Ein Schwerpunkt der Gespräche war die Wirtschaft. Bereits im Februar 2026 hatten die USA und Indien einen Rahmen für ein Interimsabkommen über gegenseitigen Handel angekündigt. Dieses gilt als Zwischenschritt zu einem umfassenderen bilateralen Handelsvertrag.
Ziel des Rahmens ist es, den Marktzugang zu erweitern, Handelsbarrieren abzubauen und Lieferketten zwischen beiden Volkswirtschaften stärker zu verzahnen.
Ein zentraler Punkt betrifft die Zölle: Analysen gehen davon aus, dass US‑Gegenzölle auf bestimmte indische Exporte im Rahmen des Abkommens auf etwa 18 % sinken könnten – von zuvor rund 25 %. Einige Details der endgültigen Vereinbarung sind jedoch noch nicht vollständig veröffentlicht worden.
Rubio erklärte während seines Besuchs, beide Länder seien „kurz davor“, ein dauerhaftes Handelsabkommen abzuschließen – ein Hinweis darauf, dass die Verhandlungen weit fortgeschritten sind.
Auch die Energieversorgung spielte eine wichtige Rolle. Washington drängt Indien seit einiger Zeit, seine Energieimporte stärker zu diversifizieren und weniger russisches Öl zu kaufen.
Rubio warb bei seinen Gesprächen mit Modi für größere Importe von US‑Öl und Flüssiggas. Amerikanische Energieprodukte könnten helfen, Indiens Versorgung zu diversifizieren und geopolitische Risiken zu verringern, erklärte die US‑Seite.
Analysten sehen eine Verbindung zwischen dem Handelsrahmen und der Energiepolitik. Berichte über die Verhandlungen erwähnen mögliche große Käufe amerikanischer Energie‑ und Industriegüter durch Indien. Offizielle Bestätigungen zu genauen Mengen oder Zeitplänen sind allerdings bislang begrenzt.
Neben Energie und Zöllen ging es auch um Zusammenarbeit in Zukunftsindustrien. Laut offiziellen Zusammenfassungen der Gespräche standen unter anderem folgende Themen auf der Agenda:
Diese Bereiche gelten als zentral für die strategische Zusammenarbeit beider Länder, insbesondere angesichts globaler Konkurrenz um Technologie und Rohstoffe.
Ein besonders sensibles Thema waren Änderungen in der US‑Einwanderungspolitik.
Indische Regierungsvertreter erklärten gegenüber Rubio, neue Visa‑ und Aufenthaltsregeln erschwerten legitimen Reisenden – darunter Fachkräfte und Studierende – den Zugang zu den USA. Außenminister Jaishankar betonte, Maßnahmen gegen illegale Migration dürften die legale Mobilität zwischen beiden Ländern nicht beeinträchtigen.
Das Thema hat großes Gewicht, weil indische Fachkräfte – besonders in der IT‑Branche – zu den größten Gruppen gehören, die US‑Programme für hochqualifizierte Arbeitskräfte nutzen oder eine dauerhafte Aufenthaltserlaubnis anstreben.
Rubio entgegnete, die Reformen seien Teil einer allgemeinen Modernisierung des US‑Einwanderungssystems und nicht speziell gegen Indien gerichtet. Dennoch bleibt die Frage politisch sensibel.
Auch die strategische Lage in Asien beeinflusst die Beziehungen.
In Neu‑Delhi wird aufmerksam verfolgt, dass Washington gleichzeitig diplomatische Kontakte zu China und Pakistan pflegt – beides wichtige Rivalen Indiens. Beobachter sehen Rubios Reise daher auch als Versuch, Indien zu versichern, dass die USA das Land weiterhin als Schlüsselpartner betrachten.
Für Indien geht es dabei weniger um einzelne Entscheidungen als um eine langfristige Frage: Wird Washington Indien dauerhaft als zentralen Partner im strategischen Wettbewerb mit China im Indopazifik behandeln?
Ein weiteres Thema war die Sicherheitslage im Nahen Osten.
Rubio informierte die indische Führung über diplomatische Bemühungen der USA gegenüber Iran und deutete an, dass möglicherweise bald Fortschritte oder eine Vereinbarung angekündigt werden könnten. Berichten zufolge könnten diese Gespräche auch eine Wiederöffnung der Straße von Hormus betreffen – eine der wichtigsten Handelsrouten für Öl weltweit.
Für Indien ist das besonders relevant, da das Land zu den größten Energieimporteuren der Welt gehört. Rubio betonte, die USA würden nicht zulassen, dass Iran den globalen Energiemarkt destabilisiert.
Der Besuch machte deutlich: Die Beziehungen zwischen den USA und Indien bleiben strategisch wichtig – befinden sich aber in einer Phase der Neuverhandlung.
Handelsgespräche, Energiepartnerschaften und technologische Zusammenarbeit stärken die wirtschaftliche Basis der Beziehung. Gleichzeitig stellen Visa‑streitigkeiten, Zollfragen und geopolitische Unsicherheiten weiterhin eine Belastungsprobe für das gegenseitige Vertrauen dar.
Derzeit setzen beide Regierungen darauf, die Partnerschaft durch wirtschaftliche Kooperation zu stabilisieren – während politische Differenzen Schritt für Schritt geklärt werden.