Trotz des im DMA vorgesehenen Zwölf-Monats-Zeitrahmens zieht sich das Verfahren seit fast zwei Jahren hin – ein Zeichen für die enorme Komplexität und Tragweite des Falls .
Anders als in früheren Kartellverfahren reichten die von Google angebotenen Zugeständnisse der EU-Kommission nicht aus. Das Unternehmen experimentierte Anfang 2024 kurzzeitig mit einer Rückkehr zu den klassischen „Blue Links" und entfernte in einem Testlauf die reichhaltigen Informationsboxen aus den Treffern . Die Kommission blieb jedoch unzufrieden.
Die Hauptkritikpunkte:
EU-Wettbewerbskommissarin Teresa Ribera gestand ein, dass die Verfahren komplex seien, setzte aber eine klare Ansage: „Es wird kommen."
Die geplante Strafe von voraussichtlich 700 bis 900 Millionen Euro wäre ein Novum in der noch jungen Geschichte des DMA. Das Regelwerk erlaubt Strafen von bis zu 10 Prozent des weltweiten Jahresumsatzes, im Wiederholungsfall sogar bis zu 20 Prozent . Zum Vergleich: In den ersten abgeschlossenen DMA-Verfahren musste Apple 500 Millionen Euro und Meta 200 Millionen Euro zahlen
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Diese neue Strafe ist jedoch nur die Spitze des Eisbergs. Sie reiht sich ein in eine Serie beispielloser EU-Kartellstrafen gegen den Suchmaschinengiganten:
Die zunehmende Härte der EU-Regulierung bleibt international nicht ohne Echo. Nach der Milliardenstrafe im September 2025 drohte die damalige US-Administration mit höheren Zöllen als Vergeltung für die vermeintliche Diskriminierung amerikanischer Technologieunternehmen . Die Durchsetzung des DMA entwickelt sich damit zunehmend zu einem Balanceakt zwischen Wettbewerbspolitik und transatlantischer Handelspolitik.
Unabhängig davon bereitet sich Google offenbar bereits auf tiefgreifende Änderungen vor. Das Unternehmen testet neue Suchmaschinen-Layouts, in denen konkurrierenden Vergleichsportalen mehr Platz eingeräumt werden soll – zunächst für Hotel- und Fluganfragen . Dieses präventive Manöver deutet darauf hin, dass der Konzern eine Entscheidung erwartet, die das Erscheinungsbild seiner Suchergebnisse in Europa fundamental verändern wird.
Für europäische Verbraucher, Verlage und Wettbewerber steht viel auf dem Spiel. Die Entscheidung der Kommission wird zeigen, ob das ambitionierte Versprechen des DMA – faire und bestreitbare digitale Märkte zu schaffen – im Angesicht der Macht von Big Tech Realität werden kann.