Ihr Argument: Wenn bei einem potenziell schweren Virus noch Unsicherheit über den Übertragungsweg besteht, sollte das Vorsorgeprinzip gelten – also stärkere Schutzmaßnahmen, bevor ein Risiko endgültig bewiesen ist.
Kritiker sagen, die öffentliche Linie der WHO betone stark, dass das Risiko für die Allgemeinbevölkerung „niedrig“ oder „minimal“ sei und Übertragungen hauptsächlich engen Kontakt erfordern. Wissenschaftler warnen jedoch, dass eine zu beruhigende Botschaft dazu führen könne, mögliche Übertragungsketten zu übersehen .
Beweise für eine klare Aerosolübertragung gibt es bisher nicht. Dennoch sehen einige Forscher Gründe, diese Möglichkeit ernst zu prüfen:
Allerdings betonen Gesundheitsbehörden weiterhin, dass keine Hinweise auf eine größere Ausbreitung vorliegen und das Risiko für die allgemeine Bevölkerung derzeit als niedrig gilt .
Ein weiterer Kritikpunkt betrifft die Diskrepanz zwischen der öffentlichen Botschaft der WHO und den praktischen Empfehlungen im Hintergrund.
Öffentlich erklärte die WHO mehrfach, dass das globale Gesundheitsrisiko niedrig sei und die Gefahr hauptsächlich für Passagiere und Crew bestehe . Sprecher bezeichneten das Risiko für die Allgemeinheit sogar als „absolut niedrig“
.
Parallel dazu existieren jedoch umfangreiche operative Leitlinien für den Umgang mit dem Ausbruch. Dazu gehören Maßnahmen wie:
Diese Empfehlungen werden etwa in wissenschaftlichen Ratschlägen des Europäischen Zentrums für die Prävention und Kontrolle von Krankheiten (ECDC) beschrieben . Kritiker sehen darin eine gewisse Spannung: Während die Kommunikation beruhigend wirkt, behandeln die praktischen Maßnahmen das Ereignis als ernstzunehmenden Ausbruch.
Mehrere Wissenschaftler plädieren für stärkere Atemschutzmaßnahmen, zumindest vorsorglich. Dazu gehören:
Das ECDC empfiehlt ebenfalls Masken, Abstand von ein bis zwei Metern, persönliche Schutzausrüstung für Personal sowie systematische Nachverfolgung möglicher Kontakte .
Da das Andes‑Virus eine Inkubationszeit von bis zu mehreren Wochen haben kann, müssen exponierte Passagiere und Crew auch nach ihrer Rückkehr in verschiedene Länder weiter beobachtet werden .
Nach aktuellen Berichten stehen rund 11 Fälle und drei Todesfälle im Zusammenhang mit dem Ausbruch auf der MV Hondius, wobei die meisten bestätigten Infektionen auf das Andes‑Virus zurückgeführt werden .
Die WHO betont, dass es derzeit keine Anzeichen für einen größeren globalen Ausbruch gibt, warnt aber gleichzeitig, dass aufgrund der langen Inkubationszeit noch weitere Fälle auftreten könnten .
Trotz der geringen Fallzahl betrachten Fachleute den Vorfall als epidemiologisch bedeutsam: Das Virus kann schwer verlaufen, es gibt keine spezifische antivirale Behandlung, und die potenziell exponierten Passagiere wurden nach dem Vorfall in zahlreiche Länder ausgeflogen .
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