Bei einem Treffen in Hanoi am 20. Mai 2026 begrüßte Vietnams Premierminister Lê Minh Hưng die bisherigen Fortschritte der Gespräche. Anlass war der Besuch von Rick Switzer, stellvertretender Handelsbeauftragter der USA (Deputy U.S. Trade Representative), der zu Arbeitsgesprächen in Vietnam war.
Die vietnamesische Regierung erklärte anschließend, man werde eng mit den Vereinigten Staaten zusammenarbeiten, um die Verhandlungen über den bilateralen Handelsvertrag abzuschließen. Ziel ist es, wirtschaftliche Beziehungen zu vertiefen und gleichzeitig Fragen zu Handelsungleichgewichten sowie zum Marktzugang zu klären.
Mehrere Verhandlungsrunden behandelten bereits Themen wie Dienstleistungen, Landwirtschaft, digitalen Handel sowie technische Handelshemmnisse.
Premierminister Hưng betonte während des Treffens, dass Vietnam und die USA wirtschaftlich eher komplementär als konkurrierend seien. Eine stärkere Integration im Handel könne daher für beide Seiten Vorteile bringen.
Zugleich ging er auf Kritikpunkte ein, die in internationalen Handelsdebatten gelegentlich gegenüber Vietnam geäußert werden. So unterstrich er, dass vietnamesische Unternehmen nach marktwirtschaftlichen Prinzipien arbeiten.
Ein weiteres sensibles Thema ist die Diskussion über Überproduktion in einigen Industrien. Hưng stellte klar, dass Vietnam keine Politik verfolgt, gezielt Überkapazitäten aufzubauen.
Darüber hinaus signalisierte Vietnam Bereitschaft, auf häufige Anliegen der USA einzugehen, darunter:
Solche Punkte sind heute fester Bestandteil moderner Handelsabkommen und beeinflussen häufig den Marktzugang sowie regulatorische Standards.
Der stellvertretende US‑Handelsbeauftragte Rick Switzer erklärte laut vietnamesischen Angaben, dass Washington die Zusammenarbeit fortsetzen wolle, um die wirtschaftlichen Beziehungen zu vertiefen und die Verhandlungen erfolgreich abzuschließen.
Beide Seiten stellten die Gespräche in den Kontext der sich entwickelnden strategischen Partnerschaft zwischen Vietnam und den Vereinigten Staaten.
Die aktuellen Gespräche gehen direkt auf das am 26. Oktober 2025 angekündigte Rahmenwerk für ein Abkommen über „gegenseitigen, fairen und ausgewogenen Handel“ zurück.
Dieses Rahmenabkommen sollte:
Einige Analysen des Rahmens deuteten darauf hin, dass die USA reziproke Zölle von etwa 20 % auf bestimmte vietnamesische Waren beibehalten könnten, während einzelne Produkte niedrigere Sätze oder Ausnahmen erhalten.
Der aktuelle Verhandlungsprozess hängt auch mit früheren US‑Plänen für Zölle auf vietnamesische Exporte zusammen. Diese hatten zusätzliche Gespräche ausgelöst, um eine Eskalation zu verhindern und die Handelsbeziehungen zu stabilisieren.
Für Vietnam steht dabei viel auf dem Spiel: Die Vereinigten Staaten sind der wichtigste Exportmarkt des Landes. Entsprechend versucht Hanoi, einen Kompromiss zu finden, der den Zugang zum US‑Markt sichert und zugleich amerikanische Bedenken zu Handelspraktiken und Lieferkettenstandards adressiert.
Trotz der gemeldeten Fortschritte sind die endgültigen Bedingungen des Handelsabkommens noch nicht abgeschlossen. Beide Regierungen erklärten, die Gespräche würden fortgesetzt.
Kommt es zu einer Einigung, wäre das ein weiterer wichtiger Schritt in der wirtschaftlichen Beziehung zwischen den beiden Ländern – die bereits mit dem bilateralen Handelsabkommen von 2000, das 2001 in Kraft trat, deutlich vertieft wurde.
Für Unternehmen auf beiden Seiten des Pazifiks könnten die Ergebnisse künftig entscheidend sein: Sie bestimmen, welche Zölle gelten, wie Märkte geöffnet werden und welche Regeln für Handel und Investitionen zwischen zwei der wirtschaftlich eng verbundenen Partner im Indopazifik gelten.