Kurz gesagt: Steigende Speicher- und Komponentenkosten dürften AMDs Gaming-Geschäft 2026 deutlich belasten. Laut Berichten zur AMD-Telefonkonferenz rechnet das Unternehmen damit, dass der Gaming-Umsatz im zweiten Halbjahr um mehr als 20 % gegenüber dem ersten Halbjahr zurückgeht [3][
9]. Für Verbraucherinnen und Verbraucher heißt das vor allem: Grafikkarten, Konsolen und PC-Komponenten werden wahrscheinlich teurer oder zumindest seltener günstiger.
Warum die Warnung von AMD wichtig ist
AMD steht insgesamt nicht schlecht da. Im ersten Quartal 2026 meldete der US-Chiphersteller einen Umsatz von 10,3 Milliarden US-Dollar [1]. Das Wachstum kommt aber vor allem aus einem anderen Bereich: AMD-Chefin Lisa Su sagte, die starke Nachfrage nach KI-Infrastruktur habe das Quartal geprägt; das Data-Center-Geschäft sei inzwischen der wichtigste Treiber für Umsatz- und Gewinnwachstum [
2][
7].
Gaming ist dagegen deutlich kleiner. Die Sparte erzielte im ersten Quartal rund 720 Millionen US-Dollar Umsatz, lag damit zwar 11 % über dem Vorjahr, aber 15 % unter dem Vorquartal [6]. Das macht die Lage besonders heikel: Wenn ein ohnehin kleinerer Geschäftsbereich zusätzlich durch höhere Kosten belastet wird, kann er für AMD schnell vom Wachstumsmotor zum Bremsklotz werden.
Der eigentliche Engpass heißt Speicher
Der Kostendruck kommt nicht nur von klassischen Chippreisen. Entscheidend sind Speicherbausteine: DRAM für Arbeitsspeicher, NAND für SSDs und GDDR-Speicher für Grafikkarten. Sourceability beschreibt seit Anfang 2025 stark kumulierte Preisanstiege bei DDR4, DDR5 und NAND, teils von mehr als 200 %, getrieben durch eine strukturelle Hochphase und außergewöhnliche Nachfrage aus dem KI-Sektor [13].
Das Problem: KI-Rechenzentren konkurrieren mit Konsumhardware um Speicherlieferungen. Wenn Hersteller mehr Kapazität und Marge im Server- und KI-Geschäft sehen, geraten PC-Komponenten, Grafikkarten und Konsolen unter Druck. Genau darauf verweisen auch Berichte zu AMDs Ausblick, in denen „höhere Speicher- und Komponentenkosten“ als zentraler Grund für den erwarteten Gaming-Rückgang genannt werden [3][
9].
Was das für Grafikkartenpreise bedeutet
Für PC-Gamer dürfte der Effekt am sichtbarsten bei Grafikkarten sein. Radeon-Karten und konkurrierende GPUs brauchen schnellen Videospeicher; wenn dieser teurer wird, steigen die Produktionskosten. Hersteller und Board-Partner können einen Teil davon auffangen – aber je länger die Kosten hoch bleiben, desto wahrscheinlicher werden Preiserhöhungen oder weniger aggressive Rabattaktionen [9][
16].
Das bedeutet nicht zwangsläufig, dass jede Karte sofort deutlich teurer wird. Wahrscheinlicher ist ein Mix aus höheren Einstiegspreisen, weniger Bundles, langsameren Preisnachlässen und weniger Angeboten kurz nach dem Marktstart. Für Käufer fühlt sich das am Ende ähnlich an: Der „Straßenpreis“ bleibt höher, selbst wenn die unverbindliche Preisempfehlung nicht überall massiv steigt.
Konsolen trifft dieselbe Rechnung
Auch Konsolenhersteller können dem Speichertrend kaum ausweichen. TrendForce meldete, steigende Speicherpreise hätten die Materialkosten – die sogenannte Bill of Materials, kurz BOM – in der Unterhaltungselektronik erhöht. Marken würden deshalb Verkaufspreise anheben, was wiederum die Nachfrage dämpfe [21].
Für Spielkonsolen senkte TrendForce die Prognose für 2026: Statt eines ursprünglich erwarteten Rückgangs der Lieferungen um 3,5 % rechnet das Marktforschungsunternehmen nun mit minus 4,4 % im Jahresvergleich [21]. In einem weiteren Bericht heißt es, Konsolenanbieter könnten Preissenkungen wegen der höheren Kosten aufschieben und stärker auf margenstabilere Hochpreisstrategien setzen [
20].
Für Verbraucher heißt das: Wer auf klassische Konsolenrabatte spät im Lebenszyklus hofft, könnte 2026 länger warten müssen. Gerade bei Bundles, Sondereditionen oder Speicher-Upgrades wird der Preisdruck spürbar.
AMD kann es verkraften – Gamer spüren es trotzdem
Für AMD als Konzern ist das Gaming-Problem nicht existenzbedrohend. Das Data-Center-Geschäft und KI-Beschleuniger tragen inzwischen deutlich mehr zur Wachstumsstory bei [2][
7]. Genau deshalb kann AMD trotz schwächerer Gaming-Aussichten starke Gesamtzahlen melden.
Für den Gaming-Markt ist die Botschaft aber unangenehm: Wenn die Kosten für Speicher und Komponenten steigen, trifft das fast jede Hardwarekategorie. Grafikkarten werden teurer herzustellen, Gaming-PCs lassen sich schwerer günstig konfigurieren, SSD- und RAM-Upgrades kosten mehr, und Konsolenhersteller haben weniger Spielraum für Preissenkungen [5][
20][
21].
Der wahrscheinlichste Effekt für 2026
Der breite Markt dürfte 2026 nicht kollabieren, aber preisempfindlicher werden. Viele Käufer werden Upgrades verschieben, kleinere SSDs oder weniger RAM wählen oder länger bei vorhandener Hardware bleiben. Das drückt Stückzahlen und macht es schwerer, Wachstum im klassischen Consumer-Gaming zu erzielen.
Die große Unsicherheit bleibt, wie lange die Speicherknappheit anhält und wie viel der höheren Kosten AMD, Nvidia, Board-Partner und Konsolenhersteller selbst tragen. Wenn die Hersteller mehr weitergeben, steigen die Endkundenpreise. Wenn sie mehr schlucken, sinken Margen. In beiden Fällen ist klar: Die KI-getriebene Speicherknappheit wird 2026 auch dort sichtbar, wo viele sie nicht zuerst erwarten – im Gaming-Regal.





