Doch nach dem Treffen gab es lediglich neue Vereinbarungen zur allgemeinen Zusammenarbeit und symbolische Signale strategischer Partnerschaft. Eine endgültige Vereinbarung zur Pipeline wurde nicht angekündigt.
Für Russland wäre das Projekt von enormer Bedeutung. Seit der Invasion der Ukraine im Jahr 2022 und den darauffolgenden westlichen Sanktionen ist ein großer Teil des europäischen Gasmarkts weggebrochen. Moskau versucht deshalb, seine Energieexporte stärker nach Asien umzulenken.
Der Kreml argumentierte zudem, geopolitische Risiken – etwa Spannungen rund um wichtige Schifffahrtsrouten wie die Straße von Hormus – würden sichere Pipeline‑Lieferungen über Land attraktiver machen. Doch diese Argumente überzeugten China bislang nicht.
Das größte Hindernis bleibt der Preis.
China soll Berichten zufolge deutlich niedrigere Gaspreise verlangen, ähnlich denen, die Russland auf seinem Binnenmarkt oder bestimmten Exportpartnern gewährt. Russland hingegen braucht höhere Einnahmen, um die Milliardenkosten der Pipeline zu rechtfertigen und Einnahmeverluste aus Europa zu kompensieren.
Solange sich beide Seiten nicht auf langfristige Preis‑ und Lieferbedingungen einigen, bleiben die Verhandlungen festgefahren.
Ein weiteres Problem ist die Struktur solcher Pipeline‑Deals.
Großprojekte wie „Power of Siberia 2“ bedeuten in der Regel Lieferverträge über mehrere Jahrzehnte. Seit Beginn des Ukrainekriegs ist China jedoch vorsichtig geworden, wenn es um neue langfristige Energieverträge mit Russland oder große Investitionen in russische Energieprojekte geht.
Aus Sicht Pekings könnte ein langfristiger Vertrag riskant sein: Sollte sich der Energiebedarf verändern oder sollten Gaspreise weltweit sinken, wäre China an eine feste Infrastruktur und Liefermenge gebunden.
Ein Grund für Pekings Gelassenheit ist seine zunehmend diversifizierte Energiepolitik.
China importiert Gas bereits aus mehreren Regionen, baut seine eigene Produktion aus und kauft große Mengen Flüssiggas (LNG) auf dem Weltmarkt. Gleichzeitig wird weltweit in den kommenden Jahren ein deutlicher Ausbau der LNG‑Kapazitäten erwartet – was das Angebot erhöht und Preise unter Druck setzen könnte.
Parallel dazu treibt China den Ausbau erneuerbarer Energien massiv voran. Wind- und Solarenergie stellen inzwischen den Großteil neuer Stromkapazitäten im Land dar, mit Hunderten Gigawatt zusätzlicher Leistung in den letzten Jahren.
Diese Entwicklung verringert den Druck, sich langfristig an ein weiteres großes fossiles Importprojekt zu binden – es sei denn, die Konditionen sind besonders günstig.
Dass die Pipeline weiterhin blockiert ist, bedeutet jedoch nicht, dass sich die wirtschaftlichen Beziehungen zwischen China und Russland verschlechtern.
Im Gegenteil: Der bilaterale Handel wächst weiter. Im ersten Quartal 2026 stieg das Handelsvolumen um 14,8 % gegenüber dem Vorjahr auf über 61 Milliarden US‑Dollar.
Russland bleibt zudem ein wichtiger Lieferant von Rohöl und anderen Energierohstoffen für China, häufig zu Preisnachlässen – ein Faktor, der die wirtschaftlichen Verbindungen trotz westlicher Sanktionen stabil hält.
Die stockenden Verhandlungen verdeutlichen ein ungleiches Kräfteverhältnis in der Partnerschaft.
Russland benötigt dringend neue Absatzmärkte und Infrastruktur für seine Energieexporte. China dagegen verfügt über mehrere Versorgungsoptionen und ein Energiesystem im Wandel.
Das erlaubt Peking, pragmatisch zu verhandeln: Russland liefert Energie, wenn der Preis stimmt – doch bei strategischen Großprojekten akzeptiert China nur Bedingungen, die zu seiner langfristigen Energie‑ und Wirtschaftspolitik passen.
Der Gipfel in Peking bestätigte also zwei Dinge gleichzeitig: Die politische Nähe zwischen China und Russland bleibt bestehen. Doch wenn es um ein Projekt im Wert von mehr als 50 Milliarden Dollar und jahrzehntelange Gaslieferungen geht, zählt für China letztlich die wirtschaftliche Rechnung mehr als geopolitische Symbolik.
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