Dadurch verändert sich die Logik des Krieges: Statt ausschließlich entlang klarer Frontlinien zu kämpfen, können Angriffe heute weit hinter den Linien erfolgen. Städte und logistische Knotenpunkte sind dadurch stärker gefährdet als in früheren Phasen des Konflikts.
Der wachsende Drohneneinsatz spiegelt auch die zunehmende Einbindung ausländischer Akteure wider. Laut einem Länderbericht der EU‑Asylagentur begann Iran nach der Wiederaufnahme diplomatischer Beziehungen 2023, Drohnen wie Mohajer‑6 und Ababil an die sudanesische Armee zu liefern.
Analysen und Untersuchungen verschiedener Organisationen deuten zudem darauf hin, dass die Vereinigten Arabischen Emirate als wichtigster externer Unterstützer der RSF gelten, wobei ihnen unter anderem Lieferungen moderner Waffensysteme und Drohnentechnologie vorgeworfen werden.
Auch Türkische Drohnensysteme vom Typ Bayraktar werden mit der militärischen Kapazität der sudanesischen Armee in Verbindung gebracht, wenngleich direkte Lieferungen teilweise bestritten werden.
Die technologische Eskalation zeigt sich auch in ungewöhnlichen Zwischenfällen. Medienberichte und militärische Quellen meldeten kürzlich, dass Sudans Armee eine Bayraktar‑Akıncı‑Kampfdrohne nahe der äthiopischen Grenze abgeschossen habe – möglicherweise sogar mit einer eigenen Drohne desselben Typs.
Diese Angaben beruhen jedoch weitgehend auf Aussagen des sudanesischen Militärs und anschließender Berichterstattung. Eine unabhängige Bestätigung gilt bislang als begrenzt, weshalb der Vorfall als berichtetes, aber nicht vollständig verifiziertes Ereignis betrachtet wird.
Der Einsatz von Drohnen hat auch diplomatische Spannungen verschärft. Sudans Armee beschuldigte Äthiopien und die Vereinigten Arabischen Emirate, an einem Drohnenangriff auf den Flughafen von Khartum beteiligt gewesen zu sein. Äthiopien wies diese Vorwürfe zurück.
Unabhängig davon, ob diese Anschuldigungen zutreffen, zeigen sie, wie der Konflikt zunehmend in regionale Rivalitäten und geopolitische Interessen eingebettet wird.
Der Bürgerkrieg begann im April 2023 und ist inzwischen in sein viertes Jahr gegangen. Die Vereinten Nationen sprechen von der größten humanitären Krise und Vertreibungskrise der Welt. Millionen Menschen sind auf der Flucht, und rund 14 Millionen wurden bereits vertrieben.
Viele Rückkehrer finden ihre Heimatorte zerstört vor, während Hunger, zerstörte Infrastruktur und anhaltende Gewalt das Überleben erschweren.
Strategisch verändern Drohnen den Krieg in mehreren Punkten zugleich: Sie senken die Kosten für Angriffe über große Distanzen, erlauben externen Unterstützern eine indirekte Beteiligung und machen zivile Räume deutlich verwundbarer.
Sie ersetzen jedoch nicht die bisherigen Muster des Konflikts – Belagerungen, ethnische Gewalt und Hunger bleiben zentrale Elemente. Stattdessen verstärken Drohnen diese Dynamiken und machen einen ohnehin brutalen Krieg noch gefährlicher für die Zivilbevölkerung.