Der Microsoft Marketplace ist ein zentraler Marktplatz für Cloud‑Software, über den Unternehmen Anwendungen finden, kaufen und direkt in ihre bestehende Infrastruktur integrieren können.
Wenn Versicherer Software über diesen Kanal beziehen, lässt sie sich häufig über das gleiche Azure‑Portal verwalten, das bereits für andere Cloud‑Dienste genutzt wird. Berechtigungen, Abrechnung und Governance‑Regeln bleiben dabei in derselben Umgebung organisiert.
Für stark regulierte Branchen wie die Versicherungswirtschaft hat das mehrere praktische Vorteile:
Das reduziert organisatorische Reibung und beschleunigt typischerweise die Einführung neuer Softwarelösungen.
Sixfold entwickelt KI‑Software speziell für Underwriting‑Prozesse in der Versicherungsbranche – sowohl für Sach‑ und Haftpflichtversicherungen als auch für Lebens‑ und Krankenversicherungen.
Die Plattform verarbeitet sogenannte Underwriting‑Submissions, also umfangreiche Dokumentenpakete, die Makler an Versicherer senden, wenn sie ein Risiko zur Bewertung einreichen. Mithilfe generativer KI werden diese Unterlagen analysiert, relevante Informationen extrahiert und für Underwriter zusammengefasst.
Typische Funktionen der Plattform sind:
Damit fungiert die Software im Alltag als eine zusätzliche KI‑Schicht über bestehenden Underwriting‑Workflows.
Sixfold positioniert seine Plattform nicht nur als Tool zur Dokumentenanalyse. Das Unternehmen beschreibt das System als eine Art „AI Brain“ für das Underwriting, das einen Teil der operativen Arbeit übernehmen kann.
Eine neue Funktion namens „Institutional Intelligence“ soll beispielsweise Wissen aus vergangenen Entscheidungen sammeln und organisationweit nutzbar machen. Dabei werden Underwriting‑Entscheidungen mit späteren Ergebnissen – etwa Policenabschluss oder Schadenentwicklung – verknüpft.
So entsteht ein kontinuierlich wachsender Wissenslayer, der zukünftige Entscheidungen unterstützen soll. Der Ansatz verschiebt KI im Underwriting von reiner Automatisierung hin zu agentenähnlichen Systemen, die Aufgaben priorisieren und Entscheidungsprozesse unterstützen.
Der Anbieter nennt mehrere Leistungskennzahlen aus bisherigen Einsätzen seiner Technologie. Dabei handelt es sich um unternehmenseigene Angaben, nicht um unabhängig geprüfte Studien.
Genannt werden unter anderem:
Das wirtschaftliche Ziel solcher Systeme ist klar: schnellere Entscheidungen bei gleichbleibender oder besserer Risikoselektion.
Laut öffentlichen Angaben von Sixfold zählen Versicherer wie Zurich, AXIS, Generali und Skyward zu den Unternehmen, die die Plattform einsetzen oder getestet haben.
Nach Unternehmensangaben wurden bereits mehr als eine Million Underwriting‑Submissions über über 40 Versicherungssparten hinweg verarbeitet.
Aus öffentlich verfügbaren Quellen geht allerdings nicht eindeutig hervor, in welchem Umfang einzelne Versicherer die Plattform produktiv einsetzen oder in welchen Geschäftsbereichen sie integriert ist.
Der Marketplace‑Launch erfolgt parallel zu weiteren Expansionsschritten des Unternehmens.
Anfang 2026 sammelte Sixfold 30 Millionen US‑Dollar in einer Series‑B‑Finanzierungsrunde, um seine KI‑Underwriting‑Plattform weiterzuentwickeln und international stärker zu verbreiten.
Außerdem arbeitet das Unternehmen mit INFORCE, einem Integrations‑ und Transformationspartner für Versicherungs‑IT. Ziel der Kooperation ist es, Sixfold‑Technologie in Modernisierungsprojekte bei Versicherern einzubauen und Underwriting‑Prozesse stärker zu automatisieren.
Sixfolds Schritt passt in eine breitere Entwicklung im Unternehmenssoftware‑Markt: den Aufstieg sogenannter agentischer KI‑Systeme. Dabei handelt es sich um Software, die nicht nur Informationen generiert, sondern konkrete Aufgaben innerhalb von Geschäftsprozessen ausführt.
Prognosen zufolge könnten bis Ende 2026 rund 40 % der Unternehmensanwendungen KI‑Agenten enthalten, gegenüber weniger als 5 % im Jahr 2025.
In der Versicherungsbranche zeigt sich dieser Trend besonders in Bereichen wie Underwriting, Schadenbearbeitung und Betrugserkennung – also überall dort, wo große Mengen strukturierter Entscheidungen getroffen werden müssen.
Die Aufnahme von Sixfold in den Microsoft Marketplace verändert vor allem den Weg zur Einführung solcher Technologien. Versicherer können die Plattform nun innerhalb ihrer bestehenden Azure‑Strukturen entdecken, beschaffen und implementieren.
Gleichzeitig zeigt die Entwicklung, wohin sich Versicherungssoftware bewegt: KI wird zunehmend direkt in operative Entscheidungsprozesse eingebettet. Ob die versprochenen Produktivitätsgewinne tatsächlich erreicht werden, hängt letztlich von Datenqualität, Integration und realem Einsatz im Underwriting ab – doch die Richtung ist klar: mehr KI im Kern der Versicherungsentscheidungen.