernisse:
In ihrer Analyse gipfelt dies in der ernüchternden Feststellung: „Die Welt wird wahrscheinlich einen Weg finden müssen, mit weniger Öl und Gas auszukommen.“
Die Warnung kommt nicht unvorbereitet. Bereits im März und April 2026 hat die Forschungsabteilung der Dallas Fed verschiedene Szenarien durchgerechnet.
Analyse vom 20. März 2026: In einer ersten Modellrechnung kam die Bank zu dem Ergebnis, dass eine bis Juni andauernde Schließung der Straße von Hormus das globale Wirtschaftswachstum im zweiten Quartal um annualisiert 2,9 Prozentpunkte drosseln würde. Grundlage der Rechnung ist die Tatsache, dass etwa ein Fünftel des globalen Ölhandels diesen Nadelöhr passiert .
Arbeitspapier von April und Mai 2026 (Dallas Fed WP 2609): Eine detailliertere Szenarioanalyse modellierte die möglichen Auswirkungen auf Ölpreis und Inflation im Detail:
| Dauer der Blockade | Höchststand WTI-Ölpreis | US-Gesamtinflation |
|---|---|---|
| 1 Quartal (bis Ende April) | Ca. 110 $/Barrel im April | Leichter Anstieg |
| 2 Quartale (bis Ende Juli) | Spitzenwert von ca. 132 $/Barrel im Juli | Nähert sich 4 % |
| 3 Quartale (bis Ende 2026) | Spitzenwert von ca. 167 $/Barrel | Mehr als 4 % zum Jahresende |
Die Autoren der Studie warnen eindringlich, dass eine langanhaltende Blockade die US-Inflationsrate auf über vier Prozent treiben könnte und die Kerninflation bereits nach nur fünf Wochen Unterbrechung wieder Anzeichen eines Anstiegs zeigte .
Logans Warnung ist Ausdruck einer rasanten Kehrtwende innerhalb der Federal Reserve, deren Handlungsspielraum durch die wirtschaftlichen Verwerfungen des Krieges massiv eingeschränkt wird.
Die Krise begann am 28. Februar 2026, als die USA und Israel eine Luftoffensive starteten und das geistliche Oberhaupt Irans, Ali Khamenei, töteten. Die iranischen Revolutionsgarden blockierten daraufhin die Straße von Hormus . Zwar gab es am 27. März eine teilweise Wiedereröffnung für bestimmte Schiffe, doch der kommerzielle Tankerverkehr liegt weiterhin weitgehend brach
.
Mitte Mai schätzte der diplomatische Berater der VAE, Anwar Gargash, die Chancen auf ein Abkommen zwischen den USA und dem Iran zur Wiedereröffnung der Meerenge auf „fifty-fifty“, was auf laufende, aber keineswegs erfolgssichere Verhandlungen hindeutet. Hinzu kommt eine militärische Pattsituation, die die Dauer der Blockade völlig ungewiss macht .
Global betrachtet ist die Lage dramatisch: Die Internationale Energieagentur (IEA) spricht von der „größten Angebotsstörung in der Geschichte des globalen Ölmarktes“, und auch rund ein Fünftel des globalen Flüssigerdgashandels ist von der Blockade betroffen .
Fazit: Logans Warnung ist die bislang deutlichste Anerkennung einer hochrangigen Fed-Vertreterin, dass die Weltwirtschaft mit einem physischen Energiemangel konfrontiert ist, den Geldpolitik allein nicht lösen kann. Wenn die Inflation weiter anzieht, könnten Zinserhöhungen – und nicht Senkungen – der nächste Schritt der Notenbank sein.