Das Passagieraufkommen wuchs um 4 Prozent auf 208 Millionen Fluggäste – eine durchaus beachtliche Zahl, denn Boeing-Lieferverzögerungen zwangen Ryanair im Laufe des Jahres mehrfach, die eigenen Kapazitätsziele nach unten zu korrigieren. Die hohe Nachfrage und gestiegene Ticketpreise glichen die fehlenden Flugzeuge finanziell zwar mehr als aus, aber das Verkehrswachstum wäre ohne die verspäteten Auslieferungen deutlich stärker ausgefallen .
Auf Basis der internationalen Rechnungslegungsstandards (IFRS) lag der konsolidierte Jahresüberschuss nach Rückstellungen von 85 Millionen Euro für eine italienische Kartellstrafe bei 2,17 Milliarden Euro .
Ryanairs Schuldenabbau war eine Geschichte konsequenter, intern finanzierter Rückzahlungen:
Während dieses gesamten Zeitraums stammten die Mittel ausschließlich aus den operativen Gewinnen, nie aus neuen Krediten. Die Nettoliquidität des Konzerns kletterte von 1,3 Milliarden Euro am Ende des Vorjahres auf 2,0 Milliarden Euro zum Bilanzstichtag im März 2026 . Hinzu kommt eine bis März 2030 verlängerte, ungenutzte revolvierende Kreditlinie über 1,1 Milliarden Euro als strategische Finanzreserve .
Zum Ende des Geschäftsjahres bestand Ryanairs Flotte aus 647 Flugzeugen – ein Zuwachs von 29 Maschinen im Vergleich zum Sommer 2025 . Der entscheidende Trumpf: 620 dieser Boeing 737 sind unbelastetes Eigentum der Airline, für das keinerlei Kreditsicherheiten bestellt wurden. Im Wettbewerbsumfeld, in dem die meisten Airlines ihre Jets über Leasing oder Hypotheken finanzieren, verschafft das Ryanair eine außergewöhnliche Flexibilität .
Besonders effizient sind die mittlerweile vollständig integrierten 210 Boeing 737-8200 „Gamechanger“, von denen sich die Iren 20 Prozent weniger Treibstoffverbrauch und vier Prozent mehr Sitzplatzkapazität pro Flugzeug versprechen .
Die wichtigsten Bilanzkennzahlen per 31. März 2026 auf einen Blick :
Schuldenfreiheit heißt für Ryanair-Chef Michael O’Leary und sein Team nicht, dass man jetzt auf die Bremse tritt. Als ein kurzfristiges Ziel hat das Management ausgegeben, die Bruttoliquidität wieder in Richtung 4 Milliarden Euro zu steigern und zugleich Investitionen wie Aktionärsrückflüsse aus eigener Kraft zu stemmen .
Die Wachstumspläne bleiben indes aggressiv:
Finanzchef Neil Sorahan hat bereits durchblicken lassen, dass der Konzern zur Finanzierung dieser Flottenoffensive in Zukunft auch wieder opportunistisch Anleihen platzieren dürfte . 300 Flugzeugneubestellungen ausschließlich aus Bordmitteln zu bezahlen, würde selbst diese starke Bilanz überstrapazieren. Zunächst aber, so betonte das Unternehmen, wolle man die anfallenden Ausgaben so lange wie möglich aus eigener Kraft decken .
Für Investoren ergibt sich ein klares Bild: Ein Investment-Grade-Bilanzprofil trifft auf eine beispiellose Expansionsoffensive. Die Flotte ist unbelastet, die Schuldenuhr steht bei Null – und der nächste Test wird sein, ob diese finanzielle Disziplin auch im Steigflug auf 300 Millionen Passagiere hält.