Die Idee hinter dieser Vermutung stammt aus Beispielen mit Gitteranordnungen. Wenn Punkte etwa auf einem quadratischen Gitter liegen, entstehen viele horizontale und vertikale Nachbarn mit Abstand 1. Solche Konstruktionen liefern bereits leicht mehr als eine lineare Anzahl von Einheitsabständen.
Erdős vermutete daher, dass diese Größenordnung im Wesentlichen optimal ist.
Bis heute kennt man nur Grenzen (Bounds) für das Problem – keine exakte Lösung.
Die wichtigste obere Schranke wurde 1984 von Joel Spencer, Endre Szemerédi und William T. Trotter bewiesen. Sie zeigten, dass die maximale Zahl der Einheitsabstände höchstens
(O(n^{4/3}))
beträgt.
Gleichzeitig liefern Gitterkonstruktionen eine untere Schranke von ungefähr
(n^{1 + O(1/\log\log n)}).
Damit ergibt sich die heutige Situation:
untere Schranke: n^(1 + O(1/log log n))
obere Schranke: O(n^(4/3))
Vermutung: n^(1+o(1))
Zwischen oberer und unterer Schranke besteht also noch eine deutliche Lücke.
Das Einheitsabstandsproblem verbindet mehrere mathematische Bereiche:
Viele Methoden der modernen Geometrie und Kombinatorik wurden entwickelt oder verfeinert, um Fortschritte bei solchen Distanzproblemen zu erzielen. Trotzdem hat sich die grundlegende Schranke seit dem Ergebnis von 1984 kaum verbessert.
Bis heute gilt:
Damit gehört das Erdős‑Einheitsabstandsproblem weiterhin zu den klassischen offenen Fragen der diskreten Geometrie.
Kurz gesagt: Eine extrem einfache geometrische Frage – wie oft der Abstand 1 unter vielen Punkten vorkommen kann – beschäftigt Mathematiker seit fast 80 Jahren und ist bis heute ungelöst.