Wood Mackenzie skizziert ein noch drastischeres Szenario: In einem schweren Störungsfall könnten mehr als 11 Millionen Barrel pro Tag an Rohöl‑ und Kondensatlieferungen aus dem Golf ausfallen. In der extremen Variante könnten die Ölpreise bis auf etwa 200 Dollar pro Barrel steigen.
Ein solcher Preissprung würde sich weltweit auf Transportkosten, industrielle Produktion und sogar Lebensmittelpreise auswirken.
Wood Mackenzie beschreibt drei mögliche Szenarien – abhängig davon, wie schnell diplomatische Lösungen gefunden werden und der Schiffsverkehr wieder aufgenommen wird.
1. Schnelle Entspannung (Quick Peace)
Eine diplomatische Einigung ermöglicht die rasche Wiederöffnung der Route. Ölpreise fallen wieder und die Weltwirtschaft kehrt relativ schnell zu ihrem vorherigen Wachstumspfad zurück.
2. Einigung im Spätsommer (Summer Settlement)
Die Verhandlungen ziehen sich über Monate hin. Die Meerenge bleibt bis in den Spätsommer weitgehend blockiert. Energiepreise bleiben hoch und das globale Wachstum schwächt sich deutlich ab.
3. Langfristige Störung (Extended Disruption)
Die Krise dauert deutlich länger an. Das Angebot bleibt dauerhaft knapp, Ölpreise könnten sich der Marke von 200 Dollar pro Barrel nähern – mit erheblichen Rezessionsrisiken für viele Volkswirtschaften.
Die Straße von Hormus ist nicht nur für Öl entscheidend, sondern auch für den globalen LNG‑Handel. Besonders Katar exportiert große Mengen Flüssiggas über diese Route.
Wenn diese Lieferungen ausfallen, reagieren Gas- und Strommärkte sofort. Daten der US‑Energiebehörde EIA zeigen, dass nach Beginn der Störung der europäische Referenzpreis für LNG auf etwa 14,80 Dollar pro MMBtu stieg – rund 35 % höher als zuvor.
In Asien stiegen die Preise noch stärker, weil viele Länder dort stark von LNG‑Importen aus dem Nahen Osten abhängig sind.
Der Effekt setzt sich entlang der gesamten Wirtschaft fort: teureres Gas bedeutet höhere Strompreise, höhere Produktionskosten und letztlich steigende Preise für Verbraucher.
Große Ölpreisschocks wirken meist in zwei Richtungen gleichzeitig: Sie treiben die Inflation nach oben und bremsen das Wirtschaftswachstum.
Steigende Energiekosten treffen praktisch jede Branche:
Bleiben Energiepreise länger hoch, geraten auch Zentralbanken unter Druck: Sie müssen Inflation bekämpfen, ohne das Wirtschaftswachstum zu stark zu bremsen. Genau deshalb warnen Analysten, dass eine längere Blockade der Straße von Hormus die Weltwirtschaft in eine Krise ähnlich der von 2008 treiben könnte.
Selbst bevor physische Lieferengpässe vollständig sichtbar werden, können steigende Transportkosten die Energiepreise weiter erhöhen.
Versicherer haben große Teile des Persischen Golfs als Hochrisikogebiet eingestuft. Dadurch steigen Kriegsrisiko‑Versicherungsprämien, und es wird schwieriger, Schiffe für Fahrten durch die Region zu versichern.
Die Prämien sind in manchen Fällen von unter 1 % des Schiffswertes auf etwa 1 % bis 7,5 % gestiegen – was Millionen Dollar zusätzliche Kosten pro Tankerfahrt bedeuten kann.
Das schreckt Reedereien ab und verteuert die Energie, die schließlich bei Importländern ankommt.
Die Auswirkungen einer längeren Blockade wären regional unterschiedlich:
Selbst ölreiche Golfstaaten könnten wirtschaftlich leiden, wenn ihre Exporte blockiert bleiben – trotz steigender Weltmarktpreise.
Die Straße von Hormus bleibt eines der empfindlichsten Energie‑Nadelöhre der Weltwirtschaft. Eine längere Schließung würde Millionen Barrel Öl und große LNG‑Mengen vom Markt nehmen, Preise in die Höhe treiben und Transportkosten erhöhen. Ölpreise im Bereich von 130 bis 200 Dollar pro Barrel gelten in solchen Szenarien als möglich.
Sollte die Störung über Monate anhalten, warnen Analysten vor einem Inflationsschock und einer weltweiten Konjunkturabschwächung – möglicherweise in einer Größenordnung, die an die globale Finanzkrise von 2008 erinnert.
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