Seine These basiert im Kern auf drei Entwicklungen: leistungsfähigere Tools, gemeinschaftliches Investieren und neue Marktereignisse, die zeigen, dass Retail‑Trader mittlerweile echten Einfluss haben.
Traditionell galten institutionelle Investoren als „Smart Money“, weil sie über umfangreiche Research‑Teams, komplexe Analytik und große Kapitalpools verfügen. Privatanleger handeln dagegen meist mit kleineren Konten und weniger Informationen.
Dieses Ungleichgewicht führte zum verbreiteten Klischee, dass Kleinanleger häufig spät in steigende Märkte einsteigen und in Abschwüngen panisch verkaufen – ein Verhalten, das professionelle Investoren ausnutzen können.
Assia meint jedoch, dass Technologie diese Lücke zunehmend schließt.
Laut Assia ermöglicht künstliche Intelligenz Privatanlegern Zugriff auf Analysen und Wissen, die früher nur institutionellen Häusern vorbehalten waren. KI‑Systeme können große Mengen an Finanzdaten, Research‑Berichten und historischen Strategien analysieren und daraus verwertbare Erkenntnisse generieren – direkt in Apps für einzelne Anleger.
Assia formuliert das provokant: Privatanleger sollten nicht länger als „Dumb Money“ gelten. Mit KI könnten sie sogar „das klügste Geld im Markt“ werden.
Die Idee dahinter: KI komprimiert Expertise. Statt eines ganzen Analystenteams kann ein einzelner Investor auf automatisierte Analysen und datengetriebene Empfehlungen zugreifen.
Assias Argument ist nicht nur theoretisch. eToro hat in den letzten Jahren mehrere Funktionen eingeführt, die Investieren stärker datengetrieben und gemeinschaftlich machen sollen.
Eine der bekanntesten Funktionen ist CopyTrader. Damit können Nutzer automatisch die Trades anderer, erfolgreicher Anleger auf der Plattform spiegeln.
Investieren wird dadurch stärker zu einem sozialen Prozess: Nutzer beobachten Strategien anderer, folgen Top‑Performern und lernen aus der Community.
Assia beschreibt das als Wandel vom isolierten Trading hin zu einer gemeinsamen Investitionserfahrung, bei der Anleger voneinander lernen.
Mit Smart Portfolios bündelt eToro mehrere Vermögenswerte in thematische oder strategiebasierte Portfolios. Diese können etwa bestimmte Branchen, Anlageklassen oder Handelsstrategien abbilden.
Der Vorteil: Anleger erhalten diversifizierte Exposure, ohne jede Position einzeln managen zu müssen.
Ein weiterer Schritt ist die Einführung öffentlicher APIs, über die Entwickler direkt auf die Infrastruktur der Plattform zugreifen können.
Damit lassen sich zum Beispiel bauen:
Die Vision: ein Ökosystem, in dem Anleger Tools entwickeln und mit der Community teilen.
Parallel baut eToro seine KI‑Funktionen aus. Dazu gehören:
Die Idee dahinter: Fähigkeiten wie algorithmische Strategien oder datengetriebene Analysen – lange ein Markenzeichen quantitativer Hedgefonds – sollen auch Privatanlegern zugänglich werden.
Besonders sichtbar wurde die neue Macht von Retail‑Investoren während des Meme‑Stock‑Booms 2021, als Online‑Communities massive Kursanstiege bei Aktien wie GameStop auslösten.
Diese Episode zeigte zwei Dinge zugleich:
Laut einer Analyse unter Berufung auf Daten der US‑Notenbank investierten Retail‑Trader während des Meme‑Stock‑Hypes etwa 1,2 Billionen US‑Dollar in US‑Aktien. Viele sahen jedoch später 40–60 % ihrer Gewinne bis 2022 verschwinden.
Damit liefert das Ereignis Argumente für beide Seiten der Debatte: Retail‑Trader haben Einfluss – aber nicht immer nachhaltigen Erfolg.
Assia glaubt, dass Investieren langfristig eher einem vernetzten System als einer Sammlung einzelner Trader ähneln wird.
In diesem Modell:
Zusammen könnte daraus eine Art kollektive Marktintelligenz entstehen, die auf Daten, Netzwerken und gemeinschaftlicher Analyse basiert.
Auch wenn sich der technologische Abstand verringert, gibt es bislang wenig Belege dafür, dass Privatanleger dauerhaft besser abschneiden als professionelle Fonds.
Episoden wie der Meme‑Stock‑Boom zeigen zwar die Marktmacht koordinierter Retail‑Trader, aber auch die Risiken von Crowd‑getriebenem Handel.
Assias These ist daher weniger eine Garantie für höhere Renditen als ein Hinweis auf neue Fähigkeiten: Durch KI‑Tools, APIs und Social‑Trading‑Netzwerke verfügen Privatanleger heute über Analyse‑ und Strategie‑Werkzeuge, die früher fast ausschließlich an der Wall Street zu finden waren.
Ob daraus tatsächlich dauerhaft neues „Smart Money“ entsteht, gehört zu den spannendsten offenen Fragen der modernen Finanzmärkte.