Ein zentraler Diskussionspunkt betrifft die Beschaffungspolitik der europäischen Autoindustrie. Nach Medienberichten erwägt die EU-Kommission Regeln, die Hersteller in bestimmten Fällen verpflichten könnten, Halbleiter von mindestens zwei verschiedenen Lieferanten zu beziehen.
Der Hintergrund: Die Autoindustrie ist besonders anfällig für Chipengpässe. Moderne Fahrzeuge enthalten Hunderte bis Tausende Halbleiter – von Steuergeräten bis zu Sensoren. Wenn nur ein einzelner Zulieferer ausfällt, können ganze Produktionslinien stillstehen.
Die geplanten Maßnahmen würden daher stärker auf Risikomanagement statt reine Kostenoptimierung setzen. Unternehmen müssten bei ihrer Beschaffungsstrategie künftig auch die Resilienz der Lieferkette berücksichtigen.
Ein wichtiger Auslöser der aktuellen Debatte war die sogenannte Nexperia‑Krise im Jahr 2025. Der niederländische Chiphersteller Nexperia – mit Verbindungen zum chinesischen Konzern Wingtech – geriet ins Zentrum eines geopolitischen Konflikts.
Die Krise machte deutlich, dass selbst relativ einfache, ältere Chips (z. B. in Fahrzeugsteuerungen) zu kritischen Engpässen werden können. Branchenanalysen zeigten zudem, dass viele Hersteller stark von einzelnen Lieferanten abhängig waren.
Der kommende Gesetzesvorschlag ist noch nicht final, aber mehrere Maßnahmen werden derzeit diskutiert:
1. Regeln für widerstandsfähige Lieferketten
Unternehmen – besonders in kritischen Branchen wie der Automobilindustrie – könnten verpflichtet werden, Risiken in ihren Halbleiter-Lieferketten zu analysieren und mehrere Bezugsquellen einzuplanen.
2. Fortsetzung und Erweiterung von Subventionen
Wie schon beim ersten Chips Act könnte öffentliche Förderung an Bedingungen geknüpft werden, etwa an Investitionen in Produktionskapazitäten innerhalb Europas oder an Projekte, die die Versorgungssicherheit erhöhen.
3. Stärkere europäische Finanzierung
In der industriepolitischen Debatte wird zudem über einen größeren gemeinsamen EU‑Finanzierungsmechanismus für strategische Halbleiterprojekte diskutiert, um Investitionen schneller zu mobilisieren.
4. Ausbau der gesamten Wertschöpfungskette
Neben Fabriken („fabs“) geht es auch um Design, Forschung, Verpackung und Integration von Chips – Bereiche, in denen Europa seine Stärken ausbauen will.
Der Chips Act II wäre Teil einer langfristigen europäischen Strategie für technologische Souveränität. Ziel ist nicht vollständige Selbstversorgung, sondern ein System, das weniger anfällig für geopolitische Spannungen und Lieferketten-Schocks ist.
Halbleiter gelten dabei als Schlüsseltechnologie für zahlreiche Branchen – von Autos und Telekommunikation bis hin zu KI, Energie und Verteidigung.
Wichtig: Der Chips Act II ist bislang nur eine geplante Initiative. Die Europäische Kommission hat nach einer öffentlichen Konsultation angekündigt, einen Vorschlag im Jahr 2026 vorzulegen.
Welche Maßnahmen tatsächlich Gesetz werden – etwa verpflichtende Mehrlieferanten‑Strategien für Autobauer – entscheidet sich erst im weiteren EU‑Gesetzgebungsverfahren mit Parlament und Mitgliedstaaten.
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